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  • Archive for Oktober, 2011

    The Help – ein Fehlgriff der Agenten

    Montag, Oktober 31st, 2011

    Das Buch im Film ist ein handfester Skandal. Anomynous, und damit ist nicht Shakespeares Ghostwriter (der neueste Streich des Ehren-Mayas Roland Emmerich) gemeint, lässt in Jackson, Mississippi, Anfang der 1960er Jahre schwarze Hausmädchen zu Wort kommen. Über Segregation, herablassend gönnerhafte Weiße und die modernisierte Sklavenhaltung von Menschen zweiter Klasse.


    Anfang Dezember startet The Help, den ich für das Kinoportal Moviemaze rezensiert habe, in den deutschen Kinos. Nicht wenige sehen in dem Portrait kämpferischer Frauen einen heißen Kandidaten für die Oscars 2012, vor allem wegen der vielen starken Schauspielerinnen, die beim Drehen einen Heidenspaß gehabt haben müssen: Viola Davis, Bryce Dallas Howard und Jessica Chastain zum Beispiel. Die wundervolle Emma Stone ist auch noch dabei.

    Die Entstehungsgeschichte von Film und Romanvorlage aber faszinieren mich am meisten. Da ist dieser Junge (Tate Taylor), aus dem ein Regisseur werden wird. Und da ist dieses Mädchen (Kathryn Stockett), das so gerne Schriftstellerin sein will. Gemeinsam wachsen sie in Jackson, Mississippi auf, werden Freunde und bleiben es. 2001 beginnt Stockett die Arbeiten an einem Buch, braucht fünf Jahre, schickt es fünf Dutzend Literaturagenten und kassiert Absage um Absage. Frust macht sich breit, doch der alte Freund, hin und weg vom Manuskript, redet ihr zu, aktiviert obendrein einen Produzenten und beginnt die Arbeiten am Drehbuch, noch bevor sich 2009 Penguin Books erbarmt, Stocketts Gute Geister zu veröffentlichen. Kurz darauf steht das Buch auf der Bestseller-Liste der New York Times – und bleibt dort 103 Wochen.

    Bei solchen Geschichten muss ich lächeln. Weil das Leben – werft mir ruhig Kitschempfänglichkeit vor – manchmal märchenhaft ist. Und weil es für die Unnachgiebigen doch immer irgendwo einen Weg gibt.

    Offizielle deutsche Seite von The Help
    The Help in der IMDB

    Trailer von The Help (via Youtube)

    Der Spalt und ich

    Sonntag, Oktober 23rd, 2011

    Der Hochnebel lag unversöhnlich über der Stadt und durch die Straßen kroch die graue Wucht des Herbstes. Am Utoquai schaute K. durch das Fenster der Tram hinaus auf den See. “Im Winter ist Zürich immer so”, sagte sie, “aber wart’s ab: Gleich fahren wir in die Sonne.” Und als wir dann eine halbe Stunde später auf der Autobahn an Pfäffikon vorbeipfiffen, den Bergen entgegen, später den Walensee links liegen ließen, da war es, als hätte jemand einen Vorhang aufgezogen. “So schön”, sagte meine Fahrerin. “Die Schweiz ist so schön.”

    Bald darauf lehnte ich am Rand des Außenbeckens der Tamina Therme von Bad Ragaz und wünschte mir, eine wasserfeste Kamera vorbeischippern zu sehen. Ich hätte sie ergriffen und dieses Motiv festgehalten. Das Motiv mit dem großen nach oben spitz verlaufenden dreieckigen Felsen mitten im Becken, mit dem Häuschen auf der Wiese dahinter vor dem Berg, der auch ein Hügel gewesen sein kann – so genau weiß ich das nicht mehr. Aber das bunte Schimmern, die andere Seite des Schweizer Herbstes, ist mir in Erinnerung geblieben.

    Und morgen starte ich erwartungsfroh in die letzte Woche meines goldenen Oktobers. Ich habe dieses Gefühl, dass sich da vergangene Woche eine Tür geöffnet hat, einen Spalt nur fürs Erste. Doch das Licht, das mir in winzigen Strahlen entgegenscheint, ist eine Einladung. Ich muss nur ein wenig drücken. . .

    Gysi, Dörrie, Bensch

    Samstag, Oktober 15th, 2011

    “Was sind das nur für Menschen die Beziehungen haben, betrachten die sich denn als Staaten?”, sang Heinz Rudolf Kunze Mitte der Achtziger. Kürzlich hat der Mann keinen Roman geschrieben (Vor Gebrauch schütteln) und ihn gestern bei Open Books auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. “Ich fand’s nicht so gut”, hat mir F. erzählt, als wir auf der Party der Jungen Verlage an der Bar eher zufällig ins Gespräch kamen. Ich konnte mir kein Urteil erlauben. Ich war abgehauen, bevor Kunze die Bühne betrat. Aber ich habe zuvor ins selbe Mikro gesprochen wie er.

    Mein Text Das Leben mit Tom ist der diesjährige Gewinner des Autorenwettbewerbs der Jungen Verlagsmenschen. Das ist gestern offiziell verkündet worden. Ich weiß es seit zwei Wochen – und lief seitdem mit einem inneren Lächeln durch die Welt. Die 25 Seiten sollen das Fundament sein, auf dem ich einen neuen Roman aufbauen möchte, spätestens in Palermo. Einstweilen arbeite ich daran, die Eindrücke zu verarbeiten, die auf mich herabgeprasselt sind.

    Es hat einen gewissen Charme, auf einem Podium zu sitzen, auf dem in den vergangenen Tagen schon Gregor Gysi, Jan Weiler, Wolf Biermann und Doris Dörrie Platz genommen haben. Rund 45 Minuten dauerten Lesung und Interview. Und es ist gut gelaufen. Christina Maria Landerl, die den Wettbewerb bei seiner Premiere vor zwölf Monaten gewonnen hat, ist in diesem Jahr veröffentlicht worden. “Es wäre toll, wenn es unserem diesjährigen Gewinner auch so ginge”, hat die Moderatorin Julia Strysio gesagt. Und sie hat recht.


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