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    narrativa: Vom Erzählen und Zuhören

    Montag, Mai 15th, 2017

    Über der Frankfurter Skyline zogen sich dunkle Wolken zusammen. Es blitzte, es goss. Tief im Osten der Stadt, über dem mediacampus, verstaubte dagegen die Sonne. Alles andere wäre auch inakzeptabel gewesen. Das Programmheft der narrativa hatte zum Finale einen Sundowner auf der Dachterrasse versprochen. Und seine Teilnehmer im Regen stehen zu lassen, liegt Textmanufaktur-Macher André Hille fern.

    Die erste Tagung für das gegenwärtige Erzählen führte am Samstag Autoren, Lektoren, Agenten und andere Buchmenschen aus dem deutschsprachigen Raum am Rande der Mainmetropole zusammen. Um Aspekte, Techniken und neue Formen des Erzählens sollte es explizit gehen, dazu natürlich ums Netzwerken, um den Erfahrungsaustausch, ums Sprechen und Zuhören – (mit-)einander, und (mit) den sechs Referenten.

    Meike Feßmann etwa gab – nach charmanter Einführung von Moderator und Autor Jörg Thadeusz – zarte Einblicke in das Leben einer Literaturkritikerinnenseele, die Lektorin Lisa Kuppler diskutierte unter der Überschrift „Mein Herz rast“ lebhaft Vor- und Nachteile des Präsenz als neuer, salonfähiger Erzählzeit, der Autor Andreas Maier ließ sich über „Die Poetik des Sich-Erinnerns“ aus.

    Maier, der wahrscheinlich Schnappatmung bekommt, wenn man ihn den deutschen Knausgard nennt, begann, schon bevor es trendy wurde, einen elfbändigen Romanzyklus über sein Leben und dekonstruierte auf der Suche nach Dichtung und Wahrheit in herrlich lakonischem Ton einen seiner Texte. Er zeigte, wie biografisch Fiktionales und wie fiktiv Biografisches sein kann.

    Einen Coup gelang Hille, indem er in seinem Programm zwei Stunden für Pitching-Sessions freiräumte. Für gut 50 Autoren mit Ideen im Kopf oder Manuskripten in der Schublade erhöhte das die Attraktivität der narrativa zusätzlich. Die Chance, von einer Agentin (und vor kleinem Publikum) die Marktchancen des aktuellen Projekts einschätzen zu lassen, wollte auch ich mir nicht entgehen lassen. Es hat sich gelohnt.

    Als die besonders ausdauernden Tagungsteilnehmer nach neun Stunden den Sundowner auf der Dachterrasse genossen, stand André Hille gelöst in einer Ecke und lächelte. Weil sein Baby, von wenigen verzeihlichen Kinderkrankheiten abgesehen, die Geburt gut überstanden hatte. Und weil Petrus den Regen über dem Bankenviertel niedergehen ließ und nicht über ihm. Die narrativa² folgt am 2. Juni 2018 im Kloster Andechs bei München.

    Info: Das literaturcafé.de hat die Akteure der narrativa interviewt und berichtet im Podcast. Eine der nächsten Gelegenheiten, den mediacampus kennenzulernen, ist die Sommer-Schreibwerkstatt Mitte Juli.

    Foto: © nodesign

    Vom Reisen und Schreiben

    Samstag, Januar 28th, 2017

    Cabo

    Es ist ein Geschenk, sich mehrere Monate Zeit nehmen zu können, um fern der gewohnten Umgebung an einem Roman zu arbeiten. Man muss sich nichts vormachen: Es ist Arbeit. Es ist verdammt viel Arbeit. Sie verlangt Sitzfleisch und eine Fechtausbildung gegen Zweifel und Schreibblockaden. (…) Doch diese Arbeit ist getränkt mit Freiheit.

    Ich habe für den wundervollen Reiseblog Today We Travel einen Gastbeitrag über Monate in Lissabon und auf Sizilien verfasst. Zu lesen gibt es ihn HIER.

    Am Ende

    Dienstag, November 29th, 2016

    cabo

    Vor der Ruhe hat die Natur den Schweiß gesetzt. Ich habe das schon mehrfach erfahren, zuletzt, als ich ans Ende Europas fuhr. Denn wo, wenn nicht am Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt unseres Kontinents, hätte meine Zeit in Portugal einen würdigeren Abschluss finden können?

    Also stieg ich in einen Bus, die Fähre über den Tejo, den Zug am Tejo entlang in Richtung Cascais und dort in einen weiteren Bus. Drei Stunden habe ich für die Strecke von 54 Kilometern gebraucht, doch wie ich da über den Felsen stand, bei 18 Grad und Sonne Ende November, wusste ich, es würde sich lohnen.

    So richtig wusste ich es natürlich erst, als ich mich von den Massen entfernte, die westlichste Punkte des Kontinents nun mal so anziehen, als ich die Felsen hinunter kletterte, wohin sich nur wenige trauten, als ich dort also saß und niemanden mehr sah oder hörte, nur noch die Wellen unter mir.

    Dort schloss ich die Augen, öffnete sie nur, um in die Sonne zu blinzeln oder mich zu vergewissern, dass das Meer noch da war. Ich dachte zurück an zwei Monate, an Nächte über dem Computer, wenn nur dörfliches Hundebellen die Ruhe störte, und an die Tage und Nächte, in denen ich vor der Ruhe floh.

    Am Ende der Reise steht die Rohfassung von Wer den Sprung wagt (Arbeitstitel) und die Gewissheit, dass die eigentliche Arbeit, das Überarbeiten, erst noch auf mich wartet. Es stehen Erinnerungen an Menschen, denen ich begegnete, während ich nicht schrieb. Bleibende? Das wird sich weisen.

    Morgen geht es zurück. Es war schön, mal wieder anderswo zu sein. Ich werde die Sonner vermissen.