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  • Archive for the ‘Wortmeldung’ Category

    Das letzte Dutzend

    Mittwoch, Februar 29th, 2012

    Zwölf Stunden sind es noch. Zwölf Stunden, dann startet mein Flieger nach Palermo. “Wie fühlst Du Dich?”, habe mich viele der vielen Menschen gefragt, die sich in den vergangenen Tagen von mir verabschiedet haben. Die Antwort ist: Ich bin aufgeregt, nervös, müde, voller Vorfreude und gespannter Erwartung. Ein Gefühlsmix.

    Inzwischen sind mir die Betätigungsoptionen abhanden gekommen. Max Frisch liegt neben mir, die letzten 30 Seiten von Homo Faber will ich noch lesen, um an Gepäckgewicht zu sparen. Musik von Mumford & Sons stimmt mich auf das ein, was da kommen mag, was auch immer es sein wird.

    K. hatte mich in Hamburg mit den Briten bekannt gemacht. Am Tag nach dem Auftritt beim Lola-Slam, der mit misslungen wohl am treffendsten beschrieben ist und der mir einmal mehr poetische Grenzen aufzeigte, schwelgte ich in Erinnerungen und bereitete mich gleichzeitig auf die Zukunft vor.

    Selbige beginnt bald, morgen, nach dem Aufstehen. Es kann ein wenig dauern bis zur nächsten Wortmeldung. Ich muss mich erst ins sizilianische Chaos einordnen. Bis bald!

    Die dunklen Tage der Idylle

    Freitag, Januar 27th, 2012

    Der Mann mit der Gitarre spielte und sang, mit süffisantem Lächeln, auch mal mit kraftvollem Klagen. Stand zwischendurch auf und erzählte Geschichten. Kurze Episoden auf einer jüdischen Zeitreise, beginnend mit König David. Und nur kurz streifte Dany Bober am Vorabend des Holocaust-Gedenktages, zu dem der Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar vor 16 Jahren machte, jene Zeit des Unfassbaren, deren Erinnern zur ewigen Verantwortung geworden ist.

    Die Zuhörer im evangelischen Mörike-Gymnasium Stuttgart haben häufiger mitgelacht als dass ihnen der Kloß im Halse stecken blieb. Dany Bober wollte es so. Einige derer, die laut einer neuen Studie größtenteils aus purer Unwissenheit antisemitische Einstellungen an den Tag legen, hätte der Abend gut getan, hätte geholfen bei einer Differenzierung.

    Ich hatte vor, in diesen Tagen eine weitere Folge des Videoblogs online zu stellen. Sie sollte im Höhenpark Killesberg spielen, einem der Orte in Stuttgart mit der höchsten Naherholungsqualität. Ein kleines Idyll, in dem meine neueste Kurzgeschichte angesiedelt ist. Doch als ich die Aufnahmen sichtete, wirkten sie plötzlich banal. Was bleibt, ist ein Foto.

    Es zeigt den Turm des Stuttgarter Verschönerungsvereins, der symbolhaft steht für das Idyllische, von dessen höchster Plattform man einen wundervollen Blick in den Kessel hat. Auf ihm spielt meine Geschichte. Doch diese greift auch die düsteren Anfangskapitel in der Historie des Parks auf. Eine Initiative bemüht sich zurzeit, diese stärker im kollektiven Bewusstsein zu verankern.

    Noch im Dezember habe ich als Journalist für die Stuttgarter Zeitung über das Projekt berichtet. Das Autorendasein bietet andere Möglichkeiten. Was aus meiner Geschichte wird, entscheiden zunächst einmal andere. Was aus unserer Geschichte wird, im Endeffekt wir alle.

    Tage des Schlämmers

    Donnerstag, Januar 19th, 2012

    „Zu viel Sport gemacht oder zu wenig?“, fragte mich der Apotheker, bevor ich seinen halben Laden leerkaufte. „Eher zu wenig“, antwortete ich spontan schlecht gelaunt – und überlegte mir noch im selben Moment, ob ich nicht doch besser den Telefonjoker gezogen hätte.

    Die Ironie will es so, dass ausgerechnet die Krankengymnastik, mit der ich meinen seit Weihnachten anhaltenden Rückenschmerzen den Kampf angesagt habe, dafür gesorgt hat, dass die Schmerzen zugenommen haben. Ich habe wohl an den Geräten etwas übertrieben. Gestern probierte ich sämtliche Körperhaltungen im Bereich zwischen Krabbeln und Stehen aus. Am Ende entschied ich mich fürs Liegen. Dauerhaft.

    Heute nun rammte mir meine Orthopädin eine Cortisonspritze in den Körper (das Verb ist selbstverständlich als Mittel der Dramatisierung zu verstehen, gewählt aus künstlerischer Freiheit, und meine Ärztin in Wirklichkeit eine einfühlsame Frau) und mein Physiotherapeut gab mir Hausaufgaben auf, nachdem er mich mit Massage und Fango (mit „f“, nicht mit „m“, lieber C.) benebelt hatte und sich anschließend meiner vernachlässigten Bauchmuskeln annahm. Von den Anweisungen („anspannen!“, „weiteratmen!“ – auch hier: künstlerische Freiheit!) ist mir noch immer etwas schwindelig.

    Nun liege ich im Bett und neben mir steht die Hälfte der halben Apotheke. Ich hatte nicht genug Geld dabei, zahlte den Rest aber immerhin in bar. Und ein wenig fühle ich mich wie eine Mischung aus Horst Schlämmer und Andrea Petkovic. Vom Sonnenschein des derzeitigen deutschen Frauentennis hätte ich mich in diesen Tagen gerne ablenken lassen. Aber sie ist verletzt, hat die Australian Open verpasst – ich leide mit ihr.

    Immerhin: schreiben geht auch in der Horizontalen. Und dieses Fangozeugs hat mich irgendwie inspiriert.


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