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  • Posts Tagged ‘Buchmesse’

    Gysi, Dörrie, Bensch

    Samstag, Oktober 15th, 2011

    “Was sind das nur für Menschen die Beziehungen haben, betrachten die sich denn als Staaten?”, sang Heinz Rudolf Kunze Mitte der Achtziger. Kürzlich hat der Mann keinen Roman geschrieben (Vor Gebrauch schütteln) und ihn gestern bei Open Books auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. “Ich fand’s nicht so gut”, hat mir F. erzählt, als wir auf der Party der Jungen Verlage an der Bar eher zufällig ins Gespräch kamen. Ich konnte mir kein Urteil erlauben. Ich war abgehauen, bevor Kunze die Bühne betrat. Aber ich habe zuvor ins selbe Mikro gesprochen wie er.

    Mein Text Das Leben mit Tom ist der diesjährige Gewinner des Autorenwettbewerbs der Jungen Verlagsmenschen. Das ist gestern offiziell verkündet worden. Ich weiß es seit zwei Wochen – und lief seitdem mit einem inneren Lächeln durch die Welt. Die 25 Seiten sollen das Fundament sein, auf dem ich einen neuen Roman aufbauen möchte, spätestens in Palermo. Einstweilen arbeite ich daran, die Eindrücke zu verarbeiten, die auf mich herabgeprasselt sind.

    Es hat einen gewissen Charme, auf einem Podium zu sitzen, auf dem in den vergangenen Tagen schon Gregor Gysi, Jan Weiler, Wolf Biermann und Doris Dörrie Platz genommen haben. Rund 45 Minuten dauerten Lesung und Interview. Und es ist gut gelaufen. Christina Maria Landerl, die den Wettbewerb bei seiner Premiere vor zwölf Monaten gewonnen hat, ist in diesem Jahr veröffentlicht worden. “Es wäre toll, wenn es unserem diesjährigen Gewinner auch so ginge”, hat die Moderatorin Julia Strysio gesagt. Und sie hat recht.

    Aliens und Poesie

    Dienstag, September 13th, 2011

    Die Müdigkeit, die jetzt, Dienstagabend, 21.02 Uhr, gähnend langsam durch mich durchkriecht, hat zwei Ursachen: die eine heißt Novak Djokovic und hat mich mit seinem “außerirdischen Tennis” gestern im Endspiel der US-Open gegen Rafael Nadal vom Schlafen abgehalten, der andere Fremdschämen und ist der (Arbeits-)Titel eines Gedichts, das ich vielleicht – bei einem Finaleinzug – am Freitag beim Poetry-Slam im Club Bastion in Kirchheim/Teck performen werde.

    Lange habe ich mich vor dem Schreiben gedrückt, besser: vor dem Dichten. Hatte lieber an dem Drehbuch-Treatment gefeilt. Gestern dichtete ich die erste Hälfte, vielleicht auch nur das erste Drittel – mit etwas Hilfe von Franz Schubert. Nun drücke ich mich schon wieder. Der Druck, er ist wohl einfach noch nicht groß genug. Das Treatment, indes, ist auch noch nicht fertig geworden ist. Ich werde darauf zurückkommen.

    Und danach werde ich anderswo hinkommen. Ins alte Würzburg am zweiten Oktoberwochenende, zur Geburtstagsparty von S. Ins wuselige Frankfurt am dritten Oktoberwochenende, zur Buchmesse und dem Hauptseminar des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen. Schließlich ins gestylte Zürich und ins relaxte Bad Ragaz am dritten Oktoberwochenende, zum lange angestrebten Thermalbadbad.

    Die Müdigkeit wird weiter kriechen in den Wochen, die da vor mir liegen. Doch hat sie auch ihr Gutes: Sie erinnert einen an das Lebhafte der jüngsten Vergangenheit.

    Im Bett mit Roger Willemsen

    Donnerstag, August 25th, 2011

    Es war schwül in der Nacht, in der ich neben meinem Bett ein kleines Blatt Papier und einen Stift fand. Fast nackt lag ich da und der Schweiß klebte an meinem Körper. Doch plötzlich war ich glücklich. Allein aus dem Grund, weil da ein Zettel – mehr war es wirklich nicht – und ein Kugelschreiber lagen. Denn es rasten Gedanken durch meinen Kopf. Sie wollten hinaus, wollten niedergeschrieben werden. Also legte ich Roger Willemsen beiseite. Ich konnte mich sowieso nicht auf ihn konzentrieren. . .

    Es gibt gute Freunde, die behaupten, es täte mir gut, in manchen Situationen (im Bett zum Beispiel) den Kopf auszuschalten. Ich denke dann immer daran, wie schön es wäre, auf Knopfdruck an nichts denken zu können, das Leben einfach geschehen zu lassen. Aber diesen Knopf gibt es nicht und ich habe mich damit abgefunden, von wahllosen Ideen gejagt und von der Stille der Nacht verhöhnt zu werden, weil ich ihr nicht entrinnen kann.

    Zurzeit aber hadere ich mit meiner Gabe, meinem Klotz. Weil ich mich dabei ertappe, wie meine Augen über die Seiten eines Buches huschen, ohne dass die Botschaften ankommen. Weil ich anderswo bin: in Palermo, viel zu häufig im (Journalisten-)Dienst – oder in Frankfurt. Dort, auf der Buchmesse, traf ich 2004 Roger Willemsen zum Interview. Ich werde es nie vergessen, weil es einer der aufregendsten Momente des Jahres und meiner noch sehr jungen Stuttgarter-Zeitungs-Karriere war.

    Willemsen hatte sich 2001 vorübergehend vom Fernsehen gelöst, um sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Seine gute Laune imponierte mir, sah ich in ihm doch “den Mann mit den hängenden Mundwinkeln”. Seine kühle Analyse einer Welt, die ich mit einer damals noch naiven, heute etwas gefestigteren Skepsis betrachtete, gefiel mir gleichermaßen. Reinhard Mohr hatte ihn einige Jahre zuvor im Spiegel “einen beflissenen Snob” genannt, der die “geschwätzige Selbstbespiegelung” pflegt. Ich gewann einen anderen Eindruck.

    Und so kommt es, dass ich mich in diesen Tagen über mein ständiges Abschweifen ärgere, wenn ich im Bett liege und mich eigentlich auf Willemsens 2008 erschienenes Buch Der Knacks konzentrieren möchte. Ich, der zum Ende des Jahres einen Bruch plant. Papier und Stift aber werden jetzt immer neben meinem Bett liegen. Und der nächste Zettel wird ein größerer sein.


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