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  • Archive for Juni, 2011

    Speedminton im Fieberrausch

    Sonntag, Juni 19th, 2011

    Die Gedanken in meinem Kopf spielen Speedminton. Also Federball in ganz schnell. Gestern Nacht bin ich lange wachgelegen und habe gestaunt. Es gab diese Momente, direkt nach meinem ersten öffentlichen Auftritt überhaupt – beim Poetry Slam im Club Bastion, Kirchheim/Teck – da war ich davon überzeugt, dass dieses Bühnenleben nicht das meine ist. Weil ich keiner bin, der dort oben am Mikrofon steht und Feuer speit, wie es zum Beispiel der unbändige Moritz Kienemann mit seinem Text Nichts tat. Weil ich kein Performer bin. Weil mich die Symptome meiner Nervosität innerlich verdroschen. Weil ich irgendwie ein Schreiber bin, kein Vortrager. Und dennoch fange ich an zu spinnen, dennoch verselbstständigen sich meine Ideen, dennoch zeigt mein Kopfkino die Show Marc Bensch, Vol. 2 – Sicherer, kreativer, leidenschaftlicher und ich kann nichts dagegen tun. Ich glaube, ich habe Bock auf Bühne. Ich glaube, ich hab Fieber.

    Palermo Writing

    Mittwoch, Juni 1st, 2011

    Es gibt diese eine Szene in Wim Wenders‘ gewohnt eigenwilligem Film Palermo Shooting. „Palermo?“, fragt da der Manager von Starfotograf Finn und in seiner Stimme hört man die nackte Verblüffung. Vielleicht mehr noch: den Zweifel am gesunden Menschenverstand des Klienten. „Hast Du einen blassen Schimmer wo Du das Shooting machen willst?“ Man sieht Campino, der diesen Finn spielt, aus dem Fenster des Fliegers blinzeln. „Nein ich war da noch nie“, antwortet er. „Aber ich gucke gerade Bilder an. Die gefallen mir.“ 2008, drei Tage vor Silvester, habe ich den Film in dem verträumten Stuttgarter Arthaus-Kino gesehen, in dem mich vor mehr als 20 Jahren schon Ronja Räubertochter zum Staunen gebracht hat. Und diese Stadt, diese Idee, ist mir seitdem nicht aus dem Kopf gegangen.

    Ich habe beschlossen, nächstes Jahr für vier Monate nach Palermo zu ziehen. Ich weiß noch nicht wohin. Ich weiß eigentlich überhaupt nichts von dieser Stadt, abgesehen von ihrer geografischen Lage und dem Namen ihres Fußballclubs. Aber ich weiß, dass ich dorthin möchte. Dass ich mich dort von März bis Juni 2012 in die Sonne, ans Wasser, auf Plätze setzen möchte. Dass ich durch die Gassen laufen möchte, um die Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Dass ich Italienisch sprechen möchte. Und dass ich dort schreiben möchte. Ungebunden. Ungehindert. Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, was immer mir einfällt. Also verlasse ich Ende des Jahres die Stuttgarter Zeitung – die Kollegen, das Blatt, die Herausforderungen, die mir ans Herz gewachsen sind – und folge dem Ruf der Ferne. Ich möchte mir in einigen Jahren nicht selbst vorwerfen müssen, keine Risiken eingegangen zu sein. Nicht der Risiken wegen. Sondern der Erfahrung. Der Horizonterweiterung. Des Lebens.