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  • Im Bett mit Roger Willemsen

    Es war schwül in der Nacht, in der ich neben meinem Bett ein kleines Blatt Papier und einen Stift fand. Fast nackt lag ich da und der Schweiß klebte an meinem Körper. Doch plötzlich war ich glücklich. Allein aus dem Grund, weil da ein Zettel – mehr war es wirklich nicht – und ein Kugelschreiber lagen. Denn es rasten Gedanken durch meinen Kopf. Sie wollten hinaus, wollten niedergeschrieben werden. Also legte ich Roger Willemsen beiseite. Ich konnte mich sowieso nicht auf ihn konzentrieren. . .

    Es gibt gute Freunde, die behaupten, es täte mir gut, in manchen Situationen (im Bett zum Beispiel) den Kopf auszuschalten. Ich denke dann immer daran, wie schön es wäre, auf Knopfdruck an nichts denken zu können, das Leben einfach geschehen zu lassen. Aber diesen Knopf gibt es nicht und ich habe mich damit abgefunden, von wahllosen Ideen gejagt und von der Stille der Nacht verhöhnt zu werden, weil ich ihr nicht entrinnen kann.

    Zurzeit aber hadere ich mit meiner Gabe, meinem Klotz. Weil ich mich dabei ertappe, wie meine Augen über die Seiten eines Buches huschen, ohne dass die Botschaften ankommen. Weil ich anderswo bin: in Palermo, viel zu häufig im (Journalisten-)Dienst – oder in Frankfurt. Dort, auf der Buchmesse, traf ich 2004 Roger Willemsen zum Interview. Ich werde es nie vergessen, weil es einer der aufregendsten Momente des Jahres und meiner noch sehr jungen Stuttgarter-Zeitungs-Karriere war.

    Willemsen hatte sich 2001 vorübergehend vom Fernsehen gelöst, um sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Seine gute Laune imponierte mir, sah ich in ihm doch „den Mann mit den hängenden Mundwinkeln“. Seine kühle Analyse einer Welt, die ich mit einer damals noch naiven, heute etwas gefestigteren Skepsis betrachtete, gefiel mir gleichermaßen. Reinhard Mohr hatte ihn einige Jahre zuvor im Spiegel „einen beflissenen Snob“ genannt, der die „geschwätzige Selbstbespiegelung“ pflegt. Ich gewann einen anderen Eindruck.

    Und so kommt es, dass ich mich in diesen Tagen über mein ständiges Abschweifen ärgere, wenn ich im Bett liege und mich eigentlich auf Willemsens 2008 erschienenes Buch Der Knacks konzentrieren möchte. Ich, der zum Ende des Jahres einen Bruch plant. Papier und Stift aber werden jetzt immer neben meinem Bett liegen. Und der nächste Zettel wird ein größerer sein.

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