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  • Archive for September, 2011

    Auf der Spielwiese der anderen

    Samstag, September 17th, 2011

    „Du bist so still“, stellte A. fest, während die Häuschen entlang der Kirchheimer Fußgängerzone im Schritttempo an uns vorbeiflogen. Und später, in der Pause des Poetry-Slams im Club Bastion, trank sie einen Schluck Afri Cola und lächelte mich an. „Du bist schon ein bisschen nervös, oder?“ Meine Antwort fiel kurz aus. Ich war damit beschäftigt, Vierzeiler in meinem Kopf zu jonglieren.

    Eine Viertelstunde später berührte meine Stimme das Mikrofon. Das grelle Licht der Scheinwerfer blendete mich. Doch das Fieber, mit dem ich gerechnet hatte, kam nicht. Ich entließ meinen Text aus meinem Kopf und war überrascht, wie subjektiv flüssig er aus mir heraussprudelte. Es war kein Gewinnertext. Und noch weniger ein Gewinnerauftritt. Doch ich genoss ihn trotzdem.

    Und da war sie dann wieder: die dunkle Erkenntnis, nicht ins Reich der slammenden Poeten zu gehören. Neidlos gestand ich mir ein, dass andere spielerischer, unbekümmerter, poetischer waren. Es sind die richtigen an diesem Abend ins Finale gekommen und es war eine Freude ihnen zuzuhören.

    Und ich? Verließ die Bastion mit nach oben gerichteten Mundwinkeln. Irgendwie befreit. Sicherlich motiviert. Neue und alte Projekte warten auf mich. „Komm wieder“, hat Moderator Pierre Jarawan zu mir gesagt.  „Wahrscheinlich nicht so schnell“, sag ich ihm hiermit. Aber irgendwann sicher – wenn mir der Sinn nach einer Spielwiese steht.

    Aliens und Poesie

    Dienstag, September 13th, 2011

    Die Müdigkeit, die jetzt, Dienstagabend, 21.02 Uhr, gähnend langsam durch mich durchkriecht, hat zwei Ursachen: die eine heißt Novak Djokovic und hat mich mit seinem „außerirdischen Tennis“ gestern im Endspiel der US-Open gegen Rafael Nadal vom Schlafen abgehalten, der andere Fremdschämen und ist der (Arbeits-)Titel eines Gedichts, das ich vielleicht – bei einem Finaleinzug – am Freitag beim Poetry-Slam im Club Bastion in Kirchheim/Teck performen werde.

    Lange habe ich mich vor dem Schreiben gedrückt, besser: vor dem Dichten. Hatte lieber an dem Drehbuch-Treatment gefeilt. Gestern dichtete ich die erste Hälfte, vielleicht auch nur das erste Drittel – mit etwas Hilfe von Franz Schubert. Nun drücke ich mich schon wieder. Der Druck, er ist wohl einfach noch nicht groß genug. Das Treatment, indes, ist auch noch nicht fertig geworden ist. Ich werde darauf zurückkommen.

    Und danach werde ich anderswo hinkommen. Ins alte Würzburg am zweiten Oktoberwochenende, zur Geburtstagsparty von S. Ins wuselige Frankfurt am dritten Oktoberwochenende, zur Buchmesse und dem Hauptseminar des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen. Schließlich ins gestylte Zürich und ins relaxte Bad Ragaz am dritten Oktoberwochenende, zum lange angestrebten Thermalbadbad.

    Die Müdigkeit wird weiter kriechen in den Wochen, die da vor mir liegen. Doch hat sie auch ihr Gutes: Sie erinnert einen an das Lebhafte der jüngsten Vergangenheit.

    Wenn die Sinne stiften gehen

    Montag, September 5th, 2011

    Es dauerte zwei, vielleicht drei Sekunden – da wurde mir klar, dass ich beim Griff in den Kleiderschrank kein Fingerspitzengefühl bewiesen hatte. Beim Fantasy Filmfest, das noch bis Mittwoch in Stuttgart läuft, ist man mit einem weißen T-Shirt schlichtweg eine Fehlbesetzung. Und so sah ich die Blicke der anderen auf mich gerichtet, glaubte es zumindest. Bis es im Saal der schwarzen Gestalten dunkel wurde – und Perfect Sense begann.

    Quelle: Trailer (Screenshot)

    Als ich gut eineinhalb Stunden später das Licht wiedersah und auf den sonnenüberstrahlten Schlossplatz trat, brauchte ich eine Bank, um mich zu setzen. Und um es dem Film zu gestatten, sich zu setzen. Vor einigen Jahren habe ich Die Stadt der Blinden von José Saramago gelesen, den ich für seine Fähigkeit bewundere, Zorn in Kreativität umzuwandeln. Menschen verlieren darin wahllos ihr Augenlicht und werden nicht nur von den Gesunden geächtet, aus Furcht vor Ansteckung. Sie bekriegen sich auch bald gegenseitig.

    Der Film Perfect Sense des schottischen Regisseurs David Mackenzie geht mehrere Schritte weiter. Anders als Saramago erzählt er keine gesellschaftliche Parabel – zumindest nicht in erster Linie -, sondern die Liebesgeschichte zwischen dem Chefkoch Michael (Ewan McGregor) und der Epidemielogin Susan (Eva Green) im Augenblick des langsamen Untergangs. Denn auf unerklärliche Weise verliert die Menschheit nach und nach ihre Sinne. Und das geht an die Nieren.

    Ich hatte den Film ursprünglich gar nicht auf dem Radar gehabt. Der Kritikerkollege Daniel Licha hat ihn mir ans Herz gelegt, weil er glaubte, er würde mir gefallen. Und er kennt meinen Geschmack inzwischen sehr gut. Heute nun bin ich ins Kino zurückgekehrt, um mir mit M. Super anzusehen, den etwas anderen Superheldenfilm, amüsant und schonungslos. Mit einer Ellen Paige, die so wunderbar in ihrer Rolle verschwindet.

    Wenige Sätze der Festivalmitarbeiterin, losgelassen bevor der Vorhang auf- und das Licht ausging, haben aber alles überlagert. Vor dem Kino lägen Flyer, sagte sie. Ausschreibungen für den Wettbewerb Schreib um Dein Leben der Ratpack Filmproduktion, für den ein Exposé für einen Thriller, einen Mysteryfilm oder einen Horrorstreifen benötigt wird.  Abgabefrist ist der 30. September – und ich bin fest gewillt, der Jury das Fürchten zu lehren.

    Vom Hasten und Rasten

    Donnerstag, September 1st, 2011

    Das Tief kommt. Es kommt immer. Unaufhaltsam. Ich weiß es. Und die Kollegen wissen es auch. Immer donnerstagnachmittags, wenn die aktuelle Ausgabe für den Tag danach auf dem Weg in den Druck ist, türmt sich das Postproduktionsloch vor einem auf. Wenn die Anspannung abfällt, bleibt Müdigkeit übrig. So ist das Schicksal eines Wochenzeitungsmenschen.

    Heute, 1. September 2011, ist ein Donnerstag – und obendrein der Tag nach Mittwoch. Der Mittwoch, an dem die Abgabefrist für den Kurzgeschichtenwettbewerb Agatha-Christie-Krimipreis 2012 verstrich. Für mich gebe es damit zwei Gründe, darnieder zu liegen. Tödliche Empathie, mein Beitrag, wurde gestern fertig, die Innenstadtausgabe der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten wie gewohnt heute. Nach 47 Stunden journalistischer Arbeit in den vergangenen fünf Tagen wäre es Zeit für eine Pause. Wäre. Ich blicke stattdessen nach vorne.

    Der Mensch ist ein Etappentier. Er hastet von einem Ziel zum nächsten. Wobei, und das ist psychologisch erwiesen, das nächste Ziel immer verlockender ist als das letzte. „Glück als Zustand ist abzulehnen. Er würde jedes Streben abtöten“, hat der Schriftsteller und Philosoph Manès Sperber gesagt. Weil der Mensch aber permanent strebt, wird Glück für ihn unerreichbar. „Das kann doch nun nicht schon alles gewesen sein“, denkt sich der Strebsame und sucht sich eine neue Herausforderung. Eine, die ihm so lange golden erscheint, bis sie ihre Schönheit verliert, weil er sie bezwungen hat. Einen Vorteil hat das rastlose Handeln und Wandeln indes: Es hindert einen am Grübeln.

    Wobei: ich werde in den nächsten Tagen gezwungen sein zu grübeln. Denn Pierre Jarawan hat mich gefragt, ob ich nicht wieder bei seinem Poetry Slam in der Bastion Kirchheim/Teck auftreten möchte. Ich habe an meine Premiere gedacht und nicht lange gezögert. Das Problem: ich brauche vorzeigbare Texte, zumindest einen. Es bleiben 15 Tage. Auf in die nächste Etappe!