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  • Flüstertüten und Schreihälse

    Veränderung beginnt mit einem Flüstern. So sah es zumindest der btb-Verlag, als er seinen Schreibwettbewerb ausschrieb. Es ist der letzte Aufruf in diesem Jahr, dem ich gefolgt bin – mit gewissen Zweifeln, weil ich in mir nicht den Prototypen eines Schreibers sehe, der (wie verlangt) berührende Geschichten verfasst. Bewegend vielleicht, aber nicht berührend. Oder doch?

    Einem Zweifel auch, weil ich wegen des Themas fremdelte. Zwei Tage hintereinander wiederholte ich es in meinem Kopf immer wieder. Entwickelte Ideen und verwarf sie im nächsten Moment. Bis ich eine fand von der ich glaubte es würde sich lohnen, ihr zu vertrauen. Ob das Resultat je jemand anderes als Testleserin C. zu Gesicht bekommen wird, weiß ich nicht.

    Als ich vor einigen Wochen auf einer Party einem leidgeplagten Kollegen von der Ausschreibung berichtete – wir standen atmend auf einem vom Zigarettenrauch umhüllten Balkon, wenige Meter über der belebten Stuttgarter Innenstadt – da schüttelte er den Kopf. Veränderung beginnt mit einem Flüstern – damit war er nicht einverstanden.

    Veränderung beginne mit einem Ausbruch, der selten leise vonstatten gehe, meinte er. Und ich musste an meinen ehemaligen Dozenten für politische Theorie denken, einem Anhänger von Adorno und Horkheimer, der einmal – bevor die bayerische Uni beschloss, seinen Vertrag nicht zu verlängern – vom Zorn gesprochen habe, von dem er hoffe, dass er irgendwann so gewaltig werde, dass er die Furcht verdränge.

    2011 ist ein Jahr historischer Veränderungen. Aber geflüstert haben beim Verändern tatsächlich die wenigsten.

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