• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Die dunklen Tage der Idylle

    Der Mann mit der Gitarre spielte und sang, mit süffisantem Lächeln, auch mal mit kraftvollem Klagen. Stand zwischendurch auf und erzählte Geschichten. Kurze Episoden auf einer jüdischen Zeitreise, beginnend mit König David. Und nur kurz streifte Dany Bober am Vorabend des Holocaust-Gedenktages, zu dem der Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar vor 16 Jahren machte, jene Zeit des Unfassbaren, deren Erinnern zur ewigen Verantwortung geworden ist.

    Die Zuhörer im evangelischen Mörike-Gymnasium Stuttgart haben häufiger mitgelacht als dass ihnen der Kloß im Halse stecken blieb. Dany Bober wollte es so. Einige derer, die laut einer neuen Studie größtenteils aus purer Unwissenheit antisemitische Einstellungen an den Tag legen, hätte der Abend gut getan, hätte geholfen bei einer Differenzierung.

    Ich hatte vor, in diesen Tagen eine weitere Folge des Videoblogs online zu stellen. Sie sollte im Höhenpark Killesberg spielen, einem der Orte in Stuttgart mit der höchsten Naherholungsqualität. Ein kleines Idyll, in dem meine neueste Kurzgeschichte angesiedelt ist. Doch als ich die Aufnahmen sichtete, wirkten sie plötzlich banal. Was bleibt, ist ein Foto.

    Es zeigt den Turm des Stuttgarter Verschönerungsvereins, der symbolhaft steht für das Idyllische, von dessen höchster Plattform man einen wundervollen Blick in den Kessel hat. Auf ihm spielt meine Geschichte. Doch diese greift auch die düsteren Anfangskapitel in der Historie des Parks auf. Eine Initiative bemüht sich zurzeit, diese stärker im kollektiven Bewusstsein zu verankern.

    Noch im Dezember habe ich als Journalist für die Stuttgarter Zeitung über das Projekt berichtet. Das Autorendasein bietet andere Möglichkeiten. Was aus meiner Geschichte wird, entscheiden zunächst einmal andere. Was aus unserer Geschichte wird, im Endeffekt wir alle.

    Tags: , , , ,

    Leave a Reply