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  • Archive for März, 2012

    Von Pfarrern und Schäfern

    Samstag, März 24th, 2012

    Durch mein geöffnetes Fenster dringen unverständliche italienische Gesprächsfetzen. In irgendeiner Wohnung bläst eine Donna ihrem Marito gehörig den Marsch. Er scheint sich nur zu verteidigen, das Regiment aber führt sie.

    Palermo wird zurzeit von Tag zu Tag lebendiger. Trotz bewölktem Himmel war am Foro Italico heute Nachmittag einiges los. Auch auf Sizilien strömen die Sonnenanbeter nach draußen, was vor allem daran liegen könnte, dass sie im Sommer eher vor der Hitze und dem Scirocco fliehen. Für die erste sizilianische Folge meines Videoblogs habe ich mir dann ein ruhiges Plätzchen gesucht.

    Und wenn das Wetter hält, werde ich später wieder in die Stadt eintauchen – zu weiteren interkulturellen Forschungen, wie man sie auch nennen könnte. Die beschränken sich bislang hauptsächlich auf Gespräche mit meinen Mitbewohnern. Diese Woche habe ich Ihnen von Joachim Gauck erzählt, unter anderem dass er ein ehemaliger Pastore ist. Was ich nicht wusste und zunächst zu Missverständnissen führte: Pastore heißt im Italienischen auch Schäfer.

    Wobei: das passt ja auch irgendwie.

    Weltenbummeln in Palermo

    Montag, März 19th, 2012

    Es braucht nicht viel für mich, um in Italien anzukommen. Ein Schritt aus dem Haus genügt. Eigentlich reicht es schon, das Fenster aufzumachen und den Hinterhofgeräuschen zu lauschen. Wenn ich aber auf der Straße stehe, umschwärmt mich diese spezielle Art von Leben, die es nur in (Süd-)Italien zu geben scheint – auch wenn diese Via Pietro Randazzo alles andere als eine Hauptstraße ist.

    Seit sieben Tagen strahlt hier die Sonne, ungestört von spielverderberischen Wolken. Ich habe das zu ausführlichen Spaziergängen genutzt, etwa über den grandiosen Markt Ballarò oder zum Hafen, in den Orto Botanico (den Botanischen Garten) oder in die Parkanlage Foro Italico direkt am Meer.

    Faszinierend sind dabei vor allem die sprunghaft wechselnden Welten. Mit den Straßen, auf denen tatsächlich derjenige Vorfahrt hat, der am lautesten hupt, und Zebrastreifen nur Dekoration sind. Mit den Gässchen, in denen man unter weitgespannten Wäscheleinen hindurchgeht und in denen die Türen aller Häuser offen stehen. Mit den Hauptstraßen, an denen einem Aufkommen und undurchschaubare Anordnung des Verkehrs den Kopf verdrehen. Und, wenige Schritte davon entfernt, mit den Orten völliger Entspannung.

    Auf den Bänken über dem Meer werde ich bestimmt noch häufig dem Rauschen der Wellen zuhören, die gegen die Felsen klatschen. Die lebendige Stadt, das zuweilen etwas hyperaktive Palermo, ist dort so nah und doch so weit weg.

    Das Rennen gegen Gauck

    Montag, März 12th, 2012

    Jedes Mal, wenn ich A.s Profilfoto bei Facebook sehe, muss ich lächeln. Wegen des Meeres und der untergehenden Sonne, die man am Horizont erahnen kann. Und als wir vor knapp einem Monat voneinander lasen, schrieb ich etwas, von dem ich ausging, es würde die leichteste Herausforderung der Welt werden: „Ich bin guten Mutes, dass ich ein Sonnenprofilfoto habe, bevor Deutschland einen neuen BuPrä bekommt“.

    Nun habe ich noch fünf Tage und meine Zuversicht schwindet. Meine erste volle Woche in Palermo wurde begleitet von Regen, er- und unnachgiebig, Schreibwetter also. Und so saß ich vergangene Woche zwar kurz einmal auf der Terrazza a mare und ließ die Beine baumeln, machte Halt in der Villa Giulia  und ließ mir auf einer Parkbank liegend die Sonne ins Gesicht scheinen, flüchtete aber, als die schwer Vermisste sich ihrerseits hinter eine Wolkenbank flüchtete.

    Die schönen Seiten des Frühlings, das hat man mir geflüstert, machen gerade Teilen Deutschlands ihre Aufwartung. Hier sind sie nicht. Mitleid aber ist unangebracht. Erstens bin ich zum Arbeiten hier und tue das mit Eifer und Freude, zweitens „wirst Du noch oft genug über die Hitze da unten stöhnen“, wie D. treffend sagte.

    Unfassbar, wie viel sich über so etwas Simples wie das Wetter erzählen lässt. . .

    Gekommen um zu bleiben

    Dienstag, März 6th, 2012

    Es ist dieses euphorische Aufeinandertreffen der Fernsüchtigen aus aller Welt, die Tage und Nächte in einem Hostel wie dem Ai Quattro Canti so liebenswürdig machen. Die Backpacker sind schon ein sympathisches Völkchen, verbunden durch ihre Philosophie, zu arbeiten um möglichst viel zu leben.

    Und dann findet man sich genussvoll in einer Trattoria wieder und schwärmt gemeinsam mit einer Französin, einem Australier und einer Amerikanerin, die so gerne ihre russische Heimat sehen würde. Oder man tanzt mit einem Kanadier und einer Irin – Verbündete für den Augenblick – zwischen zerfallenen Häusern auf einem Platz, der tagsüber ein Fischmarkt ist.

    Das Hostel habe ich inzwischen verlassen. Ich sitze nun am Schreibtisch meines Zimmers in einer WG zwischen Bahnhof und Hafen, mit Blick auf einen typischen Innenhof voller bröckelnder Fassaden, die dieser Stadt den Charme des Antiperfektionistischen geben. In den ersten Tagen bin ich viel gestreunert. Ich saß auf dem Platz, auf dem Campino in Palermo Shooting saß, während Dennis Hopper mit Pfeil und Bogen auf ihn zielte. Ich folgte N. und seinen Freunden nach Bagheria, dem Heimatort Giuseppe Tornatores – und lauschte beim reichhaltigen Abendessen dem herrlich melodischen Geschnatter der Kleingruppen. Jetzt verarbeite ich erst einmal – und schreibe, allein 15 Seiten gestern.

    J. erzählte mir vorgestern bei einer Pizza Magherita, sie habe sich völlig in Palermo verliebt. Am Donnerstag fliegt sie zurück. Aber sie will wiederkommen, dieses Jahr noch. Ich bleibe.