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  • Erlebnis Stadion, oder: Palermo halt

    In der Überschrift sollte eigentlich „ein Erlebnisbericht“ stehen. Und „So ist Palermo“. Aber zweizeilige Unterschriften sind unsexy. Und die gekürzte Version trifft es auch, aber von vorn.

    Die lieben Ex-Kollegen haben mir zum Abschied eine Karte für das Spiel der Unione Sportiva Città di Palermo (kurz US Palermo) gegen Juventus Turin geschenkt, im Internet bestellt, „wirkt alles ein wenig dubios, also pass auf!“ riet Beschafferin und Überbringerin T. noch und nahm das böse Wort in den Mund. Doch mit Schwarzmarkt hatte das alles nichts zu tun.

    Sicherheitshalber brach ich trotzdem knapp zwei Stunden vor Spielbeginn zum Stadio Renzo Barbera auf – und stellte vor Ort fest, dass ich fünf Stunden zu früh dran war. Anpfiff: 18.30 Uhr, nicht 15 Uhr, wie auf der Bestellbestätigung stand. Doppeltes Glück im Unglück: Busfahrkarten haben in Palermo eine Haltbarkeitsdauer von einem Fußballspiel. Und: es hätte ja auch andersrum laufen können.

    Laut Fahrplan fahren zwei Busse im Vier-Minuten-Takt vom Hauptbahnhof zum Stadion, aber Fahrpläne sind blanke Theorie. Mein Bus fuhr – und hielt dann irgendwo, mitten auf der Straße. Der Fahrer und sein Nachfolger hielten noch ein Schwätzchen, dann stieg ich aus. So ist Palermo.

    Die ungefähre Richtung kannte ich, orientierte mich am Monte Pellegrino und den stolzen Männern in pinkfarbenen Trikots, brachte mich vor Menschen auf rasenden Zweirädern mit Hupe und ohne Bremse in Rettung – so ist Palermo. Schwieriger wurde es im Block. Die 19 fand ich, das A nicht. B, C, D, E, F, G und H schon. Und Sizilianer, die man nach dem Weg fragt, sind meistens zweierlei: freundlich und ahnungslos.

    Ich habe darauf verzichtet, mir einen Palermo-Schal zu kaufen. Nicht wegen des Pinks, sondern weil ich nicht sicher war, ob mich meine „Schwarzmarkt“-Karte am Ende womöglich zu den Juve-Ultras führte. Tat sie nicht. Ich saß zwischen einem fluchenden Familienvater und einem Schweizer, beide Juve-Fans. Und insgesamt eingekesselt zwischen Heißblütern.

    Zum Spiel ist wenig zu sagen. Limitierte und lustlose Parlermitani waren gegen den neuen Spitzenreiter der Serie A chancenlos, verloren mit 0:2.

    Danach ging es zurück. Zuerst zur Bushaltestelle, an der nur Touristen standen, bis man ihnen (uns) sagte, dass dort kein Bus halte. Dann weiter zur nächsten Bushaltestellte, an der bald ein Bus hielt. Der Fahrer ließ den Motor laufen, während er ausstieg und zehn Minuten lang telefonierte.

    Aber so ist Palermo. Man muss es lieben.

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    One Response to “Erlebnis Stadion, oder: Palermo halt”

    1. elke Says:

      wirklich gut geschrieben.stimmung absolut rübergekommen.

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