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  • Mumien und Plappermäuler

    In der Liste der Orte, die ich in Palermo unbedingt besuchen wollte, hatten Le Catacombe dei Cappuccini von Anfang an einen festen Platz. Es heißt, hinterher sehe man das Leben und den Tod mit einem anderen Blick, was passte, hatte ich doch erst jüngst Jürgen Domians Interview mit dem Tod gelesen.

    Um es vorwegzunehmen: mein Leben und mein Denken hat sich durch den Besuch nicht verändert. Aber vielleicht waren daran die Franzosen, Italiener, Holländer, Briten, Deutschen und Spanier schuld, die mit mir durch die sakralen Hallen tigerten.

    Warum ich mir bei den Nationalitäten so sicher bin? Weil die Menschen nicht zu schweigen wissen, einige nicht einmal zu flüstern. Auch oder erst recht nicht an einem Ort, an dem sie mit Hunderten von mumifizierten Toten konfrontiert sind.

    So ist es schwer, in den Gängen Ruhe zu finden. Mit etwas Glück verschallt das Geplapper in einer anderen Ecke. Dann kann man sie fokussiert bestaunen, die Körperhüllen, die Knochen und die Schädel, die Grimassen, die zurückblieben, als die Verstorbenen aus dem Leben schieden. Und auf dem Boden liest man auf rissigen Steinplatten letzte Botschaften.

    Geschrieben sind sie teils in Italienisch und teils in Latein. In dem Moment habe ich mich wieder geärgert, mich einst in der Schule für Französisch entschieden zu haben – in der Annahme, eine tote Sprache sei zu nichts nütze.

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