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  • Das Staunen der Lärmgeplagten

    Seitdem ich mit dem Schreiben aufgehört und dem Entspannen angefangen habe, stand ein Besuch in Erice auf der Liste der Dinge, die ich in Sizilien vor meinem Abflug noch tun wollte. In Reiseführen wird das Bergidyll hoch über den Dächern von Trapani mit der autofreien Altstadt angepriesen. Zurecht.

    Wenn ich in den vergangenen Wochen Sizilianern erzählt habe, dass ich nach Palermo gekommen bin, weil ich Ruhe zum Schreiben gesucht habe, erntete ich heftige Reaktionen: meistens kräftige Lachanfälle und Blicke, in denen Zweifel an meinem Verstand oder meiner Sprachkompetenz steckten.

    Die Ex-Kollegin A., die in ihrem Urlaub die Insel kennengelernt hat, schrieb mir vor einigen Tagen, auch ihr habe Palermo gut gefallen. Aber zum Entspannen sei die Stadt ungeeignet. Das stimmt zu einem großen Teil, weil Palermo ein schnaubendes Monstrum ist, dem man sich mit Mühe entziehen muss.

    Orte, an denen das gelingt, gibt es durchaus. Leichter fällt es einem aber tatsächlich in Trapani oder eben in Erice. Als ich mit N. die Serpentinen hinauffuhr und das Auto abstellte, fiel dem Gefährten, der seit 15 Jahren in Palermo lebt, als Erstes eines auf: „Wahnsinn, wie still das hier ist.“

    Möglicherweise hatten wir Glück mit dem Tag oder der Uhrzeit, aber auf dem Weg zum Schloss und in den Parkanlagen Giardini del Balio waren wir nahezu auf uns allein gestellt. Das Meer von oben zu sehen, gibt einem so viel, vor allem aber das Gefühl völliger Freiheit.

    Hinterher konnte am positiven Gesamteindruck nicht einmal die verstörende Tatsache rütteln, dass sie die Gassen der Altstadt mit den Klängen von Fratelli d’Italia oder Yann Thiersens J’y suis jamais allé beschallen.

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