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  • Abseits des Schlachtfelds

    Es war im Mai und ich – analog 1500 Kilometer weg, digital ganz nah – schüttelte in einem dunklen Zimmer mit  Hinterhofblick den Kopf. Was sollte nur diese an Piratenerfolgen entbrannte Hysterie, diese Schwarzmalerei, was sollten diese Giftpfeilschlachten? Warum sprach die deutsche Literaturwelt plötzlich so emotionsüberladen über das Urheberrecht?

    Ich habe mich keiner der bekannten medienwirksam etablierten Initiativen oder Gegeninitiativen angeschlossen, weil sie mir alle zu fundamentalistisch erschienen. Ich saß in Palermo und schrieb, ließ alles andere auf mich zukommen. Weder fühlte ich mich als Autor von einem zügellosen Internet bedroht noch als Konsument von einer habgierigen Industrie unterjocht.

    In der Stuttgarter Stadtbibliothek hat Wolfgang Tischer, Herausgeber des Internetportals Literaturcafé, gestern Abend einen Vortrag mit dem Titel „Urheberrecht: Von Weltbildern und Wirklichkeiten“ gehalten – und sich dabei erfrischenderweise größtenteils abseits von Glaubenskriegen bewegt.

    Tischer stellte (aus meiner Sicht) korrekt dar, warum die mit Schreckensszenariofarben gemalte Diskussion über das Urheberrecht am Kern des Problems für Autoren vorbeigeht: unabhängig von einer behaupteten Kostenlos- und Geizkultur haben sich Marktmechanismen geändert – zu Ungunsten der Etablierten, wie das Veränderungen so an sich haben.

    Amüsant und traurig zugleich sind Tischers Erfahrungen beim Versuch, als Lesefreund ein literarisches Werk zu verschenken. Vom Trauertal der Anonymität prinzipiell befreite Self-Publisher überschwemmen dank einfacher Mittel den Markt. Wo die Konkurrenz größer und strategisch aggressiver wird, muss sich der Autor fragen, wie er sich abhebt.

    Ich, unbekannter Autor, Self-Publishing-Skeptiker, habe für mich meinen Weg in Palermo gefunden: ich schreibe und warte ab, halte mich von Schlachtfeldern fern. Nennt mich ruhig naiv, brüllt mir ruhig „Man muss sich doch positionieren“ entgegen.

    Man muss gar nichts.

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