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  • Das ABC der Planenden

    D. ließ mich reden. Lauschte meinen sizilianischen Berichten. Lächelte mal. Oder nickte. Streute hin und wieder einen seiner gefürchteten Zwischenrufe ein. Hörte sich aber alles an. Und wollte am Ende nur wissen, wie ich mir die nahe Zukunft vorstelle. Ich zuckte mit den Achseln. Und sagte: „Ich lasse alles auf mich zukommen.“

    Ich ernte, gerade bei Älteren, Stirnrunzeln für solch eine Äußerung. Bei manchen sammle ich Respekt, aber das ist die Minderheit. Die Mehrheit verfolgt mich mit ihren Fragen: „Und? Wie geht’s weiter? Fängst du jetzt wieder bei der Zeitung an?“ Die Mehrheit schüttelt den Kopf über meine Antwort.

    Ja, mein journalistisches Ich hat inzwischen die eine oder andere Kinokritik geschrieben, auch eine Reportage zum Ferienbeginn und ein Portrait über den Trainer des Olympiateilnehmers Frank Stäbler. Aber mein journalistisches Ich ist für dieses Jahr in den Hintergrund getreten.

    Und obwohl meine Ersparnisse beharrlich schmelzen – erst recht, seitdem ich Palermo verlassen habe -, obwohl die ersten Nackenschläge angekommen sind und an mir knabbern: daran wird sich nichts ändern. 2012 ist noch nicht vorbei. Und momentan habe ich einen Roman zu überarbeiten.

    Freilich: totale Schwerelosigkeit existiert auf Erden nicht. Irgendwann wird irgendwie wieder Geld reinkommen müssen. Im Stillen feile ich seit Wochen an einem Plan – man könnte ihm den Buchstaben b geben. „Du brauchst keinen Plan B, du brauchst einen Plan A“, hat D. dazu gesagt. Und ich habe versucht es wegzulächeln.

    Es ist – unter normalen Bedingungen – nicht planbar, als Schriftsteller Geld zu verdienen, geschweige denn genug Geld. Es ist nicht realistisch. Für neunundneunzigkommanochwas Prozent derer, die Schreiben, weil sie davon leben wollen, ist es im besten Falle ein Hobby mit Zubrot.

    Ich weiß das. Trotzdem berühre ich das Pläneschmiedeeisen nur mit Widerwillen. Versuche einen Mittelweg zu finden. Schwanke vor ärgerlicher Inkonsequenz. Klammere mich an die Überzeugung, dass es immer einen Weg gibt, auch kurzfristig. Ärgere mich über Zwänge.

    Das Leben könnte so einfach sein. Ist es aber nicht. Oder doch?

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