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  • Hinweggefegt um zwei Uhr nachts

    Einen Beitrag liest du noch, dachte ich mir gestern Nacht, gegen 2 Uhr. Scrollte mich durch die Liste, wählte eine Datei aus, klickte das Dokument wieder weg, weil es mir zu lang war, nahm ein anderes, las – und wurde in den darauffolgenden 40 Minuten hinweggefegt von einer Geschichte und ihrer Poesie, ihrer Wortgewalt, ihrer Kraft.

    Im vergangenen Oktober habe ich den Wettbewerb You want to read in Frankfurt des Netzwerks Junge Verlagsmenschen für unveröffentlichte Autoren gewonnen, in diesem Jahr sitze ich in der Jury. Bislang konnte mich das Gelesene kaum überzeugen, die gestrige Erfahrung war ein Keulenschlag.

    Man sagt, Schriftsteller gönnen ihren Kollegen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Neid ist naturgemäß weit verbreitet in einer Szene, in der das Gros der Schwimmer permanent gegen das Untergehen strampelt, in der man gerne mal zweifelt, ob Misserfolg und Erfolg nicht eher eine Frage der Willkür denn der Qualität sind.

    Ich habe schon einmal erwähnt, dass Selbstzweifel mein ständiger Begleiter sind. Daran hat sich nichts geändert, daran wird sich nie was ändern. Die Lektüre gestern hat die Selbstzweifel angefeuert. Im Angesicht dieser leuchtenden Geschichte fühlte ich mich völlig in den Schatten verdrängt.

    Doch während ich weiter an eigenen Projekten feile, mit dem Ufer am Horizont, wünsche ich dem Autor oder der Autorin alles Gute – unabhängig von Ausgang des Wettbewerbs. Noch sind viele Beiträge ungelesen und es ist gut möglich, dass ich erneut hinweggefegt werde, vielleicht noch gewaltiger. Oder dass andere Jurymitglieder mein Urteil nicht teilen.

    Aber ich möchte diese Geschichte irgendwann ganz lesen – und ich möchte, dass sie andere lesen. Leider sind die Wege des Publizierens und des Wahrgenommenwerdens zuweilen etwas – ja sollte man jetzt unergründlich sagen? Oder doch eher willkürlich?

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