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  • Die römische Tragödie

    Am Donnerstag kommt To Rome with Love in die deutschen Kinos. In Italien lief der neue Film von Regisseur-Eichhörnchen Woody Allen bereits im April an – und provozierte vor allem bei linken Intellektuellen wilde Proteste. Aber wie authentisch muss eine romantische Komödie eigentlich sein?

    Quelle: Trailer (Screenshot)

    Ich war erst ein paar Wochen in Palermo, als ich erfuhr, dass der Filmstart von Woody Allens Romprojekt nahte. Die Bilder des wundervollen Midnight in Paris in bester Erinnerung, raffte ich meine spärlichen Italienisch-Kenntnisse zusammen und kaufte mir ein Ticket. Das wird toll, dachte ich mir.

    Toll ist er nun nicht geworden. Aber erwartunsgemäß nett. Erwartungsgemäß vor allem, weil Allen im Prinzip stets die gleiche Geschichte erzählt, nur Orte und Schauspieler variiert und ein paar feine Ideen einbaut – in diesem Fall verkörpert durch den ironischen Handlungsstrang um Roberto Benigni.

    Gefallen hat mir, dem Teilzeitsizilianer, der Film vor allem, weil die italienische Urlaubsstimmung aus jeder Pore trieft. Andere finden das zum Heulen. Allens Kollege Carlo Verdone hält To Rome with Love für einen feuchten Touristentraum (Vorsicht: Italienisch!). Und er ist nicht der einzige.

    Thomas Migge nahm den Film fürs Deutschlandradio auseinander und zählt in seiner Kritik auf, was vielen vor allem italienischen Linken (darunter Dario Fo) so aufstößt: Allen habe quasi vor sämtlichen unübersehbaren Problemen der ewigen Stadt die Augen verschlossen, einen puren Werbefilm gedreht.

    Der Regisseur selbst sieht sein Werk als Liebeserklärung, weil er – typisch amerikanisch – Stadt und Land verfallen ist. Aber ist das verwerflich? Wie viel Dokumentation muss in einem harmlosen Unterhaltungsfilm stecken? Wie viel Kritik muss sein, erst recht in einem eher seichten Werk?

    Man kann alles politisieren, in vielen Fällen sollte man es auch. Kunst mit Anspruch ist ohne Aussage kaum etwas wert, nur ein schnöder Beitrag zum vor sich dahindümpelnden Allerlei. Allens Anspruch aber ist bescheiden: er will unterhalten, ein bisschen Glitter verteilen.

    Dazu bedarf es keiner hundertprozentigen Authenzität, nicht mal neunzig- oder achtzigprozentiger. Die Schlachten um Wahrheit werden anderswo geschlagen. Und wer sich allein von Filmen wie diesem sein Weltbild kreieren lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

    To Rome with Love Trailer (via Youtube)

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