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  • Bei Wind und Stille an der Donau

    Die Fahrt mit der zuckelnden Überlandstraßenbahn dauerte eine gefühlte Stunde. Aber man hatte mir empfohlen, Szentendre zu besuchen. Also ließ ich Budapest hinter mir, war gespannt und glaubte hinterher, der Mann hinter der Empfehlung müsse da was verwechselt haben. Oder ich.

    Es ist nicht so, als hätte Szentendre gar keinen Charme. Ich fühlte mich nur an die Tourismus-Hauptverkehrsgässchen von Cefalù und Taormina erinnert – und an meine Flucht vor ihnen. Ich setzte mich über der Donau auf eine Bank und ließ den Wind meine Haare zersausen.

    Und da musste ich – nicht ohne Grund – wieder an die Ausschreibung mit dem Lärm denken, der verstummt, um Stille freizusetzen. Und an die Kurzgeschichte, die ich dafür schrieb.

    Ich bin bisher zweimal in Budapest gewesen, 1992 und 1999. Meine Erinnerungen waren vage. Nun ist der Speicher wieder voll: Ich tapste durchs Burgviertel, saß auf der Margareteninsel unter einem Kastanienbaum, plantschte in den Szechenyi-Thermen und lauschte im Szimpla Bunkermusik.

    Seitdem spricht nichts mehr gegen die geplante Rückkehr im nächsten Jahr. Als ich vorgestern Nacht mit einer Packung stilechter Paprikachips durch die Straßen lief, machte mich die Jugendlichkeit des Hauptstadtlebens gleichzeitig sehnsüchtig und neidisch.

    Für mich war dieser Trip der Auftakt für Wochen, in denen sich entscheidet, wie viele Früchte die Arbeit meines Jahres tragen wird. Stille ist praktisch ausgeschlossen – ich tanze demnächst nicht nur auf literarischen Hochzeiten.

    Aber was den Lärm sonst so angeht. Ausnahmsweise darf’s ein bisschen mehr sein.

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