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  • Archive for Oktober, 2012

    Klaus und der Niederrhein

    Donnerstag, Oktober 25th, 2012

    Mitten im Naturpark Schwalm-Nette, rund 50 Kilometer westlich von Düsseldorf, nahe der niederländischen Grenze, liegt die Gemeinde Brüggen am Niederrhein, wo morgen, am 26. Oktober, der 4. Brüggener Literaturherbst beginnt. Vermutlich wäre das an mir vorbei gegangen, gebe es nicht eine glückliche Verbindung: jene meiner ersten Veröffentlichung.

    Es war im Mai und ich auf Sizilien, als ich die Ausschreibung bemerkte: „Der Lärm verstummt, bis Stille in dir ist“ – ein Thema wie gemalt für mich – zumal ich erst Tage zuvor Cefalù besucht hatte, just auf der Suche nach ein wenig Ruhe. Also verkroch ich mich in mein palermitanisches Hinterhofzimmer und schrieb über Klaus und das Meer.

    Der Mann auf dem Foto ist nicht Klaus. Er ist nur ein Unbekannter. Aber Cefalù hatte mich inspiriert, also fand es Eingang in die Kurzgeschichte. Und diese Geschichte ist nun erschienen, in der Anthologie zum Literaturherbst des Geest-Verlags, zusammen mit einer Menge weiterer spannender und vielschichtiger Beiträge des Lärms und der Stille.

    Das – man kann es sich vorstellen – freut mich riesig. Und gerne wäre ich bei der Buchvorstellung dabei gewesen, doch Tom, mein Roman-Manuskript, hält mich gefangen. Der Literaturherbst aber läuft noch bis zum 24. November. Und so schmiede ich Pläne, habe den 21. November anvisiert. Dann gibt es eine weitere Lesung mit Texten aus der Anthologie.

    Wenn alles gut läuft, bin ich dabei. Wenn alles gut läuft, kommen Klaus und das Meer an den Niederrhein.

    Des Autors Blindenhunde

    Mittwoch, Oktober 17th, 2012

    Im Geschwindigkeitsrausch des Herbstes fällt es mir schwer, wieder zur Ruhe zu kommen. So viel ist bereits passiert, so viel wird noch passieren. Doch diese zweite Oktoberhälfte ist reserviert für die Stille. Ich sitze in meinem Wohnzimmer und versuche, nicht so häufig meinen Blick den goldenen Dingen da draußen zuzuwenden. Nur der Vordergrund zählt.

    Im Vordergrund liegt das Manuskript meines Romans. Tom beschäftigt mich wieder, ein letztes Mal, bevor ich auf die Jagd nach einem Verlag gehe. Ich habe aufgehört zu zählen, die wievielte Überarbeitung es insgesamt ist. Doch es ist die erste, die von außen motiviert ist. Die Testleser haben ihre Urteile gefällt. Jetzt gilt es ihnen gerecht zu werden.

    Das Phänomen ist ebenso faszinierend wie grausam: die Blindheit für die eigenen Fehler. Das mag in vielen Lebenslagen gelten, beim Schreiben eines großen zusammenhängenden Werkes macht es einen besonders hilflos. Stringenz, Glaubwürdigkeit, Ausarbeitung der Charaktere, Botschaft – all das sollte stimmen.  Und zwar in den Augen der Leser.

    Also besorgte ich mir zwei: einen Profi und einen vertrauenswürdigen Amateur. Nach dem vielversprechenden Seminar in Berlin buchte ich bei der Akademie für Autoren ein Einzelcoaching bei der freien Lektorin Bettina Traub. Ein weiteres Paket ging an meinen ehemaligen Teamleiter bei der Stuttgarter Zeitung, Jürgen Brand.

    Gehofft hatte ich auf Gnadenlosigkeit – und ich habe sie bekommen, verpackt in die Bestätigung, durchaus auf einem richtigen, auf einem guten Weg zu sein, nur eben nicht am Ende. Man sprach über schiefe Bilder, wackelnde Aussagen, ins Leere laufende Erklärungen und mangelnde Klarheit. Man sprach über das Große und das Kleine.

    Das Spannende daran war, zu erleben, wie sich die Urteile meiner Testleser teilweise gegenseitig negierten. Bei all den Widersprüchlichkeiten, die diese Branche kennzeichnen, verunsicherte mich das überhaupt nicht. Es ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass jeder Kunst und Kultur anders rezipiert, abhängig von seinen persönlichen Umständen.

    Ich habe meine Erkenntnisse aus ihren Hinweisen gezogen. Ich bin wieder bereit fürs Überarbeiten. Meine Blindenhunde haben mir das neuerliche Sehen gelehrt.

    Und so verabschiede ich mich für die nächsten Tage – und gehe tauchen.

    Wege nach und aus Frankfurt

    Samstag, Oktober 13th, 2012

    Von all den Erkenntnissen, die mich meine Studienzeit gelehrt haben, ist eine am hartnäckigsten haften geblieben: dem Glück jagt man am effektivsten hinterher, wenn man einen kleinen Schritt vor den nächsten setzt. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sie sich mit dem mehrfach betonten Glauben vermählt, dass der Weg beim Gehen entsteht.

    Nicht zu wissen, wohin dieser Weg führt, ist eine unmittelbare Konsequenz, die mich nicht im Mindesten beunruhigt oder stört. Ich habe den permanenten Dunst vor meinen Augen akzeptiert, das Vorantasten von einer Nebelbank in die nächste, den gelegentlichen Aufprall auf verschlossene Türen. Weil die Erfahrung zeigt, dass sich irgendwo in der Nähe eine offene findet.

    Die Frankfurter Buchmesse zu besuchen war eine jener Entscheidungen in die Ungewissheit hinein. Was ich wollte war, meiner Nachfolgerin, der Gewinnerin von You want to read in Frankfurt 2012, Ursula Kirchenmayer, zuzuhören und zu gratulieren. Was ich hoffte war, vor oder hinter den Ständen mit dem einen oder anderen jungen (oder auch älteren) Verlagsmenschen ins Gespräch zu kommen.

    Man hatte im Vorfeld meine Erwartungen gedämpft. Als unveröffentlichter Autor auf die Buchmesse zu gehen? Kann man vergessen! Verleger und Lektoren hätten viel zu viele Termine, um sich auch noch mit den Unverlangten zu beschäftigen. Es gibt Kollegen mit Doppelleben die behaupten, es hinge alles davon ab, ob man sich als Journalist oder Autor vorstelle.

    Doch die Journalistenkarte wollte und musste ich nicht ausspielen. Es haben sich auch so Gespräche ergeben. Gespräche und Kontakte über bereits bestehende. Zaghafte Kontakte nur, aber das ist nicht nur system-, sondern auch theorieimmanent. Entscheidend ist: der Weg ist ein Stück weiter entstanden, ich bin ein Schrittchen vorangekommen.

    In welche Richtung? Das weiß ich nach dem nächsten Schritt. Oder dem übernächsten.

    Mein Minikochbuch

    Samstag, Oktober 6th, 2012

    Liebe Leser, die ihr mich persönlich kennt. Jetzt nicht erschrecken: Ich sattle nicht um, habe nicht völlig die Nerven verloren, die Belletristik in die Tonne getreten. Werde nicht zum Jamie Oliver oder Tim Mälzer. Deswegen ist das Foto da unten auch ganz unschuldig. Es ist eine Ausnahme. Es ist ein Geschenk. Zur Hochzeit von I. und M.

    Just in diesem Moment, in dem dieser Artikel erscheint (es lebe die Planungsmöglichkeit) beginnt im schönen Schwarzwald eine Trauung. Und weil Hochzeitsmanagerin C. die wundervolle Idee hatte, das Paar mit einem Rezeptbuch zu erfreuen, habe ich zur Bratpfanne gegriffen.

    Liebe Leser, die ihr mich nicht persönlich kennt. Ihr müsst wissen, dass ich nicht der geborene Koch bin, auch nicht der geborene Feinschmecker. Aber wenn es darum geht, Scaloppine Milanese zuzubereiten, weiß ich was ich tue. Gut, das behaupten Dutzende andere auch – jeder mit einem anderen Weg -, aber mir schmeckt meiner.

    Man tue also folgendes: zwei (oder auch mehr, je nach Hunger und Mitesser) dünn geschnittene Kalbsschnitzel kaufen, dazu Mozzarella, (Kirsch-)Tomaten und passierte ebensolche sowie Pasta, am besten Spaghetti oder Linguine. Olivenöl steht hoffentlich schon daheim, genau wie unverzichtbare Gewürze: Salz, Pfeffer, Oregano.

    Mengen- und Zeitangaben sind zu vernachlässigen, ich koche nach Gefühl. Olivenöl in die Pfanne und die Schnitzel natur mehrfach wenden, bis sie gut gebraten sind. Das merkt man in der Regel. Dann einige gehälftete Kirschtomaten und die Mozzarella auf dem Fleisch verteilen, mit den passierten Tomaten ablöschen, würzen und den Deckel drauf.

    Während das Fleisch köchelt die Pasta ins kochende Wasser auf der Platte daneben werfen. Ein paar Scheiben Brot schneiden (zum Austunken der Soße) und CD-Player bzw. Media Player vorbereiten. Mein Vorschlag: Andrea Bocelli. Und dann: willkommen in Italien. Buon Appetito.

    Liebe I. und lieber M.: Möge eure Liebe auf ewig nicht nur durch den Magen gehen.