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  • Archive for November, 2012

    Die Kirche hinter Wald und Nebel

    Donnerstag, November 22nd, 2012

    Das Navi lotste uns durch die Dunkelheit. Aber war der Stimme wirklich zu vertrauen? „Glaubst du, wir sind richtig?“, fragte T. und ließ keinen Zweifel daran, dass er Zweifel hatte. Am flutlichterleuchteten Fußballplatz mit den wieselnden Junioren vorbei ging es durch den Wald, dann mal rechts, mal links – und plötzlich waren wir da: vor der katholischen Kirche Born.

    Die Besucher des 4. Brüggener Literaturherbstes wärmten sich an Bechern voll dampfendem Tee und drängten sich in den Kirchenbänken. Die ersten Klänge der Harfenistin ließen sie aufhorchen – dann trat die Organisatorin und Herausgeberin der Anthologie „Der Lärm verstummt, bis Stille in dir ist“, Ellen Roemer, ans Mikro.

    Sieben Gedichte, Gebete und Geschichten folgten, und eine stammte von mir: Klaus und das Meer, entstanden während meiner Zeit in Palermo. Viereinhalb Stunden waren T. und ich gefahren, um den Text zu präsentieren. Viereinhalb Stunden durch den Nebel und den Regen. Doch ich wollte das. Ich wollte meine erste Veröffentlichung von einer Bühne rufen.

    Und wie ich da stand und las, da fühlte ich mich wohl. Da war keine Spur von Aufregung. Ich schaute in die Gesichter konzentrierter Lauscher und lächelte in mich hinein. Das Lob des Deutschlehrers, seine Freude über die „lebendigen Verben“ freute mich. Es war eine lange Reise für kurze Augenblicke, aber es hat sich gelohnt.

    Nur eines betrübte mich – später, als T. und ich auf der Suche nach einer Mahlzeit durch die märchenhafte Fußgängerzone Brüggens schlenderten: die Dunkelheit. Ich hätte gerne mehr gesehen von der „gastlichen Gemeinde im Naturpark Schwalm-Nette„. Aber vielleicht komm‘ ich mal wieder.

    Die Chronik des Tom

    Montag, November 12th, 2012

    30. April 2011 – Borussia Dortmund wird vorzeitig deutscher Fußballmeister, bei „Wetten dass . . .?“ scheitert ein Mann daran, Reifen mit seiner Zunge zu erkennen und ich schreibe die ersten beiden Seiten von Das Leben mit Tom.

    30. September 2011 – In Stuttgart geht der Monat sonnig vorüber, Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus bestreitet Aktenmanipulationen im Zusammenhang mit dem Kauf von EnBW-Anteilen durch das Land und die erste Version des ersten Kapitels von Das Leben mit Tom gewinnt den Wettbewerb You want to read in Frankfurt.

    15. Februar 2011 – Die Räumung des Protestcamps gegen Stuttgart 21 verläuft friedlich, der Cornflakes-Riese Kellogg verleibt sich Pringles-Chips ein und ich bekomme für das erste Kapitel von Das Leben mit Tom ein Stipendium des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

    3. April 2012 – Die Piratenpartei erreicht bei einer Forsa-Umfrage zwölf Prozent im Bund, Google stellt 30.000 Kunstwerke frei zugänglich ins Internet und ich schreibe zum ersten Mal den letzten Satz von Das Leben mit Tom.

    15. Juli 2012 – Astronomen fiebern einer Jupiterbedeckung entgegen, London diskutiert über ein vorzeitig abgebrochenes Konzert von Bruce Springsteen und Paul McCartney im Hyde Park und ich – zurückgekehrt aus Palermo – beginne mit der Komplettüberarbeitung von Das Leben mit Tom.

    Tage und Ereignisse fliegen vorbei wie Felix Baumgartner. Manchmal sollte man sich die Zeit nehmen, sie zu würdigen. Also drücke ich jetzt auf Senden, verschicke Manuskripte und Exposés an Verlage und Agenten und freue mich, etwas Denkwürdiges abgeschlossen zu haben.

    Die nächsten Tage und Ereignisse kommen früh genug.