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  • Die Zeit, die Zeit und die Listen

    Ich weiß nicht genau, wann das anfing mit den To-do-Listen. Die älteste, die in meinen Computer-Archiven lagert – aus irgendwelchen nostalgischen Gründen – ist fast auf den Tag genau zehn Jahre alt. Sie umfasst 39 Punkte, auf ihr stehen Namen von Menschen, die mich längst verlassen haben und zeitlose Dinge wie Steuererklärung, VG Wort und Falschparken.

    Vor ein paar Jahren gewöhnte ich mir an, einen digitalen Kalender zu führen, integriert in ein Word-Dokument. Meine To-do-Liste ist beweglich geworden – und unsterblich, denn die Aufgaben wandern tageweise weiter, wenn sie unerledigt bleiben. Einige von ihnen bleiben monatelang unerledigt.

    Es betrifft nicht nur die Filme, die ich sehen oder die Bücher, die ich lesen will – darunter auch den jüngsten Roman von Martin Suter, der noch nicht mal in meinem vollgequetschten Regal der ungelesenen Bücher steht. Die Entsorgung eines unbrauchbaren Eimers Farbe vom Einzug stand schon 2011 im Kalender. Sie leidet unter seiner niedrigen Priorität.

    Eigentlich ist das Jammern über die verlorene Zeit genauso albern wie jenes über das Wetter, wenn nicht sogar ein Stückchen alberner. Denn gerade der freie Mensch sollte sich als Herr seiner Zeit nicht oder zumindest so wenig wie möglich versklaven lassen von Pflichten und Zwängen.

    Und doch sehe ich getriezt von Erschöpfung die Zeit traurig dahinrinnen, ohne sie zu greifen zu bekommen. Weil mich meine Projekte im doppelten Sinne fesseln, mich gleichermaßen faszinieren und gefangen nehmen. Eigentlich wollte ich längst den neuen Roman entwickelt haben.

    Eigentlich müsste ich zurück nach „Palermo“.

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