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  • Luft holen in der Gemeinde des Glücks

    52,4 Kilometer von Haus zu Haus sind keine Welt, erst recht nicht im Vergleich zu den 1233 Kilometern Luftlinie nach Palermo oder den 1331 nach Voss in Norwegen. Und doch sollte mich die Fahrt nach Schömberg, der Glücksgemeinde im Schwarzwald, weit weg führen vom Stuttgarter Alltag.

    Ich ahnte, dass ich es bereuen könnte, die Aufträge zu ignorieren, die sich ohnehin bereits angestaut hatten in diesen Tagen der Atemlosigkeit. Vorsichtshalber nahm ich mir Arbeit mit – ein Buch, das rezensiert werden muss, die Notizen für einen dringenden Artikel, doch sie blieben in meiner Reisetasche, bedeckt mit dem Staub des Trotzes.

    Der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg hatte geladen zur Romanwerkstatt mit Martin von Arndt. Und als ich da saß in einem entweder zugigen oder muffelnden Hotelraum, im Kreise eines sprudelnden Seminarleiters und ideenreicher Autorenkollegen, da wusste ich, dass ich an diesem Wochenende nur Romanautor sein sollte.

    Es ist manchmal beängstigend und entmutigend, wie groß die Konkurrenz auf dem Markt ist, wie viele verdammt fähige Schreiber diesen Traum von der viel beachteten Veröffentlichung genauso teilen wie die Frustration über das Scheitern auf dem Weg – trotz guter Ansätze, die verloren gehen in einem Berg der strukturellen Desorientierung.

    Doch Konkurrenzdenken kam an diesem Wochenende nicht auf. Auch kein Neid. Es herrschte Kollegialität und Faszination. In der etwas spröden Atmosphäre des Raumes Luchsbrunnen lauschten wir gespannt und diskutierten angeregt über Schwächen und Stärken unserer Projekte.

    Als ich die Glücksgemeinde wieder verließ, nahm ich die Ansatzpunkte mit, auf die ich gehofft hatte. Mit ihnen steigt der Mut und sinken die Zweifel, die zuletzt wieder angeklopft hatten, die einen nie verlassen, weil überall die Anlässe lauern, sie hervorzukramen. Fürs Erste sind sie abgeschüttelt, ich werfe mich in die Überarbeitung.

    Bald.

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