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    Die Sache mit den Türen

    Mittwoch, April 30th, 2014

    „Wenn sich eine Türe schließt, öffnet sich eine andere.“ Heißt es. Doch irgendwie scheinen gerade alle Schlüssel verlegt zu sein. Oder die Öffnungszeiten haben sich geändert und ich es nicht gemerkt. Geklopft habe ich sehr wohl. Vielleicht war es ein ungünstiger Zeitpunkt. Oder die Menschen auf der anderen Seite hören schlecht. Temporär. Oder grundsätzlich.

    Door

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich immer irgendwo irgendwas ergibt.“ Sagte ich gern. Bis vor kurzem noch. Weil es stimmte. Dann stimmte es plötzlich nicht mehr. Und ich stellte mir die Frage, wie sehr mancher Zuhörer dereinst das Bedürfnis hatte unterdrücken müssen, mir eins in die Fresse zu schlagen, während ich blöd rumweisheitete.

    Einen Monat ist es her, da trottete ich durch Budapest, atmete unbelastete Luft, hatte Zeit zum Nachdenken – und beschloss: Der April, der wird großartig. Arbeitsintensiv und effektiv. Zielstrebig und zukunftsweisend. Jetzt kann ich diesen elenden Ork von einem Monat nicht schnell genug hinter mich bringen. Tanz in den Mai? Mit Vergnügen.

    Am vergangenen Wochenende saß ich mit einer Freundin zusammen, die eine ähnliche Durststrecke erlebt hat, bezeichnenderweise ebenfalls in der Verlagsbranche. Sie saß allerdings in einem anderen Raum mit verschlossenen Türen fest, von der gegenüberliegenden Seite kommend. Eine der Türen, an die sie klopfte, ist ihr nun geöffnet worden. Wenn auch vorerst nur temporär. Einlass ist diesen Freitag.

    „Vielleicht musst du so etwas durchmachen, musst du an Grenzen stoßen, damit du daraus lernst“, sagte sie sinngemäß, bevor wir Italienisch essen und den wundervollen Film Her anschauen gingen, Nahrung für Körper und Geist. Und natürlich hat sie recht. Denn – Zitat aus einem anderen großen Film, Vanilla Sky: „Das Süße ist niemals so süß ohne das Bittere.“

    Ich weiß, dass viele Tausende diese Erfahrung mit den verschlossenen Türen machen, zumal unter jenen, die ihre Träume unter dem Himmel aufhängen. Die sich auf dieses Spiel mit dem Klopfen einlassen und nur den dumpfen Hall einer Stimme hören, die sagt: „Wir melden uns. Vielleicht. Und wenn wir uns nicht melden, ist das auch eine Meldung.“

    In solchen Momenten hilft nur eines: Irgendwann eben an die nächste Türe gehen. Wieder klopfen – und zwar bloß nicht zaghaft. Denn das Trost spendende an der Sache mit den Türen ist doch, dass sich immer wieder eine neue findet. Zum Jahresende 2013 schrieb ich noch über das Warten auf den Silberstreif. Es hat sich seitdem wenig geändert. Na und?

    Du magst es als Durchhalteparole belächeln, aber ich halte mich an den Fußball-Philosophen Oliver Kahn: „Niemals aufgeben. Immer weitermachen. Immer weiter, immer weiter„, hat der einmal gesagt, nachdem jemand es wagen wollte, ihm eine Türe vor der Nase zuzuschlagen.

    Was man daraus lernen kann: Wenn du hart genug arbeitest, siehst du irgendwann auch das Licht durch einen Türspalt. Dann brauchst du nur noch einen schnellen Fuß.

    Foto: CC BY-NC-SA 2.0 KaddlSudhl / Mystery behind the door