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  • Archive for August, 2014

    Amazon und der Orkan

    Samstag, August 16th, 2014

    Vor wenigen Tagen ließen US-amerikanische Kollegen mit einem offenen Brief an Amazon aufhorchen. Unterschrieben haben ihn unter anderen so geschätzte Schwergewichte wie Paul Auster und Stephen King. Nun legen deutschsprachige Kollegen nach. Sie wollen einen fairen Buchmarkt. Ich will ihn auch.

    Ich habe also unterschrieben. Nicht, weil ich unter Amazon leiden würde. Es gibt von mir noch keinen Roman, den der Internethändler aus Listen hinaus manipulieren oder nur mit mehrtägiger Verzögerung liefern könnte. Aber ich arbeite daran, dass es bald einen gibt.

    Insofern handle ich aus präventiver Notwehr.

    Ich glaube nicht, dass man Amazon generell verteufeln muss, auch wenn der Konzern in der jüngeren Vergangenheit genug Gründe lieferte, es zu tun.

    Ich kaufe meinen Lesestoff schon lange nicht mehr dort, weil ich lieber Frau Hiller unterstütze, oder Frau Martin, oder Frau Siegle. Deren Läden sind kleine Schatzkammern – und allesamt innerhalb von einer Viertelstunde mit Bus und Bahn erreichbar.

    Aber wenn Menschen bei Amazon bestellen wollen oder müssen, weil kein lokaler Buchhändler mehr da ist oder weil sie das Angebot schätzen, dann sollen sie das tun. Ich zürne ihnen nicht mit Schaum vor dem Mund.

    Nur: In diesem Konflikt zwischen Amazon und der Bonnier-Verlagsgruppe sowie Hachette geht Amazon zu weit. Da nutzt ein vor Kraft strotzender Riese seine Macht mit unlauteren Mitteln auf dem Rücken der Autoren. In einer Welt, in der er das widerstandslos tut, will ich nicht schreiben.

    Man könnte jetzt sagen: „So funktioniert das System. Deal with it, Baby!“ Aber mit den Schultern zu zucken, sich zurückhalten, das wäre duckmäuserisch. Schriftsteller und Duckmäuser – für mich sind das Antonyme.

    Amazon hat keinen Gegenwind verdient. Amazon hat einen Gegenorkan verdient.

    Das ZDF-Magazin Aspekte hat einen Beitrag zu dem Thema gesendet. Amazon entschied sich gegen eine Stellungnahme.

    Unter Perlen

    Mittwoch, August 6th, 2014

    In der HafenCity roch es nach Salz und Weite. Ich saß da und schloss die Augen, die Stadt hinter mir lassend. Nach einer halben Stunde kehrte ich zurück, ließ mich in der Speicherstadt nieder, blickte auf Backsteine und hatte – nicht zum ersten Mal – einen sirenenhaften Singsang in meinem Ohr: „Komm zu mir und bleibe“, flüsterte Hamburg.

    HafenCity

    „Wo findest du Inspiration?“, hatte mich in der Nacht zuvor M., gefragt, an der Theke des Nordlichts, wo wir ins Gespräch kamen. Wie ich in der Speicherstadt saß, musste ich wieder an die Frage denken – und an die Stunden danach, in denen mir M. seinen Kiez zeigte.

    Entnervt von aufgegeilten Touristen und Bauchladenträgern in Penis- oder Bunny-Kostümen hatte ich auf der Reeperbahn eine Kneipe gesucht, die Authentizität versprach. M. erzählte mir von Therapien- und Therapieabbrüchen, er berichtete von gescheiterten Lehren und vom Leben am Rande.

    „Du musst deinen nächsten Roman über das Leben auf der Straße schreiben“, sagte er, machte sich über meinen um den Hals gehängten Pulli lustig und setzte sich mit mir auf die Straße, zu Freunden und Kameraden. Und ich blickte hinauf in die Gesichter der Vorbeilaufenden, die beinahe auf meine Hände traten oder auf uns herabsahen.

    In den Tagen danach schlenderte ich durch Eimsbüttel, spazierte über den Fischmarkt, setzte mich ans Ufer der Elbe und las ein Buch an der Alster. Die Menschen, die ich traf, bekannte und unbekannte, fesselten mich, diese Klaviatur menschlichen Glücks und Unglücks ließ mich lebendig fühlen.

    Der ursprüngliche Grund meiner Reise passte ins Bild: Beim Besuch in meiner Agentur begegnete ich Literaturbegeisterten, die wissen, was sie wollen und wie sie es kriegen können, ohne das Gespür für Realitäten zu verlieren. Ich fühlte mich wohl bei Arrowsmith, ich fühlte mich aufgehoben.

    Das gute Gefühl bleibt. Auch in Stuttgart. Zurück in der geliebten Heimat.