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  • Archive for Oktober, 2014

    Wider die Allianz der Unnachgiebigen

    Dienstag, Oktober 21st, 2014

    Sie schienen sich gegen mich verschworen zu haben, in einer Allianz der Unnachgiebigen. Claus Weselsky ließ die Züge stoppen, Petrus die Sonne scheinen. So golden der Oktober und so beschwert die Anreise für die S-Bahn-Fahrer hatte ich am vergangenen Sonntag schon befürchtet, ich würde vor leeren Stühlen lesen. Tat ich aber nicht. Und alles wurde gut.

    Das 7. Literaturfest Ludwigsburg war prächtig besucht, obwohl die Schlangen vor dem Blühenden Barock 300 Meter weiter oder vor den Eisverkäufern auf der mediterran anmutenden Piazza in der Unteren Marktstraße naturgemäß länger waren. Trotzdem: das Interesse am geschriebenen Wort war groß. Und das Programm vielfältig.

    Ein Teil dieses Programms zu sein, im Foyer des Kulturzentrums für eine halbe Stunde eine Bühne zu bekommen, hat Spaß gemacht. Ich komme gerne wieder. Doch die Aussicht auf Spaß allein war es nicht, die mich anzog, es war auch die Gelegenheit, Auszüge aus dem Manuskript von Das Gift und das Gute zu präsentieren. Ein Testlauf gewissermaßen.

    Die Gespräche, die ich hinterher mit Zuhörenden führte, waren ermutigend. Offenbar hatte ich einen Nerv getroffen, Interesse geweckt.  Das Gefühl, das ich daraus ziehe, vermischt sich wunderbar mit dem Zwischenbericht meiner Agentur nach den ersten Verlagskontakten auf der Buchmesse.

    Und so sitze ich da und lächele. Die nächsten Monate werden spannend.

    Nicht zum Schweigen geboren

    Dienstag, Oktober 14th, 2014

    Es war im Februar 2012 und ich stand kurz vor meiner Abreise nach Palermo, da stellte ich fest, dass die italienische Sprache mir dann doch mehr Schwierigkeiten bereitet als ich geglaubt hätte. „Ist doch kein Problem für dich“, tröstete mich meine Schwester. „Zur Not schweigst du einfach vier Monate.“

    Der Notfall trat nicht ein. Ich sprach – und ich sprach Italienisch. Aber der stichelnde Rat war nicht aus der Luft gegriffen. Ich bin ein Schreiber, bin es immer gewesen. Zum Redner eigne ich mich nicht so recht.  Das teile ich mit so manchem Kollegen. Da gibt es nur ein Problem: Wer schreiben will, der muss hin und wieder auch reden können. Oder anders gesagt: lesen.

    Ein solches Hin und Wieder ist wie erwähnt am kommenden Sonntag (13 Uhr) auf dem Literaturfest in Ludwigsburg (Foyer des Kulturzentrums, Wilhelmstr. 9/1). Da kam es wie gerufen, dass der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen sein Hauptseminar zur Frankfurter Buchmesse dem Thema „Work in Progress – Vorhang auf für die perfekte Lesung“ widmete.

    Da kam dann also der Theaterprofi Rainer Kleinstück zu einem Workshop ins gemütliche Gelnhausen 50 Kilometer östlich der Messehallen, um einem guten Dutzend  Wissbegieriger die Kunst von Körper, Sprache und Rede näher zu bringen. Und dieser Rainer Kleinstück fegte dermaßen furios und humorvoll durch den Tag, dass es eine Freude war, von ihm zu lernen.

    Am Ende eines langen Tages fand, mitten im Trubel des Gelnhäuser Schelmenmarktes, in der historischen Atmosphäre des Romanischen Hauses eine Lesung statt, auf der wir Werke und Selbstbewusstsein präsentierten – unter den Augen der lokalen Presse. Ich las den Prolog aus Das Gift und das Gute, wie der neue Arbeitstitel meines Romans lautet. Und war zufrieden.

    Bis mich Rainer Kleinstück zur Seite nahm und mit mir über Schwächen sprach. Danach war ich zwar immer noch zufrieden, aber mindestens genauso motiviert. Als ich am Sonntag am Frankfurter Hauptbahnhof saß und es Zeit totzuschlagen galt, bis der Ersatzzug meines ausgefallenen ICE in Richtung Stuttgart fuhr, nahm ich mir mein Skript vor. Satz für Satz.

    Ludwigsburg kann kommen.

    Die Authentizität des Sitcomstars

    Mittwoch, Oktober 8th, 2014

    Es war der 15. Juni 2005 und der Sommer hielt Einzug in Stuttgart. A. und ich hielten derweil Einzug ins Kino, einen Film anschauen, der „wie geschaffen zum Küssen“ war. So habe ich es damals im Tagebuch notiert – ohne vergessen zu erwähnen, dass ich A. an diesem Abend (noch) nicht geküsst habe. Der Film, den wir uns anschauten, war Garden State.

    Die Geschichte eines erfolglosen Schauspielers, der nach dem Selbstmord seiner Mutter in die verhasste Heimatkleinstadt in New Jersey zurückkehrt und sich in eine notorisch lügende Epileptikerin verliebt, wurde auf Anhieb einer meiner Lieblingsfilme. Er ist es bis heute geblieben.

    Für den aus der Sitcom Scrubs bekannten Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Zach Braff bedeutete sein Erstling der Durchbruch. Allein: auf einen Nachfolger mussten seine Fans lange warten, in Deutschland bis morgen. Dann startet Wish I Was Here in den hiesigen Kinos.

    WIWH

    Quelle: Trainer (Screenshot)

    Zach Braff musste sich für seinen Neuen eine Menge Kritik anhören. Manche ist nicht unberechtigt, denn der Film ist längst nicht so gut wie sein Vorgänger. Anfangs noch herrlich komisch, gewürzt mit vielen sympathischen Ideen, entwickelt er sich nach und nach zu einem altklugen Wiederaufbereiten tausendfach gestellter existenzieller Fragen.

    Ein großer Teil der Kritik richtete sich aber auf die Entstehung des Films – und da werden die Giftpfeilwerfer unfair. Braff finanzierte Wish I Was Here via Crowdfunding, rief seine Fans bei Kickstarter auf, ihn zu unterstützen, weil er nur so die Chance sah, einen persönlichen Film ohne störenden Einfluss von besserwisserischen Hollywood-Produzenten zu drehen.

    Beim Screening in Berlin plauderte Zach Braff über Kontrolle und Kontrollverluste, wie die Vorstellung dieser Geldgeber die originären Ideen des Filmschaffenden entfremden können. Er plauderte auch über seinen Wunsch zu berühren, Geschichten zu erzählen, die sein Selbst widerspiegeln – und die Fans gefallen sollen, nicht Kritikern.

    Braff wirkte dabei so wundervoll authentisch, dass man gar nicht anders konnte, als ihm das abzunehmen, was er erzählte. Es tut gut, als Konsument den Kreativen zu Gesicht zu bekommen, seine Intention zu hören, sein investiertes Herzblut zu spüren. Zu häufig tendieren wir dazu zu vergessen, wie viel Arbeit hinter einem Werk steckt.

    Und dann ist da noch die erneute persönliche Lehre: Wer etwas zu erzählen hat – und ja, das hat Zach Braff trotz allem – der wird seinen Weg finden. Solange er nicht aufgibt.

    Offizielle Seite (englisch)