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  • Die Authentizität des Sitcomstars

    Es war der 15. Juni 2005 und der Sommer hielt Einzug in Stuttgart. A. und ich hielten derweil Einzug ins Kino, einen Film anschauen, der „wie geschaffen zum Küssen“ war. So habe ich es damals im Tagebuch notiert – ohne vergessen zu erwähnen, dass ich A. an diesem Abend (noch) nicht geküsst habe. Der Film, den wir uns anschauten, war Garden State.

    Die Geschichte eines erfolglosen Schauspielers, der nach dem Selbstmord seiner Mutter in die verhasste Heimatkleinstadt in New Jersey zurückkehrt und sich in eine notorisch lügende Epileptikerin verliebt, wurde auf Anhieb einer meiner Lieblingsfilme. Er ist es bis heute geblieben.

    Für den aus der Sitcom Scrubs bekannten Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Zach Braff bedeutete sein Erstling der Durchbruch. Allein: auf einen Nachfolger mussten seine Fans lange warten, in Deutschland bis morgen. Dann startet Wish I Was Here in den hiesigen Kinos.

    WIWH

    Quelle: Trainer (Screenshot)

    Zach Braff musste sich für seinen Neuen eine Menge Kritik anhören. Manche ist nicht unberechtigt, denn der Film ist längst nicht so gut wie sein Vorgänger. Anfangs noch herrlich komisch, gewürzt mit vielen sympathischen Ideen, entwickelt er sich nach und nach zu einem altklugen Wiederaufbereiten tausendfach gestellter existenzieller Fragen.

    Ein großer Teil der Kritik richtete sich aber auf die Entstehung des Films – und da werden die Giftpfeilwerfer unfair. Braff finanzierte Wish I Was Here via Crowdfunding, rief seine Fans bei Kickstarter auf, ihn zu unterstützen, weil er nur so die Chance sah, einen persönlichen Film ohne störenden Einfluss von besserwisserischen Hollywood-Produzenten zu drehen.

    Beim Screening in Berlin plauderte Zach Braff über Kontrolle und Kontrollverluste, wie die Vorstellung dieser Geldgeber die originären Ideen des Filmschaffenden entfremden können. Er plauderte auch über seinen Wunsch zu berühren, Geschichten zu erzählen, die sein Selbst widerspiegeln – und die Fans gefallen sollen, nicht Kritikern.

    Braff wirkte dabei so wundervoll authentisch, dass man gar nicht anders konnte, als ihm das abzunehmen, was er erzählte. Es tut gut, als Konsument den Kreativen zu Gesicht zu bekommen, seine Intention zu hören, sein investiertes Herzblut zu spüren. Zu häufig tendieren wir dazu zu vergessen, wie viel Arbeit hinter einem Werk steckt.

    Und dann ist da noch die erneute persönliche Lehre: Wer etwas zu erzählen hat – und ja, das hat Zach Braff trotz allem – der wird seinen Weg finden. Solange er nicht aufgibt.

    Offizielle Seite (englisch)

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