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    Der Mikrokosmos der anderen

    Samstag, Februar 14th, 2015

    Der ICE quetschte sich gemächlich an bemalten Häuserwänden vorbei, einmal quer durch die City, im touristenfreundlichen Tempo. Vom Ostbahnhof aus zog ich meinen Rollkoffer etwa 500 Meter zum Hotel und direkt weiter zur ver.di-Bundesverwaltung, am nächsten Tag ging es den gleichen Weg zurück.

    Für zwei Tage Schriftstellerkongress in Berlin saßen Christine Lehmann und ich am vergangenen Wochenende mehr als zwölf Stunden im Zug. Von der Hauptstadt hatten wir am Ende kaum etwas gesehen – abgesehen von der Spree am Paula-Thiede-Ufer und dem Fernsehturm aus der Ferne.

    Paula

    Trotzdem: Für mich hat es sich gelohnt. Nicht, weil der Kongress besonders eindrucksvoll gewesen wäre – ich habe dazu einen Beitrag für den Landesverband des VS verfasst. Auch nicht, weil ich auf der Zugfahrt zurück den Schreibfluss fand, von dem ich noch immer zehre. Sondern wegen der Begegnungen.

    Ich hatte mich nicht um die Aufgabe als Delegierter gerissen, aber ich hatte sie als Gelegenheit zum Austausch, zu neugierigen Fragen, zu Beobachtungen gesehen. Der schriftstellerische Einzelgänger muss hin und wieder raus, die Welt sehen. Und wenn es nur in den Mikrokosmos der anderen Einzelgänger geht.

    Am Dienstag, zwei Tage nach der Rückkehr also, setzte ich, der Journalist, mich im Schatten des Stuttgarter Tagblattturms mit den Autorenkollegen Susanne Glanzner und Björn Springorum zusammen. Ich hatte den Auftrag, sie zu ihrem gemeinsamen Romanprojekt zu befragen, das am 9. März erscheint.

    Wir sprachen über Herangehensweisen und Strukturen, über Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schreiben und dem des Co-Autoren, über die Eigenheiten des Literaturbetriebs und über die Zeit, die Zeit fürs und beim Schreiben. Hinterher war ich nicht nur gut gelaunt, ich war angefixt.

    Ich spürte den Drang, der etwas Wundervolles ist. Eilte nach Hause. Setzte mich an den Schreibtisch. Und die Worte flossen.