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    Die Flaute und ich

    Sonntag, September 27th, 2015

    Sielhafen

    Der Weg zu den Geschichten über Ebbe und Flut war lang. Er fühlte sich zumindest so an. Vielleicht, weil er mit so vielen Kreuzungen verbunden war, mit allein sechs Umstiegen auf der Hinreise. Aber manche Wege sind eben so.

    Am zweiten Tag meiner neuerlichen Deutschlandreise in den Diensten der Museumsschätze trieb es mich von Kassel nach Carolinensiel hoch oben in Ostfriesland. Dort, nicht weit von der Nordsee entfernt, erzählten sie mir Geschichten vom Wasser.

    Ich hörte gespannt zu, was die Leiterin des Deutschen Sielhafenmuseums zu berichten hatte, nicht zuletzt, weil ich vor meinem geistigem Auge die Parallelen zu meiner derzeitigen literarischen Situation erkannte. Der Wind weht nicht. Ich stecke in einer Flaute.

    Eine der Fragen, die mir die Menschen am häufigsten stellen, denen ich erzähle, dass ich Romane schreibe, ist die, wie ich zu meinen Ideen komme. Ich komme mir dann jedes Mal ein bisschen seltsam vor, wenn ich antworte: Eigentlich kommen die Ideen eher zu mir.

    Viel simpler lässt sich der Prozess aber eben einfach nicht erklären. Es sind Eingebungen, die plötzlich da sind, Impulse, die auf irgendetwas treffen, aus denen die Geschichten entstehen. Wann sie kommen, lässt sich nicht beeinflussen, schon gar nicht erzwingen.

    Ich habe in den vergangenen Wochen auf Eingebungen und Impulse gehofft. Ich dachte, wenn ich mich von allem anderen löse, in Griechenland am Meer liege oder in Carolinensiel am Hafen stehe, kämen sie zu mir, würden mich losschicken ins nächste Schreibabenteuer.

    Stattdessen kam: nichts. Oder ehrlicher: Nichts Verwertbares. Und ich, der nach einem neuen Projekt lechzt, muss sich mal wieder in Geduld üben. Vielleicht bringt der Herbst einen Impuls.

    Und so oder so: das Gefühl der Freiheit im Reisen, immerhin das, das bleibt.