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  • Das Alte, das Neue und das Ewige

    Treppen

    Die Treppen haben sich nicht verändert. Sind noch genauso wie ’91 bei der ersten Begegnung. Oder wie 2000, nach dem Abi. Und warum sollten sie auch verändern? Es sind schließlich Treppen.

    Mein altes Gymnasium oberhalb der Treppen dagegen verändert sich. Sie bauen es um. Zurzeit sind die Naturwissenschaften dran. Ein ganzer Trakt, versteckt hinter Bauabsperrungen. Für Schüler und Lehrer eine Belastung. Aber was ist das für ein Symbol! Die Schule, ein Ort der Bewegung, der Veränderung.

    Es war irgendwann Ende der 90er, da sah ich den Film Mr. Holland’s Opus mit einem zurecht oscarnominierten Richard Dreyfuss als Musiklehrer einer High School. Holland sieht drei Jahrzehnte lang Schüler kommen und gehen – und bleibt selbst stehen, so zumindest seine Wahrnehmung.

    Ich wollte nie Lehrer werden. Schüler gingen mir schon auf die Nerven, als ich selbst noch einer war. Doch hätte es nicht die Abneigung gegenüber diesen kleinen Biestern gegeben, der Holland-Effekt hätte mich vom Lehramtsstudium abgehalten.

    Immer wieder aufs Neue immer wieder neuen Schülern das immer gleiche einzutrichtern, diese ermüdenden Kämpfe mit ihnen auszutragen, sie groß werden und weiterziehen zu sehen, während man selbst an diesem einen Ort verbleibt – das, glaubte ich damals, wäre mein größter Horror.

    Jedes Jahr am Samstag vor dem ersten Advent ist an meiner alten Schule ein Weihnachtsbazar. Und ich bin jedes Jahr dort. Ich gehe hin, tatsächlich mit klopfendem Herzen, und plaudere mit Lehrern, die mich prägten. Manche werden grauer, andere sehen noch immer so aus wie anno 1992.

    „Ich kann dir gar nix Neues erzählen“, sagte eine von Letzteren – lachend und strahlend – als wir uns an der Kuchentheke trafen. Ich hätte ihr viel erzählen können. Tat es aber nicht. Staunte mehr über meinen Drang, den Kontakt zu einem Lebensabschnitt zu halten, der mir einst konstant schlechte Laune bereitet hatte.

    So sehr mir mein Leben neue Herausforderungen stellt, mich auf neue Pfade und in neue Projekte schickt, so sehr brauche ich wahrscheinlich diesen Anker. Die Erinnerung an die Zeit, an den Ort, an die Schwüre, mit denen der Weg begann.

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    3 Responses to “Das Alte, das Neue und das Ewige”

    1. verena Says:

      Ja, irgendwie ist dieser lange, bildende Abschnitt doch sehr prägend. Und auch wenn man heute vieles kritisch sieht oder anders gemacht hätte, ist der ständige Bezug zu der Schulzeit doch da.

    2. Marc Bensch Says:

      Es ist – zumindest bei mir – eher so, dass ich vieles milder und weniger kritisch sehe als damals. Anders gemacht hätte ich im Nachhinein trotzdem tonnenweise Dinge. 🙂

    3. Regina Says:

      Lieber Ben,

      erst jetzt lese ich diesen Eintrag und ich kann dich sehr gut verstehen. Ich jedenfalls bin dankbar, dass in deinem Leben noch Platz für diesen Anker, das Alte ist. Wenn ich – am Samstag vor dem 1. Advent – diese Treppen ab und an hochgehe, dann weiß ich, dass ich dich, ganz verlässlich, dort treffe. In den Räumlichkeiten, die uns so geprägt haben, die ein Teil von uns sind.
      Ich persönlich schätze es sehr, dass wir nach der Schulzeit so einen – und das meine ich jetzt wirklich so, im wahrsten Sinne des Wortes – schönen und mir wertvollen Kontakt aufgebaut haben, auch wenn er nicht sehr intensiv ist.

      Danke, dass du so ein Anker am Samstag vor dem 1. Advent bist.

      Herzlichst
      Regina