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  • Neun Minuten für die Ewigkeit

    Leipzig

    Die Nervosität versetzte mich. Ich nahm es ihr nicht übel. Ich hatte nicht auf sie gewartet, hatte sie nur erwartet. Doch als sie nicht aufkreuzte, stellte ich mich in die Reihe der Wartenden und blickte nach vorn. Wartete und blickte noch entschlossener nach vorn. In die Gesichter der Lektorinnen.

    Eigentlich bin ich schon vor diesem Trip zur Buchmesse nach Leipzig reif für die Hängematte gewesen, in der ich diese Ostern baumele. Doch diese Reise, diese Extraschicht zu verpassen, hätte ich mir nicht verziehen. In den Messehallen lauerten Gelegenheiten. Komprimiert auf neun Minuten.

    Der Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA) hatte zum Speeddating mit Verlagen geladen und ich mich kurzerhand entschlossen, meinen Hut namens Tom in den Ring zu werfen. Und – hurra, ein geeignetes Druckmittel! – ihn zu diesem Zweck endlich final zu überarbeiten.

    So saß ich am Tag vor den Dates (gleichzeitig der Tag nach dem verzweifelten Versuch, auf die Schnelle noch einen gelungenen Pitch zu zaubern) im Café Central A. und A. gegenüber, die sich freundlicherweise bereit erklärten, meine Probelektorinnen zu mimen. Inklusive kritisch-konzentrierter Blicke.

    Und so saß ich in der Nacht nach dem Tag vor den Dates auf A.’s Bettsofa und schmiss das Resultat meines verzweifelten Versuchs vom Tag vor dem Tag vor den Dates noch einmal um. Ein paar Stunden später weckte mich die Helligkeit, die durchs Fenster ohne Jalousie winkte.

    Die Nervosität winkte nicht. Dabei könnte man meinen, sie kreisele mit einem Baseballschläger vor der Nase rum, wenn man einen Roman zu verkaufen versucht, in den man mehrere Jahre seines Lebens investiert hat.

    Stattdessen fühlte ich mich selbstgewiss. Weil ich diese Veröffentlichung nicht um jeden Preis brauche. Weil ich zufrieden bin mit den Dingen. Weil mich die Überzeugung trägt, dass es irgendwann klappen wird mit dem Romandebüt.

    Vielleicht war das genau die Lockerheit, die es brauchte.

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