• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Hüpfend zwischen Paralleluniversen

    TEH

    Im Hintergrund das Rauschen der Autos auf der Straße vor dem Büro, neben mir das enervierende Brummen des Arbeits-PCs, auf der anderen Seite eine Sporttasche. Die machte keine Geräusche, schrie aber trotzdem. Voller Schadenfreude. „Und du Häuflein Elend willst mich heute noch in die Hand nehmen?“ Ich war wohl der einzige, der sie deswegen prusten hörte.

    Zurückkommen kann hart sein. Am Sonntag bin ich nach einer Woche im Paralleluniversum der Tisch-Eis-Hockey-WM 2016 im niederbayerischen Bad Griesbach zurückgekommen. Am Montag saß ich wieder am Schreibtisch und bemühte mich, nicht gähnend über dem Berg an Arbeit zusammenzubrechen, der sich einstweilen dort gestapelt hatte.

    Leider stapelte er nur metaphorisch, er hätte sonst ein hübsches Kopfkissen ergeben. Also erklomm ich ihn tapfer – wiederum metaphorisch – und flüchtete währenddessen vor meiner Furcht. Denn je länger ich kletterte, desto näher kam ich dem Feierabend und damit dem Sport. Badminton am Montagabend nach dem Urlaub, die Sporttasche hörte gar nicht mehr auf zu kichern.

    Ich habe es überlebt, das Kichern genauso wie den Sport. Jetzt geht es weiter, immer weiter. Denn eigentlich dient die Arbeit nach dem Zurückkommen lediglich der Vorbereitung für das nächste Weggehen, einer Auszeit ganz anderen Ausmaßes. Lissabon, zwei Monate lang, von Ende September an. In nicht einmal einem Monat geht es los, bin ich weg.

    Dass ich bislang abgesehen von „Bom dia“ und „Obrigado“ noch kein drittes portugiesisches Wort beherrsche und nicht weiß, wo ich unterkommen werde, wirft mich nicht um. Auch nicht, dass ich vor meinem Abflug noch Hochzeiten und Lesungen in der Fremde besuchen muss, gleichzeitig aber zwei Stipendienbewerbungen fertiggestellt und Plotlöcher gefüllt werden wollen.

    Der Roman, der mich die nächsten Monate beschäftigen wird, gräbt schon längst Maulwurftunnel in meinem Kopf und ich lasse es zu, berauscht von der (Vor-)Freude auf die Ferne. Und wenn mich das Unerledigte wieder zu erdrücken droht, schließe ich kurz die Augen oder vergrabe mein Gesicht in meinen Händen.

    Nur an eines möchte ich nicht denken: ans Zurückkommen.

    Tags: , , , ,

    Comments are closed.