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  • Im Liegestuhl beim Wetterleuchten

    Halb stöhnend, halb seufzend ließ sich die Dame auf den Stadtbahnsitz fallen und schubste sich den Schweiß von der Stirn. Die Frau gegenüber war ihr fremd, doch geteiltes Leiden schafft Verbindung. Sekunden später plapperten sie los, sehnten den Regen herbei, die Abkühlung. „Mein Boden ist so hart, ich kann nicht mal Unkraut zupfen“, jammerte die eine. „Das ist einfach kein Wetter für uns“, stimmte die andere zu.

    Halb mitleidig, halb amüsiert saß ich dahinter und lächelte in mich hinein. Auch mir stand der Schweiß auf der Stirn, doch die Angewohnheit des meteorologischen Dauernörgelns ist mir fremd. Ich mag den Sommer, besonders an Tagen wie diesen, an denen ich abends auf einer Open-Air-Bühne Theaterstücke sehen und das Wetter beim Leuchten bewundern kann.

    Ein Wetterleuchten gab es am Samstag auch im Literaturhaus Stuttgart. Der Sommermarkt der unabhängigen Verlage war seines Namens würdig, dem Wetter sei Dank. Neben Planschbecken und Liegestühlen bauten 40 kleine, aber feine Buchhäuser ihre Stände auf – und zeigten, wie erfrischend es sein kann, sich als Literaturfreund in die Nische zu wagen.

    In Zeiten, in denen nach gängiger Vorstellung soziale Reichweiten wichtiger sind als Inhalte und die Profit-Kalkulation das verlegerische Gespür vernebelt, braucht es Überzeugungstäter wie Joachim von Zepelin und Christian Ruzicska vom Secession Verlag, die exemplarisch stehen für die Mitaussteller des Wetterleuchtens. Weil sie verlegen, was sie begeistert. Nicht was der Bankberater empfiehlt.

    Zepelin war früher Journalist. Er floh vor Sparzwängen und Todesengeln. Und vermisst nichts. Da hatten wir schon ein Gesprächsthema mehr.

    Ein Tag lang auf Entdeckungsreise gehen, sich überraschen lassen, mit Verlagsmenschen plaudern, Lesungen lauschen, mit dem Autorenkollegen Frank O. Rudkoffsky im Liegestuhl lümmeln und einen Eistee schlürfen – das war der perfekte Sommertag. 2018 wird es definitiv wieder ein Wetterleuchten im Literaturhaus geben. Ich bin dabei.

    Dann muss nur noch das Wetter passen.

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