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  • Auf den Straßen der Stadt

    „Ich fahr‘ demnächst auch nach Rom zum Arbeiten. Zahlt der Kunde bestimmt“, sagte T., gewohnt süffisant. Und ich zuckte mit den Achseln, gewohnt gelassen. „Mach doch.“ Es war der Neid, der aus ihm sprach. Zumindest ein wenig, versteckt hinter einem Augenzwinkern – und genährt von der schwer durchbrechbaren Kraft einer Routine, die so was nicht kennt: Einfach wegzufahren.

    Natürlich hätte ich auch in Stuttgart (endlich) beginnen können, den Roman (vorerst) final zu überarbeiten – genauso, wie ich ihn in der Heimat hätte schreiben können und nicht etwa in Lissabon. Aber Gelegenheit macht Liebe. Und mit der Freude über die Fremde im Herzen liest sich’s leichter.

    Also las ich eine Woche lang jeden Tag ein bis zwei Kapitel, um zu erkennen, was nicht stimmig ist. Aber – mehr noch als das: lief umher, häufig ziellos, um zu erkennen, was es zu sehen gab.

    An meinem ersten Tag in der Stadt waren es locker 20 Kilometer. Nach dreien hätte mich beinahe ein Moped überrollt, weil ich mich prompt italienischer Verhaltensweisen anpasste, die in Verkehrsregeln mehr so lockere Richtlinien sehen. Nach sechs hatte ich es für den Moment geschafft, Autos und Touristen auszutricksen, links der Stadtmauern. Nach neun lief ich auf einem schmalen Gehstreifen dem Gegenverkehr entgegen.

    In den Tagen darauf begegnete ich Schweizer Backfischen, die sich kichernd fragten, ob sie die Garde des Papstes ansprechen sollten. Ich sprach mit australischen Damen, die mich (natürlich nicht kichernd) fragten, ob die Creme Caramel gut und ich Lehrer sei, schließlich malte ich in ausgedruckten Aufsätzen rum.

    Ich verlor mich in römischen Sackgassen und am Rande viel befahrener Straßen, ich haute mir den Magen mit Pizza und Pasta voll, ich setzte mich auf dem Pincio und dem Aventin auf Bänke und unter Bäume.

    Und als ich zurückkam aus dem über 20 Grad warmen Rom, nahm ich zwar aus völlig unerfindlichen Gründen eine Erkältung mit, die sich gewaschen hatte. Aber eben auch die Erkenntnis, dass es sich gelohnt hatte, einfach wegzufahren, um etwas zu tun, das man auch in der Heimat hätte tun können.

    Sie ist nicht neu, diese Erkenntnis, aber jedes Mal aufs Neue wundervoll.

     

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