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  • Wie es auch sein könnte

    Abschlussfeier der Paralympics in Pyeongchang mit Nationenfahnen

    Ich hatte einen Traum. Zwei Wochen lang. Dann kehrte ich aus Pyeongchang zurück, von den Paralympics in Südkorea. Ich sah den ersten Miesepeter auf der Straße, ich begegnete dem ersten Fremden, dem ich Feindseligkeit unterstellte und mich schämte. Und mit einem Mal spürte ich, wie schön der Traum gewesen war.

    Natürlich ist ungewiss, ob das Lächeln der Volunteers, ob ihre Freundlichkeit nur aufgesetzt oder echt war. Aber sie fühlte sich echt an. Sie steckte an. Natürlich wollte jeder Athlet den anderen schlagen, wollte der Welt zeigen, dass er der Beste ist, dass sein Land das Beste ist. Aber wenn das Nationalismus war, blieb er doch stets respektvoll.

    Drei Geschichten aus dem paralympischen Leben

    Die Norwegerin B. umarmte im Ziel ihre deutsche Konkurrentin. Die hatte soben eine Medaille gewonnen, sie selbst eine verpasst. „She’s my hero“, sagte die Unterlegene strahlend in die TV-Kameras. Nichts daran war aufgesetzt.

    Die beiden Nordkoreaner im Langlauf kamen mit 23 Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel. Im Publikum jubelten die Südkoreaner den verfeindeten Brüdern zu, als hätten die das Rennen gewonnen. Und die verdutzten Brüder winkten.

    Der Kanadier am Imbiss hatte zwei Kreditkarten. Mit keiner der beiden konnte er bezahlen. Ich half mit meiner aus. Das klappte. „Typisch deutsch. Da funktioniert halt alles“, sagte er und lachte mich an.

    In der Parallelwelt Pyeongchang

    Menschen, die Olympische oder Paralympische Spiele erlebt haben, schwärmen von der besonderen Atmosphäre dort. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von dem, was sie meinen. Und doch musste ich selbst dabei sein, um es zu verstehen.

    Natürlich war – Vorsicht Doppelsinn! – nicht alles Gold, was glänzte. Das Hotelzimmer hatte weder Betten noch Tische. Wir schliefen und arbeiteten auf Futons. Mein Rücken meldete nach zweieinhalb Nächten Bedenken an. Auch die Zugangskontrolleure nahmen es manchmal etwas zu genau.

    Und doch: Die gute Laune und die Unbeschwertheit konnte das nicht erschüttern. Wir schliefen einfach wenig und arbeiteten viel draußen und den Kontrolleuren gegenüber lernten wir zu lächeln und zu nicken. Da gab es kein böses Blut. Da gab es nur die internationale paralympische Gemeinschaft.

    Dann kehrte ich zurück. Wachte auf. In einem Alltag, getrieben von Missgunst und Misstrauen. Mir passiert so etwas nicht zum ersten Mal, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Und doch erschreckt es mich jedes Mal aufs Neue.

    Eigentlich sollte ich gleich wieder einschlafen.

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