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  • Guter Vorsatz – weiterentwickelt

    Der Hafen von Dubrovnik

    Ich dachte, ich wäre schlau. Wartete, bis es dunkel war und legte dann los. Schrieb bis um halb vier morgens. Schaffte neun Seiten und fast 1500 Wörter. Immer noch weit weniger als die Hälfte für die etwas längere aktuelle Erzählung. Aber ich hatte was geleistet in der Nachtschicht. Keinen Literaturtag, aber eine Literaturnacht vollbracht.

    Den Vorsatz fürs Jahr, jede Woche einen Literaturtag einzulegen, Platz für die Leidenschaft zu schaffen, habe ich längst ad acta gelegt. Er ist schlichtweg nicht umzusetzen. Nicht, wenn man zum Beispiel zwei Wochen in Südkorea verbringt und täglich von acht bis Mitternacht arbeitet.

    Oder wenn man für die Literaturnacht dafür büßt, die komplette nächste Woche krank und matschhirnig im Bett zu verbringen. Unfähig zu schreiben.

    Neuer Vorsatz: Vorsätze gut uminterpretieren

    Also entwickelte ich den Vorsatz weiter. Es ist nicht wichtig, jede Woche volle Literaturtage zu veranstalten, wenn ich doch am Ende des Jahres (zumindest grob) auf 52 Literaturtage komme. Gut, das ist natürlich nicht das gleiche. Aber ich kann damit leben. Die Sache mit der kognitiven Dissonanz funktioniert so.

    Nach Korea zum Beispiel nahm ich mir drei Tage am Stück und erklärte sie zu Literaturtagen. Aufholtage quasi. Am Ende schrieb ich weniger als ich wollte, aber ich dachte viel nach. Über Literatur. Sogar über meine Literatur. Das zählte für mich dann auch irgendwie.

    Vor zwei Wochen saß ich mit S. am Rande des Hafens von Dubrovnik (siehe Foto oben). Dort, wo man schon aufs offene Meer schauen kann. Wir wollten den Wellen dabei zuhören, wie sie an die Felsen klatschen. Und wir wollten möglichst niemand anderen dabei hören.

    Die großen Themen: Verrat und Schönheit

    Nun ist an einen Literaturtag nicht zu denken, wenn man mit S. in Dubrovnik am Meer sitzt, also nicht an volle Literaturtage. Sie weiß und toleriert, dass ich gelegentlich gar nicht anders kann, als an Literatur zu denken, einfach abzuschweifen. Sie ist selbst Künstlerin. Und so ließ ich dort am Meer die Idee für eine neue Geschichte zu mir kommen.

    Zwei Wettbewerbe für Erzählungen spuken mir zurzeit durch den Kopf. Sie widmen sich großen Themen: Verrat und Schönheit. Ich hetze meinem Zeitplan hoffnungslos hinterher, weil es da noch den anderen Vorsatz gibt, 2018 jeden Monat eine Kurzgeschichte zu schreiben und ich mit dem Verrat seit der verhängnisvollen Nacht nicht weitergekommen bin.

    Aber ich werde einfach im Mai fleißiger sein müssen. Oder im Juni. Ich hätte es auch vergangene Nacht sein können, aber da nahm mich Paul Auster gefangen.

    Und doch geht es immer weiter. Nicht, weil ich krampfhaft an einem Vorsatz festhalte. Sondern weil es Liebe ist.

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