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  • Lindholms Jazz für Ohr und Geist

    Carsten Lindholm, Jan Gunnar Hoff und Shri spielen Jazz im Bix

    Am Abend, als Belgien Brasilien aus dem Turnier warf, saß ich zehn Meter von einem Fernseher entfernt. Allerdings war eine Wand zwischen mir und der Fußball-WM und ich lauschte einem Dänen, einem Norweger und einem Inder. Der Schlagzeuger und Komponist Carsten Lindholm spielte im Bix-Club Stuttgart seinen Jazz – und ich machte eine Erfahrung.

    Der Bix Jazzclub am Rande von Stuttgarts mickriger Sündenmeile ist ein Ort, an dem Jazz gespielt werden muss. Eigentlich sollte der Raum völlig verraucht sein oder es müsste eine Möglichkeit geben, nach Betreten alles nur noch Schwarz-Weiß zu sehen, um sich zu fühlen wie in einem Hollywood-Streifen alter Schule.

    Dass das eine nicht zeitgemäß oder erwünscht ist und das andere schlichtweg technisch unmöglich, tut dem Besuch im Bix keinen Abbruch. Draußen mögen sie Fußball zeigen, drinnen sieht die Welt anders aus.

    Nordischer Jazz mit indischen Rhythmen

    In diese Welt drang am vergangenen Freitag Carsten Lindholm ein, um sein Album Indispiration zu präsentieren. Im Gepäck hatte er den norwegischen Pianisten Jan Gunnar Hoff und den indischen Bassisten Shri. Ihr Versprechen: auf ganz eigene Art und Weise minimalistischen nordischen Jazz mit indischen Rhythmen zu vereinen.

    H., zu deren Ehren wir da waren, ohne dass sie oder wir wussten, worauf wir uns einließen, meinte nach dem Konzert, zu Hause wäre sie bei der Art von Musik vermutlich durchgedreht. Ich stimmte zu. Im Bix aber, meinte sie und fand auch ich, entfaltete der Jazz von Lindholm, Hoff und Shri eine andere Wirkung.

    Augen zu und den Geist spinnen lassen

    Die Augen geschlossen, ließ ich die Musik auf mich wirken. Und wartete ab. Eigentlich war ich hundemüde. Wegzudämmern wäre also nicht unnatürlich gewesen. Stattdessen löste der Jazz eine Blockade und in meinem Kopf begann sich ein Rad zu drehen. Normalerweise suche und brauche ich Stille, wenn ich eine Geschichte entwickle. Diesmal brauchte ich offenbar Musik.

    Es war kein gigantischer Dominostein, den der nordisch-indische Jazz umwarf, aber groß genug, um etwas ins Rollen zu bringen. Weitere Fragmente der Geschichte für den Literaturpreis Wartholz fanden am Sonntag zu mir, Montagmittag, -nachmittag und -nacht brachte ich sie aufs Papier – und erlebte endlich mal wieder einen Literaturtag im besten Sinn.

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