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  • Das Idyll von Mikro Nisi, Zakynthos

    Tor zum Meer in Mikro Nisi, Zakynthos, Griechenland

    Hinter dem weißen Törchen führten ein paar Stufen hinab zu den Felsen. Und die Felsen führten direkt ins Wasser. Jeder Schritt wollte überlegt sein, denn natürlich gab es rutschige Flächen, Unebenheiten, scharfe Kanten. Ich schürfte mir Arme und Beine auf, aber ich war glücklich; wir waren allein.

    Mikro Nisi, also kleine Insel, hieß der Ort, den S. und ich uns für den Start unseres Griechenland-Urlaubs gewählt hatten – weil uns laut Beschreibungen und Google-Maps-Erkundungen Einsamkeit erwartete. Ein Rückzugsort fern überrannter Strände und Tavernen mit Speisekarten so dick wie Romane.

    Unsere Hoffnungen erfüllten sich.

    Der hügelige Nordosten von Zakynthos

    Freunde von S. hatten uns Zakynthos empfohlen. Es war das erste Mal, das wir von der Insel im ionischen Meer hörten. Bei Italienern und Briten scheint sie schon weitaus bekannter zu sein, vor allem bei Ersteren. Laut lärmen sie in den touristisch erschlossenen Ecken des Eilands.

    Unser Herbergsvater verdrehte die Augen, als die Sprache auf sie fiel. Sie sind ihm wohl zu viel. Er holte uns vom Flughafen auf Zakynthos ab und fuhr dem Sonnenuntergang für vierzig Minuten entgegen. Lange kurvten wir durch die Berge. Erst kurz vor dem Ziel stürzten wir uns dem Meer entgegen.

    Wer braucht da noch die Karibik?

    Es war schon dunkel, als wir in dem winzigen Zimmer standen, das unser Nachtquartier sein sollte. Deswegen erkannten wir erst am nächsten Morgen, wie blau, zeitweise wie karibiktürkis, das Wasser schimmerte. Die Sonne fiel durch die offene Terrassentür in unser Gesicht.

    Schon vom Bett aus sahen wir das Blau. Und sahen es uns bald von Nahem an. Wir setzten uns unter einen Olivenbaum, weil die Sonne über Zakynthos brannte und wir staunten. Es dauerte nicht lange und wir versanken erneut im gemeinsamen Traum von einem Haus am Meer.

     Und dann purzeln die Ideen

    S. holte bereits am ersten Nachmittag ihren Zeichenblock aus der Tasche. Ich beschränkte mich vorerst noch aufs Staunen und aufs Atmen. Aber auch mich erwischte es bald. In meinem Gepäck steckten die Ausschreibungen für den Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb und den Walter-Serner-Preis.

    Als wir Zakynthos verließen, war mein Rucksack um eine ernsthafte und eine weniger ernsthafte Idee (von der S. glaubt, dass sie durchaus Potenzial besitzt) schwerer – und um eine weitere für einen ganz neuen Roman. Jetzt muss ich nur den Raum finden, das alles aufs Papier zu bringen.

    Vielleicht sollte ich gleich wieder wegfahren.

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