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  • Auf den Straßen der Stadt

    Oktober 9th, 2017

    „Ich fahr‘ demnächst auch nach Rom zum Arbeiten. Zahlt der Kunde bestimmt“, sagte T., gewohnt süffisant. Und ich zuckte mit den Achseln, gewohnt gelassen. „Mach doch.“ Es war der Neid, der aus ihm sprach. Zumindest ein wenig, versteckt hinter einem Augenzwinkern – und genährt von der schwer durchbrechbaren Kraft einer Routine, die so was nicht kennt: Einfach wegzufahren.

    Natürlich hätte ich auch in Stuttgart (endlich) beginnen können, den Roman (vorerst) final zu überarbeiten – genauso, wie ich ihn in der Heimat hätte schreiben können und nicht etwa in Lissabon. Aber Gelegenheit macht Liebe. Und mit der Freude über die Fremde im Herzen liest sich’s leichter.

    Also las ich eine Woche lang jeden Tag ein bis zwei Kapitel, um zu erkennen, was nicht stimmig ist. Aber – mehr noch als das: lief umher, häufig ziellos, um zu erkennen, was es zu sehen gab.

    An meinem ersten Tag in der Stadt waren es locker 20 Kilometer. Nach dreien hätte mich beinahe ein Moped überrollt, weil ich mich prompt italienischer Verhaltensweisen anpasste, die in Verkehrsregeln mehr so lockere Richtlinien sehen. Nach sechs hatte ich es für den Moment geschafft, Autos und Touristen auszutricksen, links der Stadtmauern. Nach neun lief ich auf einem schmalen Gehstreifen dem Gegenverkehr entgegen.

    In den Tagen darauf begegnete ich Schweizer Backfischen, die sich kichernd fragten, ob sie die Garde des Papstes ansprechen sollten. Ich sprach mit australischen Damen, die mich (natürlich nicht kichernd) fragten, ob die Creme Caramel gut und ich Lehrer sei, schließlich malte ich in ausgedruckten Aufsätzen rum.

    Ich verlor mich in römischen Sackgassen und am Rande viel befahrener Straßen, ich haute mir den Magen mit Pizza und Pasta voll, ich setzte mich auf dem Pincio und dem Aventin auf Bänke und unter Bäume.

    Und als ich zurückkam aus dem über 20 Grad warmen Rom, nahm ich zwar aus völlig unerfindlichen Gründen eine Erkältung mit, die sich gewaschen hatte. Aber eben auch die Erkenntnis, dass es sich gelohnt hatte, einfach wegzufahren, um etwas zu tun, das man auch in der Heimat hätte tun können.

    Sie ist nicht neu, diese Erkenntnis, aber jedes Mal aufs Neue wundervoll.

     

    Zurück nach Italien

    September 26th, 2017

    Die Abfahrt Richtung Gotthard hatten D. und ich verpasst. Doch wir fuhren weiter, kurzenschtlossen dem San-Bernardino-Pass entgegen. Ich begann mir bald Sorgen zu machen um meinen altersschwachen Polo. Er hielt durch.

    Wir fühlten uns wie bequeme Tour-de-France-Fahrer, als wir den höchsten Punkt hinter uns gelassen hatten. Von da an ging es abwärts – rein topographisch gesprochen.

    Italien rückte näher.

    Viele Stunden später waren wir fast am Ziel. Es war längst dunkel, als wir das Liebespaar am Strand und unsere Angst vor Quallen ignorierten und ins Meer sprangen.

    Das kleine Dorf rund 20 Minuten westwärts in die Berge lernte ich am nächsten Tag kennen. Ich sah die Höfe und Häuschen – und das Anwesen, das sie Fort Knox nannten. Ich sprach mit dem Mann, der sich seit Jahren vor den Behörden in seinem Haus versteckte, um eine höhere Arbeitsunfähigkeitsrente herauszuschlagen. Ich fühlte mich wohl.

    2008 war das. Zweimal bin ich seitdem ins Dorf zurückgekehrt. Nun war’s wieder an der Zeit, doch die Reise mit D. ist geplatzt. Und ich stehe mit dem gebuchten Flug nach Rom da.

    Mit der ewigen Stadt verbinden mich ebenfalls Erinnerungen. 1999 war ich auf Studienfahrt dort. Lazio Rom gewann den Europapokal und mir fiel erst im blauen Fahnenmeer auf der Spanischen Treppe auf, dass ich ein rotes Shirt trug – die Farbe des verhassten Stadtrivalen AS Roma.

    Ich habe die Party überlebt. Offensichtlich.

    Von Donnerstag an streunere ich wieder für eine Woche durch die Stadt – alleine. Ich habe beschlossen, den Flug nicht verfallen zu lassen. Weil ich mir wenig schönere Orte vorstellen kann als Rom, um den seit Monaten unüberarbeitet auf dem Schreibtisch liegenden Roman wieder zur Brust zu nehmen.

    Ci vediamo.

    Im Gespräch mit Caro M.

    August 6th, 2017

    Die wunderbare Kollegin Carolin M. Hafen hat vor einigen Wochen eine spannende Interviewreihe namens Zwei Fragezeichen ins Leben gerufen. Nun habe auch ich mich ihren Fragezeichen gestellt – und grob beantwortet, warum ich woran jetzt gerade für wen arbeite.

    Alle Ausrufezeichen gibt es HIER.