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  • Archive for the ‘Leinwandträume’ Category

    Weit oder wie das Leben so spielt

    Freitag, Februar 2nd, 2018

    Einfach los, nach Osten. Per Anhalter, Bus, Zug oder zu Fuß, wenn ein Ozean im Weg steht auch auf Schiffen, niemals aber mit dem Flugzeug. So lange, bis man aus dem Westen wieder in Freiburg ankommt. Das nahmen sich Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier vor, setzten es um und waren bald Weit weg.

    Die Geschichte ihres Wegs um die Welt haben sie festgehalten und 2017 ins Kino gebracht. Dort hielt sich der Dokumentarfilm monatelang – er hält sich teilweise immer noch – und avancierte zum erfolgreichsten Arthaus-Kinofilm des Jahres. Zurecht, denn er ist mitreißend, schön und lebensnah.

    (mehr …)

    Die Authentizität des Sitcomstars

    Mittwoch, Oktober 8th, 2014

    Es war der 15. Juni 2005 und der Sommer hielt Einzug in Stuttgart. A. und ich hielten derweil Einzug ins Kino, einen Film anschauen, der „wie geschaffen zum Küssen“ war. So habe ich es damals im Tagebuch notiert – ohne vergessen zu erwähnen, dass ich A. an diesem Abend (noch) nicht geküsst habe. Der Film, den wir uns anschauten, war Garden State.

    Die Geschichte eines erfolglosen Schauspielers, der nach dem Selbstmord seiner Mutter in die verhasste Heimatkleinstadt in New Jersey zurückkehrt und sich in eine notorisch lügende Epileptikerin verliebt, wurde auf Anhieb einer meiner Lieblingsfilme. Er ist es bis heute geblieben.

    Für den aus der Sitcom Scrubs bekannten Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Zach Braff bedeutete sein Erstling der Durchbruch. Allein: auf einen Nachfolger mussten seine Fans lange warten, in Deutschland bis morgen. Dann startet Wish I Was Here in den hiesigen Kinos.

    WIWH

    Quelle: Trainer (Screenshot)

    Zach Braff musste sich für seinen Neuen eine Menge Kritik anhören. Manche ist nicht unberechtigt, denn der Film ist längst nicht so gut wie sein Vorgänger. Anfangs noch herrlich komisch, gewürzt mit vielen sympathischen Ideen, entwickelt er sich nach und nach zu einem altklugen Wiederaufbereiten tausendfach gestellter existenzieller Fragen.

    Ein großer Teil der Kritik richtete sich aber auf die Entstehung des Films – und da werden die Giftpfeilwerfer unfair. Braff finanzierte Wish I Was Here via Crowdfunding, rief seine Fans bei Kickstarter auf, ihn zu unterstützen, weil er nur so die Chance sah, einen persönlichen Film ohne störenden Einfluss von besserwisserischen Hollywood-Produzenten zu drehen.

    Beim Screening in Berlin plauderte Zach Braff über Kontrolle und Kontrollverluste, wie die Vorstellung dieser Geldgeber die originären Ideen des Filmschaffenden entfremden können. Er plauderte auch über seinen Wunsch zu berühren, Geschichten zu erzählen, die sein Selbst widerspiegeln – und die Fans gefallen sollen, nicht Kritikern.

    Braff wirkte dabei so wundervoll authentisch, dass man gar nicht anders konnte, als ihm das abzunehmen, was er erzählte. Es tut gut, als Konsument den Kreativen zu Gesicht zu bekommen, seine Intention zu hören, sein investiertes Herzblut zu spüren. Zu häufig tendieren wir dazu zu vergessen, wie viel Arbeit hinter einem Werk steckt.

    Und dann ist da noch die erneute persönliche Lehre: Wer etwas zu erzählen hat – und ja, das hat Zach Braff trotz allem – der wird seinen Weg finden. Solange er nicht aufgibt.

    Offizielle Seite (englisch)

    Der Tod des inneren Kindes

    Freitag, März 8th, 2013

    Seit heute ist die DVD von This ain’t California auf dem Markt. Marten Persiels „dokumentarische Erzählung“ über einen Wahnsinn namens Skaterszene in der ehemaligen DDR bietet reichlich Angriffspunkte für eine Diskussion über Wahrheit und Wirklichkeit. Doch darum geht es eigentlich gar nicht.

    California

    Quelle: Trailer (Screenshot)

    Fand jedenfalls ich, als ich den Film sah, um eine Rezension für Moviemaze zu schreiben. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich von den Bildern und dem bombastischen Soundtrack erholt hatte. Erst danach wurde mir klar, dass es in den rund 90 Minuten gar nicht ums Skaten oder um die DDR geht.

    Es geht um eine Lebensphase, die viele im Nachhinein verklären und überhöhen, um sich beim Erinnern nicht gar zu schäbig zu fühlen, weil sie sich meilenweit von den Menschen entfernt haben, die sie damals waren. Es geht um die letzten Atemzüge des inneren Kindes vor der Routine des Erwachsenendaseins.

    In This ain’t California führt der Tod des einstigen Leitwolfes Denis Paraceck, genannt Panik, Skategefährten von früher wieder zusammen. Zu dem Phantom Denis haben sie nach der ultimativen Wende – dem Mauerfall – keinen Kontakt mehr gehabt. Der verstorbene Protagonist, dessen tatsächliche Identität im Dunkeln bleibt, ist ein Symbol.

    Es ist sogar das Symbol schlechthin. Denn er verkörpert all die Nostalgie, all die Kraft, all die Rebellion der Jugend, wegen derer bei Menschen in den Mühlen des Systems giftgrüner Neid aus allen Poren trieft. Auch das Skateboard wird zu einem Symbol: eines für die Freiheit, die zum Greifen nah ist. Immer und überall. In jedem Alter, an jedem Ort.

    Aber das ist auch wieder nur meine Wahrheit.

    Offizielle Seite von This ain’t California mit Trailer

    Die römische Tragödie

    Montag, August 27th, 2012

    Am Donnerstag kommt To Rome with Love in die deutschen Kinos. In Italien lief der neue Film von Regisseur-Eichhörnchen Woody Allen bereits im April an – und provozierte vor allem bei linken Intellektuellen wilde Proteste. Aber wie authentisch muss eine romantische Komödie eigentlich sein?

    Quelle: Trailer (Screenshot)

    Ich war erst ein paar Wochen in Palermo, als ich erfuhr, dass der Filmstart von Woody Allens Romprojekt nahte. Die Bilder des wundervollen Midnight in Paris in bester Erinnerung, raffte ich meine spärlichen Italienisch-Kenntnisse zusammen und kaufte mir ein Ticket. Das wird toll, dachte ich mir.

    Toll ist er nun nicht geworden. Aber erwartunsgemäß nett. Erwartungsgemäß vor allem, weil Allen im Prinzip stets die gleiche Geschichte erzählt, nur Orte und Schauspieler variiert und ein paar feine Ideen einbaut – in diesem Fall verkörpert durch den ironischen Handlungsstrang um Roberto Benigni.

    Gefallen hat mir, dem Teilzeitsizilianer, der Film vor allem, weil die italienische Urlaubsstimmung aus jeder Pore trieft. Andere finden das zum Heulen. Allens Kollege Carlo Verdone hält To Rome with Love für einen feuchten Touristentraum (Vorsicht: Italienisch!). Und er ist nicht der einzige.

    Thomas Migge nahm den Film fürs Deutschlandradio auseinander und zählt in seiner Kritik auf, was vielen vor allem italienischen Linken (darunter Dario Fo) so aufstößt: Allen habe quasi vor sämtlichen unübersehbaren Problemen der ewigen Stadt die Augen verschlossen, einen puren Werbefilm gedreht.

    Der Regisseur selbst sieht sein Werk als Liebeserklärung, weil er – typisch amerikanisch – Stadt und Land verfallen ist. Aber ist das verwerflich? Wie viel Dokumentation muss in einem harmlosen Unterhaltungsfilm stecken? Wie viel Kritik muss sein, erst recht in einem eher seichten Werk?

    Man kann alles politisieren, in vielen Fällen sollte man es auch. Kunst mit Anspruch ist ohne Aussage kaum etwas wert, nur ein schnöder Beitrag zum vor sich dahindümpelnden Allerlei. Allens Anspruch aber ist bescheiden: er will unterhalten, ein bisschen Glitter verteilen.

    Dazu bedarf es keiner hundertprozentigen Authenzität, nicht mal neunzig- oder achtzigprozentiger. Die Schlachten um Wahrheit werden anderswo geschlagen. Und wer sich allein von Filmen wie diesem sein Weltbild kreieren lässt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

    Mein Alaska

    Sonntag, April 29th, 2012

    Da ist diese Szene in Sean Penns großartigem Film Into the Wild, die auch im Trailer zu sehen ist. Der junge Aussteiger Christopher McCandless erzählt dem Farmer Wayne von seinem großen Ziel: Alaska, die Wildnis, die Isolation. „Und was macht man dann da, in der Wildnis?“, will Wayne wissen. „Man lebt einfach“, antwortet McCandless.

    Es ist vier Jahre her, dass ich diesen Film zum ersten Mal gesehen habe. Ich quälte mich gerade für die Zwischenprüfung durch die Griechische Geschichte und brauchte dringend eine Auszeit. Also ging ich alleine ins Kino, angetrieben durch ein großartiges Interview mit Sean Penn in der ZEIT.

    Der Film, den ich zwei Tage später am Abend nach der Prüfung im selben Kino noch einmal in mich aufsaugte, traf mich mitten in einer sensiblen Phase, konfrontiert mit einem (vermeintlichen) Gehirntumor, der mich darüber nachdenken ließ, welche Schwerpunkte ich in meinem Leben setzen will.

    Meine Reise nach Palermo nähert sich der Halbzeit. Beim Gedanken daran, was ich bislang erlebt habe – zuletzt in dieser Nacht – kann ich nicht anders als lächeln. Und bei aller Vorfreude, Ende Juni die Heimat wiederzusehen, brenne ich auf die nächsten beiden Monate. Palermo ist mein Alaska.

    Natürlich mutet ein Vergleich mit dem wahrhaftigen Christopher McCandless etwas seltsam an, ich habe nicht die Zivilisation hinter mir gelassen, sondern nur die gewohnte Umgebung. Dennoch suche und finde ich hier die Isolation regelmäßig und stelle voller Freude fest, wie fruchtbar sie ist.

    Mit dem, was viele unter Carpe diem verstehen, kann ich wenig anfangen. Ich lasse mir ungern Druck machen. Und meine Definition von leben (im Sinne von erleben) deckt sich erfahrungsgemäß mit der vieler anderer nicht. Deswegen sträube ich mich davor, Allgemeingültiges zu behaupten.

    Aber die Triebfeder meines Lebens ist eine feste Überzeugung. Sie lautet: wer nicht hin und wieder einen Bruch vollzieht, bleibt stehen. Und Stillstand ist nie gut.