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  • Archive for the ‘Sitzfleischstorys’ Category

    Über das Überarbeiten

    Dienstag, Februar 28th, 2017

    Sprung

    Ich bin die Fragen schon gewohnt. Aber gewöhnen werde ich mich an sie nie. „Und, wann kommt er raus?“, wollen die Menschen wissen, die – hautnah oder aus der Ferne – mitbekommen haben, dass ich vergangenen September nach Lissabon floh, um einen Roman zu schreiben.

    „Möglicherweise nie“ wäre die ehrlichste Antwort. Aber wie könnte es mir einfallen, meine Fans so zu schockieren? Also vertröste ich sie auf den Herbst 2018 – „frühestens“. Er ist eine äußerst optimistische Schätzung für jemanden, der seinen Stoff für nicht selfpublishing-tauglich hält und einen Verlag sucht, einen großen im Optimalfall. Diogenes hätte was.

    Die Wahrheit ist: Selbst von der Verlagssuche bin ich noch meilenweit entfernt. Und die wirklich echte, schonungslose Wahrheit ist: Ich habe noch nicht einmal nachhaltig begonnen, aus dieser kärglichen Rohfassung, die ich aus Portugal mitgebracht habe, etwas Vorzeigbares zu meißeln.

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    Vom Ende der Frist

    Samstag, April 30th, 2016

    Bühne

    Es wird ein heißer Tanz heute Abend. Nicht da draußen irgendwo, bei all den Maianbetern und Walpurgisnachtgeistern. Mein April endet in meiner Wohnung, an meinem Schreibtisch, über meiner Tastatur. Ich muss eine Kurzgeschichte schreiben.

    Ich muss sie heute schreiben, weil da diese Frist ist. Und diese Frist endet morgen. Besser als heute, gewiss. Aber morgen ist immer noch verdammt früh. Besser wäre übermorgen. Oder Mittwoch. Mittwoch, der 30. November. 2022.

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    Das Tun und das Lassen

    Dienstag, April 28th, 2015

    „Und was tust du sonst so?“, fragte G. und irritierte mich. Hatte ich nicht eben erklärt, dass ich meinen Roman überarbeite, obendrein anfangs des Jahres zwei Agenturen gegründet hätte, die es aufzubauen gilt, in die ich viel Zeit zu investieren hätte, ohne viel Geld herauszubekommen, dass ich also parallel noch Geld zu verdienen hätte, außerhalb der Agenturen?

    Aber vor allem: Dass ich diesen Roman überarbeite!

    Es war Gründonnerstag und wir saßen in der Lieblingskneipe. Im Raucherraum qualmten die Menschen gedrängt, auch um uns herum nahm der Geräuschpegel  zu. Es war April, schweinekalt und eklig draußen, aber April, Frühling quasi. Die Menschen drängten ins Öffentliche, drängten zum Tun. „Puh, ähm, also“, begann ich zu stottern. „Sonst tue ich gerade wenig.“

    Das war natürlich ein Euphemismus. Denn was ich sonst so tat, war in erster Linie nichts. In den Wochen zuvor hatte ich mehrere Gründe gefunden, nicht ins Fitnessstudio zu gehen. Ich hatte viele Gründe gefunden, mich an mein Manuskript zu klammern, an den Satz-für-Satz-Durchgang, an die stete Selbstdisziplinierung, die verdammt viel Disziplin verlangte.

    Ich hatte sonst also wenig getan – doch ich fühlte mich ganz wunderbar dabei. Er sei gerade „etwas im Freizeitstress“, verriet G. Später sprachen wir über Entschleunigung und Hamsterräder. Ich angelte mir ein Stück Pizza und lächelte. Zuhause setzte ich mich wieder vor den Computerbildschirm.

    Wenn ich von hier, meinem Schreibtisch aus, zum Fenster hinausschaue, sehe ich den Kubus der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung, an dem jeden Tag um genau 23.59 Uhr die Lichter ausgehen.

    Ich habe diese Lichter in den vergangenen Wochen häufig ausgehen sehen, weil ich hier, an meinem Schreibtisch, saß und überarbeitete. Und überarbeitete. Und überarbeitete. 300 Seiten lang. Am Ende kämpfend – und doch zufrieden, ja fast glücklich.

    Nun, da ich fertig und durch bin, blicke ich zurück und nach vorn. Der Frühling ist inzwischen da, ich weiß es, ich habe ihn am Wochenende in Köln und Bonn gesehen, beim Tun für ein neues Projekt, einem für die Agentur Nummer eins. Ich habe ihn auch fotografiert, wie das folgende Foto zeigt.

    Der Frühling ist da, das Manuskript auf dem Weg zu Testlesern und Agentur. Es ist also Zeit, wieder mehr sonst so was zu tun. Ich muss unbedingt G. davon berichten.

    Das Orm und ich

    Dienstag, März 3rd, 2015

    Seine Fantasie ist beneidenswert, sein Blick auf den Literaturbetrieb hoch amüsant. Ich habe, auf dringende Empfehlung von Sportredakteur M., Walter Moers‘ Stadt der träumenden Bücher gelesen. So kam ich in Kontakt mit diesem Kunstwort, an das ich seitdem häufig denke: das Orm.

    Dieses Orm ist, wie vieles aus Moers‘ Welten, nicht einfach zu übersetzen, ohne Gefahr zu laufen, der Bedeutung nicht gerecht zu werden. Inspiration ist definitiv ein zu grober Hilfsbegriff. Wenn einen Schriftsteller das Orm befällt, ist das für ihn gleichermaßen Segen wie Fluch.

    Die Ideen, die ihn dann durchfluten, drängen nämlich aufs Papier. Sie müssen raus, andererseits droht der Kopf des Infizierten zu platzen. Man könnte es als Zustand des Wahns bezeichnen. Denn in seiner Rastlosigkeit verliert für den Schreibenden alles andere seine Bedeutung.

    Ich habe mich in den vergangenen Februar-Wochen zeitweise wie im Wahn gefühlt. Das alte Tom-Projekt, das eine radikale Überarbeitung, praktisch eine Neuerfindung, verlangte, nahm mich gefangen und ließ mich nicht mehr los – bis ich mich wegen anderer Verpflichtungen zum Lösen zwingen musste.

    Nun ist dieser Verpflichtung genüge getan und ich lehne mich für einen Moment zurück, wage mich vorsichtig wieder hinein ins Manuskript. Moers‘ Orm lässt einen so brillant schreiben wie niemals zuvor. Doch ich möchte nicht nachlesen, was ich geschaffen habe. Erst muss ich es zu Ende bringen.

    Ich kann also nicht sagen, ob ich ihm wirklich begegnet bin, dem Orm. Aber so oder so: Der Februar war eine Erfahrung.

    Bevor es beginnt

    Sonntag, Februar 9th, 2014

    Mein Kopf ist ein Gefängnis. Er hat Gedanken eingeschlossen. Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass in meinem Kopf gefoltert wird. Weil manche Gedanken sich mir verweigern. Ihr Geheimnis nicht beichten wollen. Speziell jene, die im Zusammenhang mit meinem aktuellen Roman stehen. Ich wusste, er ist längst nicht perfekt. Ich wusste nicht warum.

    Und weil die Betriebsblindheit eine mächtige Gesellin ist, ich aber vollstes Vertrauen in die Versiertheit meiner Testleser hegte, saß ich in den vergangenen Wochen wie auf heißen Kohlen. Weil ich mir Klarheit wünschte. Und weil ich endlich diesen letzten Überarbeitungsdurchgang starten wollte, der den Roman der Perfektion ein bisschen näher bringen soll.

    Am Montag wird es soweit sein. Von Montag an werde ich mich eingraben, werde Verbindungen zur Außenwelt kappen, temporär zumindest, werde dem Prolog den Kampf ansagen und allem was danach kommt. Und um vorher meinen Geist zu besänftigen, ging ich ins Mineralbad und in die Sauna.

    Leuze

    Beim Spazieren durch die Dunkelheit einer zwar nicht von Kälte, wohl aber von Nässe leergefegten Bad Cannstatter Saunalandschaft hoffte ich letzte Klarheiten zu finden. Denn die Testleser äußerten sich zwar überraschend einhellig, ihre Hinweise waren hilfreich, die letzten Entscheidungen aber muss ich treffen, die letzten Puzzleteile ich zusammensetzen.

    Es ist die etwas eigenwillige Struktur meiner Geschichte, die Gedankenakrobatik (Gefängnissport!) von mir verlangte. Und wo, dachte ich mir, wenn nicht beim Schwitzen und beim Entspannen könnte ich die letzten Bremsen besser lösen? In der Küche stehen Bananen, Multivitaminsaft-Flaschen, eine Dose Nüsse und eine Packung Haribo-Schnuller.

    Es kann beginnen. Morgen dann.

    Foto: CC BY-NC-ND 2.0 Stefan Baudy / Leuze