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    Was vom Jahre übrig bleibt (Twentysixteen)

    Freitag, Dezember 30th, 2016

    Lissabon

    D. war zufällig in Lissabon – zum Saufen und zur Kultur auf hohem Niveau, wie er schrieb. Für den Samstag waren wir verabredet, also bestieg ich in meinem Schreibexil einen Bus. Die Fähre brachte mich zum Cais do Sodré, von wo aus ich an den Praça do Comércio spazierte und mich ans Wasser setzte.

    Im Schein von Portugals kraftstrotzender Herbstsonne lauschte ich eine Weile den Wellen und einer Straßenband von den Kapverden, die den Sound der Ferne spielte. Und weil ich D. telefonisch nicht erreichte – der erholte sich gerade noch vom hohen Niveau des Vortages – stapfte ich los. Ohne Ziel.

    Eine Stunde später tauchte die nicht mehr ganz so kraftvolle portugiesische Herbstsonne bei ihrem Untergang die Stadt in ein Licht, von dem man wünschte, es würde nie erlöschen. Aber alles hat seine Zeit, alles endet: Sonnenuntergänge, Tage, Nächte, Schreibklausuren im Ausland.

    Wenn ich heute im deutschen Winter mit schniefend-triefend-verschnupfter Nase auf die Wochen in Lissabon zurückblicke, tue ich das nicht voller Wehmut, sondern mit einem Lächeln. Ich bedauere es nicht, nicht mehr dort zu sein.

    Es erschüttert mich auch nicht, dass 2016 unglücklich endet – mit der Rückmeldung der Agentur, die den Roman nicht vertreten will, weil sie seine Marktchancen im schwierigen Segment der Gegenwartsliteratur als zu gering einschätzt.

    Ich werde mir, sobald ich mich der Überarbeitung gestellt habe, neu überlegen müssen, ob und wie ich ihn unterbringe. Dieses Gefühl des Scheiterns und des Neujustierens weicht nicht von meiner Seite. Es scheint kein Ende zu nehmen. Ich lächle auch darüber, weil ich weiß, dass es irgendwann enden wird.

    2016 ist in vielerlei Hinsicht ein Jahr des Schreckens und der Verzweiflung gewesen, voll globalem Terror, Krieg, Leid, voll Trump, Erdogan und Brexit. Man ist geneigt, ihm ein gepfeffertes Fuck You! entgegenzubrüllen.

    Aber ich habe schon vor Jahren beschlossen, mir zuvorderst über die Dinge Gedanken zu machen, die ich unmittelbar beeinflussen kann. Das habe ich getan, auf der Suche nach dem persönlichen Glück – und zeige 2016 nun nicht den Mittelfinger, sondern winke.

    Und selbst wenn es 2017 wieder nicht klappen sollte mit dem Romandebüt, werde ich nicht verzagen. Meine Zeit wird kommen. Früher oder später.

    Insofern: Auf ein Neues!

    Was vom Jahre übrig bleibt (Episode IV)

    Donnerstag, Dezember 31st, 2015

    Griechenland

    A. starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Aber sie hatte sich nicht verhört. „Ich habe endlich die ersten vier Absagen von Verlagen bekommen“, hatte ich kurz zuvor zu ihr gesagt. Und ja, ich verstand diese Absagen tatsächlich als frohe Nachricht. Alles ist besser als Stillstand.

    Fast ein Jahr lang habe ich nach der Manuskript-Abgabe gewartet, habe mich mit meiner Ungeduld gebalgt, habe gegrübelt, was ich tun kann oder sollte. Als mir im Dezember meine Agentin von den ersten Reaktionen der Verlage auf meinen aktuellen Roman berichtete, war ich froh.

    Natürlich wäre ich noch froher gewesen, hätten die (durchaus namhaften) Verlage abseits von Lob und Kritik nichts von den allgegenwärtigen eingeschränkten Spielräumen bei Verlagsprogramm und -plätzen geschrieben, aber immerhin schrieben sie etwas.

    Gut ein Dutzend Verlage hat noch nicht geschrieben. Meine Ungeduld werde ich nach 2016 mitnehmen. Dass dies der vor einem Jahr an dieser Stelle geäußerten Erkenntnis widerspricht, die meisten Dinge würden sich am besten entwickeln, „wenn man ihnen die Zeit gibt zu reifen“, ist eine andere Geschichte. Aber was wären wir ohne Widersprüche?

    2015 ist ein literarisches Pausenjahr gewesen. Zu Weihnachten schrieb ich das Märchen über Die gute Schlangenkönigin, ab und zu (etwa im Griechenland-Urlaub) grübelte ich über neue und alte Stoffideen, aber am Ende war ich doch fast ausschließlich in (durchaus spannende) Brotjobdinge involviert.

    Ob sich das 2016 ändern wird? Ich wieder mehr Zeit – und wichtiger: mehr Kraft und Inspiration – haben werde, in fiktionale Welten aufzubrechen? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass das Leben zu schade ist, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die die Lebensfreude hemmen.

    Und ich bin mir sicher: Das neue Jahr wird, in der Gesamtheit seiner Komponenten. wie das alte – ein Abenteuer.

    Insofern: Auf ein Neues!

    Sonnenbaden mit Geheimnis

    Samstag, Juli 12th, 2014

    Der Schweiß stand mir auf der Stirn, als ich um 19.48 Uhr die Stufen der U-Bahn-Station hinauf auf die Königstraße spurtete. Ich hatte mich mit meinem letzten Interviewpartner vor dem Urlaub verquatscht, brauchte aber dringend eine Sonnenbrille. Zwölf Minuten blieben. Ich rannte. Und der Straßenmusiker spielte Adriano Celentanos „Azzurro“.

    Gut 24 Stunden später saß ich in der Trattoria einer römischen Seitengasse und bestellte eine Penne all’arrabbiata zur Stärkung für die bevorstehende Autofahrt nach Osten, in die Abruzzen, in Richtung Meer. Und als alle Anspannung der vorangegangenen Wochen von mir abfiel, schlüpfte ein anderer Ohrwurm in meinen Gehörgang.

    KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

    Weil ich mal wieder etwas Geld hatte verdienen müssen, waren der Mai und der Juni anstrengende Monate gewesen. Denn Geld verdienen artet überraschenderweise meistens in Arbeit und Zeit aus, die dann mit der restlichen Arbeit und Zeit in den Ring steigt, jene mich ständig begleitende (noch) unbezahlte.

    Kurzum: Ich war reif für eine Pause. Ich musste zurück nach Italien, ich musste an den Strand, wo Störfaktoren höchstens in Form etwas zu lebendig quakender Einheimischer existieren, oder in der Sorge, nicht zu wissen, wie man die Massen an Mahlzeiten je wieder wird abtrainieren können.

    Die süßen Tage des Müßiggangs zu genießen fiel mir leicht, denn ich nahm ein Geheimnis mit an die Adria. Kurz vor dem Abflug hatte ich Verhandlungen abgeschlossen, kurz nach meiner Rückkehr setzte ich die Unterschrift über einen Vertrag mit der Arrowsmith Agency aus Hamburg.

    Frisch, unverbraucht und unkonventionell wirken die Literaturagentinnen von Arrowsmith auf mich, engagiert und professionell sowieso. Ich wähne mein Baby, den aktuellen Roman mit dem Arbeitstitel Pillen für die Monster, auf der Suche nach einem Verlag bei ihnen in guten Händen.

    Inzwischen bin ich zurück, die Arbeit geht weiter. Der letzte Schritt vor den nächsten Schritten: ein paar Feinkorrekturen.