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    Des Autors Blindenhunde

    Mittwoch, Oktober 17th, 2012

    Im Geschwindigkeitsrausch des Herbstes fällt es mir schwer, wieder zur Ruhe zu kommen. So viel ist bereits passiert, so viel wird noch passieren. Doch diese zweite Oktoberhälfte ist reserviert für die Stille. Ich sitze in meinem Wohnzimmer und versuche, nicht so häufig meinen Blick den goldenen Dingen da draußen zuzuwenden. Nur der Vordergrund zählt.

    Im Vordergrund liegt das Manuskript meines Romans. Tom beschäftigt mich wieder, ein letztes Mal, bevor ich auf die Jagd nach einem Verlag gehe. Ich habe aufgehört zu zählen, die wievielte Überarbeitung es insgesamt ist. Doch es ist die erste, die von außen motiviert ist. Die Testleser haben ihre Urteile gefällt. Jetzt gilt es ihnen gerecht zu werden.

    Das Phänomen ist ebenso faszinierend wie grausam: die Blindheit für die eigenen Fehler. Das mag in vielen Lebenslagen gelten, beim Schreiben eines großen zusammenhängenden Werkes macht es einen besonders hilflos. Stringenz, Glaubwürdigkeit, Ausarbeitung der Charaktere, Botschaft – all das sollte stimmen.  Und zwar in den Augen der Leser.

    Also besorgte ich mir zwei: einen Profi und einen vertrauenswürdigen Amateur. Nach dem vielversprechenden Seminar in Berlin buchte ich bei der Akademie für Autoren ein Einzelcoaching bei der freien Lektorin Bettina Traub. Ein weiteres Paket ging an meinen ehemaligen Teamleiter bei der Stuttgarter Zeitung, Jürgen Brand.

    Gehofft hatte ich auf Gnadenlosigkeit – und ich habe sie bekommen, verpackt in die Bestätigung, durchaus auf einem richtigen, auf einem guten Weg zu sein, nur eben nicht am Ende. Man sprach über schiefe Bilder, wackelnde Aussagen, ins Leere laufende Erklärungen und mangelnde Klarheit. Man sprach über das Große und das Kleine.

    Das Spannende daran war, zu erleben, wie sich die Urteile meiner Testleser teilweise gegenseitig negierten. Bei all den Widersprüchlichkeiten, die diese Branche kennzeichnen, verunsicherte mich das überhaupt nicht. Es ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass jeder Kunst und Kultur anders rezipiert, abhängig von seinen persönlichen Umständen.

    Ich habe meine Erkenntnisse aus ihren Hinweisen gezogen. Ich bin wieder bereit fürs Überarbeiten. Meine Blindenhunde haben mir das neuerliche Sehen gelehrt.

    Und so verabschiede ich mich für die nächsten Tage – und gehe tauchen.

    Coaching in Charlottenburg

    Montag, September 10th, 2012

    Der Flug in die Hauptstadt war mit sanften Turbulenzen verbunden. Erst fehlte der Kapitän aus nicht näher erklärten Gründen – einige spekulierten, er sei betrunken, andere nicht getrunken genug gewesen. Und als der Ersatzmann aus Köln im Cockpit saß und wir auf die Startbahn rollten, fiel ein Instrument aus. Verspätung gesamt: drei Stunden.

    Der Wochenendtrip hat sich trotzdem gelohnt. Nicht nur, weil ein Jahr wie dieses ohne Berlin-Aufenthalt unvollständig geblieben wäre, sondern wegen des Schnupperseminars der Akademie für Autoren, auf das ich durch einen Hinweis des Bundesverbands junger Autoren aufmerksam wurde.

    An einem Tag den kompletten Weg Von der Buchidee zum Verlagsvertrag zu marschieren ist natürlich illusorisch. Doch darum ging es mir nicht. Ich hatte ein Exposé, ich hatte eine Leseprobe und ich bekam – sie mögen mir die Bezeichnung verzeihen – zwei alte Verlagshasen, die mir ein verarbeitbares Feedback dazu gaben.

    Allein zu erfahren, wie man ein Exposé, mein Exposé, am klügsten aufbaut, war mir angesichts vieler widersprüchlicher Ratgeber die Investition von (absolut fairen) 70 Euro für ein Tagesgruppenseminar wert. Dazu gaben Maria Koettnitz und Dr. Harry Olechnowitz noch hilfreiche Einblicke ins Seelenleben von Lektoren und Verlagen.

    Wie nicht anders zu erwarten war, taten auch diese Wahrheiten zuweilen weh. Aber ohne Schmerz kann es keinen Fortschritt geben. Der Weg zum Verlagsvertrag ist lang und dahinter liegen weitere steinige. Aber ich kenne die Richtung.