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    Unter Perlen

    Mittwoch, August 6th, 2014

    In der HafenCity roch es nach Salz und Weite. Ich saß da und schloss die Augen, die Stadt hinter mir lassend. Nach einer halben Stunde kehrte ich zurück, ließ mich in der Speicherstadt nieder, blickte auf Backsteine und hatte – nicht zum ersten Mal – einen sirenenhaften Singsang in meinem Ohr: „Komm zu mir und bleibe“, flüsterte Hamburg.

    HafenCity

    „Wo findest du Inspiration?“, hatte mich in der Nacht zuvor M., gefragt, an der Theke des Nordlichts, wo wir ins Gespräch kamen. Wie ich in der Speicherstadt saß, musste ich wieder an die Frage denken – und an die Stunden danach, in denen mir M. seinen Kiez zeigte.

    Entnervt von aufgegeilten Touristen und Bauchladenträgern in Penis- oder Bunny-Kostümen hatte ich auf der Reeperbahn eine Kneipe gesucht, die Authentizität versprach. M. erzählte mir von Therapien- und Therapieabbrüchen, er berichtete von gescheiterten Lehren und vom Leben am Rande.

    „Du musst deinen nächsten Roman über das Leben auf der Straße schreiben“, sagte er, machte sich über meinen um den Hals gehängten Pulli lustig und setzte sich mit mir auf die Straße, zu Freunden und Kameraden. Und ich blickte hinauf in die Gesichter der Vorbeilaufenden, die beinahe auf meine Hände traten oder auf uns herabsahen.

    In den Tagen danach schlenderte ich durch Eimsbüttel, spazierte über den Fischmarkt, setzte mich ans Ufer der Elbe und las ein Buch an der Alster. Die Menschen, die ich traf, bekannte und unbekannte, fesselten mich, diese Klaviatur menschlichen Glücks und Unglücks ließ mich lebendig fühlen.

    Der ursprüngliche Grund meiner Reise passte ins Bild: Beim Besuch in meiner Agentur begegnete ich Literaturbegeisterten, die wissen, was sie wollen und wie sie es kriegen können, ohne das Gespür für Realitäten zu verlieren. Ich fühlte mich wohl bei Arrowsmith, ich fühlte mich aufgehoben.

    Das gute Gefühl bleibt. Auch in Stuttgart. Zurück in der geliebten Heimat.

    Sonnenbaden mit Geheimnis

    Samstag, Juli 12th, 2014

    Der Schweiß stand mir auf der Stirn, als ich um 19.48 Uhr die Stufen der U-Bahn-Station hinauf auf die Königstraße spurtete. Ich hatte mich mit meinem letzten Interviewpartner vor dem Urlaub verquatscht, brauchte aber dringend eine Sonnenbrille. Zwölf Minuten blieben. Ich rannte. Und der Straßenmusiker spielte Adriano Celentanos „Azzurro“.

    Gut 24 Stunden später saß ich in der Trattoria einer römischen Seitengasse und bestellte eine Penne all’arrabbiata zur Stärkung für die bevorstehende Autofahrt nach Osten, in die Abruzzen, in Richtung Meer. Und als alle Anspannung der vorangegangenen Wochen von mir abfiel, schlüpfte ein anderer Ohrwurm in meinen Gehörgang.

    KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

    Weil ich mal wieder etwas Geld hatte verdienen müssen, waren der Mai und der Juni anstrengende Monate gewesen. Denn Geld verdienen artet überraschenderweise meistens in Arbeit und Zeit aus, die dann mit der restlichen Arbeit und Zeit in den Ring steigt, jene mich ständig begleitende (noch) unbezahlte.

    Kurzum: Ich war reif für eine Pause. Ich musste zurück nach Italien, ich musste an den Strand, wo Störfaktoren höchstens in Form etwas zu lebendig quakender Einheimischer existieren, oder in der Sorge, nicht zu wissen, wie man die Massen an Mahlzeiten je wieder wird abtrainieren können.

    Die süßen Tage des Müßiggangs zu genießen fiel mir leicht, denn ich nahm ein Geheimnis mit an die Adria. Kurz vor dem Abflug hatte ich Verhandlungen abgeschlossen, kurz nach meiner Rückkehr setzte ich die Unterschrift über einen Vertrag mit der Arrowsmith Agency aus Hamburg.

    Frisch, unverbraucht und unkonventionell wirken die Literaturagentinnen von Arrowsmith auf mich, engagiert und professionell sowieso. Ich wähne mein Baby, den aktuellen Roman mit dem Arbeitstitel Pillen für die Monster, auf der Suche nach einem Verlag bei ihnen in guten Händen.

    Inzwischen bin ich zurück, die Arbeit geht weiter. Der letzte Schritt vor den nächsten Schritten: ein paar Feinkorrekturen.