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    In der Ruhe Brandenburgs

    Freitag, Mai 25th, 2018

    Die Möwe 1, ein schwimmendes Ferienhaus auf dem Gräbendorfer See in Brandenburg

    „Ich weiß nicht, weswegen ich aufgeregter bin: wegen der Hochzeit oder weil du meine Heimat kennenlernst“, schrieb S. Da waren es noch wenige Tage bis zur kirchlichen Trauung ihrer Schwester in der Niederlausitz, der Braut und Trauzeugin kurz nach dem Abitur den Rücken gekehrt hatten. Aber Heimat bleibt Heimat, egal wie weit man sich von ihr entfernt.

    Das Fest konnte also nur dort sein. Mit mir, dem Städter, der sich jüngst mit einem schockierenden Bekenntnis botanischen Nichtwissens disqualifiziert hatte – so schockierend, dass es an dieser Stelle unspezifiziert bleiben soll. Und nun war ich auf dem Sprung ins Niemandsland, ein Teil Brandenburgs, so jwd, dass sich selbst mobile Daten kaum hintrauen.

    Was, wenn ich das ganz schrecklich finden würde?

    (mehr …)

    Der Mikrokosmos der anderen

    Samstag, Februar 14th, 2015

    Der ICE quetschte sich gemächlich an bemalten Häuserwänden vorbei, einmal quer durch die City, im touristenfreundlichen Tempo. Vom Ostbahnhof aus zog ich meinen Rollkoffer etwa 500 Meter zum Hotel und direkt weiter zur ver.di-Bundesverwaltung, am nächsten Tag ging es den gleichen Weg zurück.

    Für zwei Tage Schriftstellerkongress in Berlin saßen Christine Lehmann und ich am vergangenen Wochenende mehr als zwölf Stunden im Zug. Von der Hauptstadt hatten wir am Ende kaum etwas gesehen – abgesehen von der Spree am Paula-Thiede-Ufer und dem Fernsehturm aus der Ferne.

    Paula

    Trotzdem: Für mich hat es sich gelohnt. Nicht, weil der Kongress besonders eindrucksvoll gewesen wäre – ich habe dazu einen Beitrag für den Landesverband des VS verfasst. Auch nicht, weil ich auf der Zugfahrt zurück den Schreibfluss fand, von dem ich noch immer zehre. Sondern wegen der Begegnungen.

    Ich hatte mich nicht um die Aufgabe als Delegierter gerissen, aber ich hatte sie als Gelegenheit zum Austausch, zu neugierigen Fragen, zu Beobachtungen gesehen. Der schriftstellerische Einzelgänger muss hin und wieder raus, die Welt sehen. Und wenn es nur in den Mikrokosmos der anderen Einzelgänger geht.

    Am Dienstag, zwei Tage nach der Rückkehr also, setzte ich, der Journalist, mich im Schatten des Stuttgarter Tagblattturms mit den Autorenkollegen Susanne Glanzner und Björn Springorum zusammen. Ich hatte den Auftrag, sie zu ihrem gemeinsamen Romanprojekt zu befragen, das am 9. März erscheint.

    Wir sprachen über Herangehensweisen und Strukturen, über Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schreiben und dem des Co-Autoren, über die Eigenheiten des Literaturbetriebs und über die Zeit, die Zeit fürs und beim Schreiben. Hinterher war ich nicht nur gut gelaunt, ich war angefixt.

    Ich spürte den Drang, der etwas Wundervolles ist. Eilte nach Hause. Setzte mich an den Schreibtisch. Und die Worte flossen.

     

    Die Authentizität des Sitcomstars

    Mittwoch, Oktober 8th, 2014

    Es war der 15. Juni 2005 und der Sommer hielt Einzug in Stuttgart. A. und ich hielten derweil Einzug ins Kino, einen Film anschauen, der „wie geschaffen zum Küssen“ war. So habe ich es damals im Tagebuch notiert – ohne vergessen zu erwähnen, dass ich A. an diesem Abend (noch) nicht geküsst habe. Der Film, den wir uns anschauten, war Garden State.

    Die Geschichte eines erfolglosen Schauspielers, der nach dem Selbstmord seiner Mutter in die verhasste Heimatkleinstadt in New Jersey zurückkehrt und sich in eine notorisch lügende Epileptikerin verliebt, wurde auf Anhieb einer meiner Lieblingsfilme. Er ist es bis heute geblieben.

    Für den aus der Sitcom Scrubs bekannten Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Zach Braff bedeutete sein Erstling der Durchbruch. Allein: auf einen Nachfolger mussten seine Fans lange warten, in Deutschland bis morgen. Dann startet Wish I Was Here in den hiesigen Kinos.

    WIWH

    Quelle: Trainer (Screenshot)

    Zach Braff musste sich für seinen Neuen eine Menge Kritik anhören. Manche ist nicht unberechtigt, denn der Film ist längst nicht so gut wie sein Vorgänger. Anfangs noch herrlich komisch, gewürzt mit vielen sympathischen Ideen, entwickelt er sich nach und nach zu einem altklugen Wiederaufbereiten tausendfach gestellter existenzieller Fragen.

    Ein großer Teil der Kritik richtete sich aber auf die Entstehung des Films – und da werden die Giftpfeilwerfer unfair. Braff finanzierte Wish I Was Here via Crowdfunding, rief seine Fans bei Kickstarter auf, ihn zu unterstützen, weil er nur so die Chance sah, einen persönlichen Film ohne störenden Einfluss von besserwisserischen Hollywood-Produzenten zu drehen.

    Beim Screening in Berlin plauderte Zach Braff über Kontrolle und Kontrollverluste, wie die Vorstellung dieser Geldgeber die originären Ideen des Filmschaffenden entfremden können. Er plauderte auch über seinen Wunsch zu berühren, Geschichten zu erzählen, die sein Selbst widerspiegeln – und die Fans gefallen sollen, nicht Kritikern.

    Braff wirkte dabei so wundervoll authentisch, dass man gar nicht anders konnte, als ihm das abzunehmen, was er erzählte. Es tut gut, als Konsument den Kreativen zu Gesicht zu bekommen, seine Intention zu hören, sein investiertes Herzblut zu spüren. Zu häufig tendieren wir dazu zu vergessen, wie viel Arbeit hinter einem Werk steckt.

    Und dann ist da noch die erneute persönliche Lehre: Wer etwas zu erzählen hat – und ja, das hat Zach Braff trotz allem – der wird seinen Weg finden. Solange er nicht aufgibt.

    Offizielle Seite (englisch)

    Coaching in Charlottenburg

    Montag, September 10th, 2012

    Der Flug in die Hauptstadt war mit sanften Turbulenzen verbunden. Erst fehlte der Kapitän aus nicht näher erklärten Gründen – einige spekulierten, er sei betrunken, andere nicht getrunken genug gewesen. Und als der Ersatzmann aus Köln im Cockpit saß und wir auf die Startbahn rollten, fiel ein Instrument aus. Verspätung gesamt: drei Stunden.

    Der Wochenendtrip hat sich trotzdem gelohnt. Nicht nur, weil ein Jahr wie dieses ohne Berlin-Aufenthalt unvollständig geblieben wäre, sondern wegen des Schnupperseminars der Akademie für Autoren, auf das ich durch einen Hinweis des Bundesverbands junger Autoren aufmerksam wurde.

    An einem Tag den kompletten Weg Von der Buchidee zum Verlagsvertrag zu marschieren ist natürlich illusorisch. Doch darum ging es mir nicht. Ich hatte ein Exposé, ich hatte eine Leseprobe und ich bekam – sie mögen mir die Bezeichnung verzeihen – zwei alte Verlagshasen, die mir ein verarbeitbares Feedback dazu gaben.

    Allein zu erfahren, wie man ein Exposé, mein Exposé, am klügsten aufbaut, war mir angesichts vieler widersprüchlicher Ratgeber die Investition von (absolut fairen) 70 Euro für ein Tagesgruppenseminar wert. Dazu gaben Maria Koettnitz und Dr. Harry Olechnowitz noch hilfreiche Einblicke ins Seelenleben von Lektoren und Verlagen.

    Wie nicht anders zu erwarten war, taten auch diese Wahrheiten zuweilen weh. Aber ohne Schmerz kann es keinen Fortschritt geben. Der Weg zum Verlagsvertrag ist lang und dahinter liegen weitere steinige. Aber ich kenne die Richtung.