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  • Posts Tagged ‘Brüggen’

    Die Kirche hinter Wald und Nebel

    Donnerstag, November 22nd, 2012

    Das Navi lotste uns durch die Dunkelheit. Aber war der Stimme wirklich zu vertrauen? „Glaubst du, wir sind richtig?“, fragte T. und ließ keinen Zweifel daran, dass er Zweifel hatte. Am flutlichterleuchteten Fußballplatz mit den wieselnden Junioren vorbei ging es durch den Wald, dann mal rechts, mal links – und plötzlich waren wir da: vor der katholischen Kirche Born.

    Die Besucher des 4. Brüggener Literaturherbstes wärmten sich an Bechern voll dampfendem Tee und drängten sich in den Kirchenbänken. Die ersten Klänge der Harfenistin ließen sie aufhorchen – dann trat die Organisatorin und Herausgeberin der Anthologie „Der Lärm verstummt, bis Stille in dir ist“, Ellen Roemer, ans Mikro.

    Sieben Gedichte, Gebete und Geschichten folgten, und eine stammte von mir: Klaus und das Meer, entstanden während meiner Zeit in Palermo. Viereinhalb Stunden waren T. und ich gefahren, um den Text zu präsentieren. Viereinhalb Stunden durch den Nebel und den Regen. Doch ich wollte das. Ich wollte meine erste Veröffentlichung von einer Bühne rufen.

    Und wie ich da stand und las, da fühlte ich mich wohl. Da war keine Spur von Aufregung. Ich schaute in die Gesichter konzentrierter Lauscher und lächelte in mich hinein. Das Lob des Deutschlehrers, seine Freude über die „lebendigen Verben“ freute mich. Es war eine lange Reise für kurze Augenblicke, aber es hat sich gelohnt.

    Nur eines betrübte mich – später, als T. und ich auf der Suche nach einer Mahlzeit durch die märchenhafte Fußgängerzone Brüggens schlenderten: die Dunkelheit. Ich hätte gerne mehr gesehen von der „gastlichen Gemeinde im Naturpark Schwalm-Nette„. Aber vielleicht komm‘ ich mal wieder.

    Klaus und der Niederrhein

    Donnerstag, Oktober 25th, 2012

    Mitten im Naturpark Schwalm-Nette, rund 50 Kilometer westlich von Düsseldorf, nahe der niederländischen Grenze, liegt die Gemeinde Brüggen am Niederrhein, wo morgen, am 26. Oktober, der 4. Brüggener Literaturherbst beginnt. Vermutlich wäre das an mir vorbei gegangen, gebe es nicht eine glückliche Verbindung: jene meiner ersten Veröffentlichung.

    Es war im Mai und ich auf Sizilien, als ich die Ausschreibung bemerkte: „Der Lärm verstummt, bis Stille in dir ist“ – ein Thema wie gemalt für mich – zumal ich erst Tage zuvor Cefalù besucht hatte, just auf der Suche nach ein wenig Ruhe. Also verkroch ich mich in mein palermitanisches Hinterhofzimmer und schrieb über Klaus und das Meer.

    Der Mann auf dem Foto ist nicht Klaus. Er ist nur ein Unbekannter. Aber Cefalù hatte mich inspiriert, also fand es Eingang in die Kurzgeschichte. Und diese Geschichte ist nun erschienen, in der Anthologie zum Literaturherbst des Geest-Verlags, zusammen mit einer Menge weiterer spannender und vielschichtiger Beiträge des Lärms und der Stille.

    Das – man kann es sich vorstellen – freut mich riesig. Und gerne wäre ich bei der Buchvorstellung dabei gewesen, doch Tom, mein Roman-Manuskript, hält mich gefangen. Der Literaturherbst aber läuft noch bis zum 24. November. Und so schmiede ich Pläne, habe den 21. November anvisiert. Dann gibt es eine weitere Lesung mit Texten aus der Anthologie.

    Wenn alles gut läuft, bin ich dabei. Wenn alles gut läuft, kommen Klaus und das Meer an den Niederrhein.

    Bei Wind und Stille an der Donau

    Donnerstag, September 27th, 2012

    Die Fahrt mit der zuckelnden Überlandstraßenbahn dauerte eine gefühlte Stunde. Aber man hatte mir empfohlen, Szentendre zu besuchen. Also ließ ich Budapest hinter mir, war gespannt und glaubte hinterher, der Mann hinter der Empfehlung müsse da was verwechselt haben. Oder ich.

    Es ist nicht so, als hätte Szentendre gar keinen Charme. Ich fühlte mich nur an die Tourismus-Hauptverkehrsgässchen von Cefalù und Taormina erinnert – und an meine Flucht vor ihnen. Ich setzte mich über der Donau auf eine Bank und ließ den Wind meine Haare zersausen.

    Und da musste ich – nicht ohne Grund – wieder an die Ausschreibung mit dem Lärm denken, der verstummt, um Stille freizusetzen. Und an die Kurzgeschichte, die ich dafür schrieb.

    Ich bin bisher zweimal in Budapest gewesen, 1992 und 1999. Meine Erinnerungen waren vage. Nun ist der Speicher wieder voll: Ich tapste durchs Burgviertel, saß auf der Margareteninsel unter einem Kastanienbaum, plantschte in den Szechenyi-Thermen und lauschte im Szimpla Bunkermusik.

    Seitdem spricht nichts mehr gegen die geplante Rückkehr im nächsten Jahr. Als ich vorgestern Nacht mit einer Packung stilechter Paprikachips durch die Straßen lief, machte mich die Jugendlichkeit des Hauptstadtlebens gleichzeitig sehnsüchtig und neidisch.

    Für mich war dieser Trip der Auftakt für Wochen, in denen sich entscheidet, wie viele Früchte die Arbeit meines Jahres tragen wird. Stille ist praktisch ausgeschlossen – ich tanze demnächst nicht nur auf literarischen Hochzeiten.

    Aber was den Lärm sonst so angeht. Ausnahmsweise darf’s ein bisschen mehr sein.

    . . . und Stille sei mit dir

    Montag, Mai 28th, 2012

    Italiener – zumindest jene, die ich bislang kennengelernt habe – neigen nicht zum Schweigen. Sie reden viel und sie reden schnell. Kombiniert man das mit einer Stadt, in deren Straßen sich gerne einmal doppelt so viele Autos nebeneinander quetschen als vorgesehen, ist klar: zum Kurheilort taugt Palermo nicht.

    Auf der Suche nach Inspiration für einen Kurzgeschichten-Wettbewerb zum 4. Brüggener Literaturherbst bin ich jüngst nach Cefalù aufgebrochen. „Ausgerechnet Cefalù?“, mögen nun Sizilienkenner fragen. Das charmante Küstenstädtchen rund 70 Kilometer östlich von Palermo ist unter Touristen längst kein Geheimtipp mehr.Postkarten finden sich dort leicht. Aber auch die Ruhe, um eine Geschichte zu entwickeln?

    Doch mein Ziel war nicht der Strand oder die Gassen des alten Kerns, ich strebte den Felsen entgegen. Auf standfesten Sohlen ging es in den Parco della Rocca, zu den Trümmern der Festung und ihren alten Mauern. Der Aufstieg ist steinig und steil, aber die Mühen lohnen sich, allein wegen der Aussicht.

    Das Thema des Wettbewerbs lautete übrigens Der Lärm verstummt … bis Stille ist in dir. Und ich packe nun meine Tasche. Morgen beginnt eine neue Tour: Taormina, Siracusa, Catania und Agrigento. Ich rechne mit viel Lärm und viel Stille.