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    Gehör finden mit Vernunft und Zorn

    Dienstag, November 28th, 2017

    Der neue Vorstand des VS Baden-Württemberg

    Ich bin in den neuen Vorstand des VS Baden-Württemberg (Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller) gewählt worden. Eine solche Aufgabe hatte ich eigentlich nicht vor 2021 für mich vorgesehen. Jetzt habe ich sie doch früher übernommen. Weil mich das Team überzeugt hat.

    Und weil ich Ziele habe. Dass sich der Schriftstellerverband hierzuländle wieder mehr einmischt, wieder häufiger die Stimme erhebt. Mein Tatendrang soll mich tragen.

    Drei Jahre ist es her, da habe ich erstmals eine VS-Aufgabe übernommen, damals als Delegierter für den Bundeskongress in Berlin. Im Zug saß die VS-Landesvorsitzende Christine Lehmann neben mir – und bearbeitete mich sanft. Sie würde mich gerne für den Vorstand gewinnen, meinte sie. Ich versprach, darüber nachzudenken.

    Eine Doppelspitze für den Verband

    Nun endete Christine Lehmanns erste Amtsperiode. Sie ist wiedergewählt worden und bildet gemeinsam mit Martin von Arndt eine neu etablierte Doppelspitze. Beide stehen nicht im Verdacht, reine Unterhaltungsliteratur zu produzieren und sich aus öffentlichen Debatten herauszuhalten. Mir gefällt das.

    Autoren wollen Gehör finden. Ich bin überzeugt, dass man dabei auch etwas Substanzielles zu sagen haben sollte. Dass man eine Stimme braucht. Keine belehrende, aber eine aufrechte. Autoren sollten Standpunkte haben, sollten Wunden identifizieren und ihren Finger hineinlegen.

    Der VS, als Vertretung der Schriftsteller, sollte auch zu hören sein. Denn zu debattieren gibt es viel.

    Den passenden Ton treffen

    Gehör zu finden ist in Zeiten der totalen Reizüberflutung und der penetranten Schreihälse allerorts eine Herausforderung, für Autoren genauso wie für ihren Verband. Das heißt aber nicht, dass man schweigen sollte.

    Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist mein Steckenpferd, sie ist Teil meines Brotjobs geworden und Teil meines Ehrenamts, für das Nordic Paraski Team Deutschland und die Künstlervereinigung fundus artifex.

    Als Schriftsteller liegt mir die Stimme der Vernunft näher als die Stimme des Zorns. Aber manchmal muss man auch sachlich fundiert zornig sein.

    In diesem Sinne: Man liest sich.

    Im Bild oben: Der neue Vorstand des VS Baden-Württemberg, von links: Iris Caren von Württemberg, Martin von Arndt, Nicolai Köppel, Christine Lehmann, Eva Ehrenfeld, Marc Bensch. Claudia Gabler war wegen Krankheit entschuldigt. Foto: Siegfried Heim, verdi

    Der Mikrokosmos der anderen

    Samstag, Februar 14th, 2015

    Der ICE quetschte sich gemächlich an bemalten Häuserwänden vorbei, einmal quer durch die City, im touristenfreundlichen Tempo. Vom Ostbahnhof aus zog ich meinen Rollkoffer etwa 500 Meter zum Hotel und direkt weiter zur ver.di-Bundesverwaltung, am nächsten Tag ging es den gleichen Weg zurück.

    Für zwei Tage Schriftstellerkongress in Berlin saßen Christine Lehmann und ich am vergangenen Wochenende mehr als zwölf Stunden im Zug. Von der Hauptstadt hatten wir am Ende kaum etwas gesehen – abgesehen von der Spree am Paula-Thiede-Ufer und dem Fernsehturm aus der Ferne.

    Paula

    Trotzdem: Für mich hat es sich gelohnt. Nicht, weil der Kongress besonders eindrucksvoll gewesen wäre – ich habe dazu einen Beitrag für den Landesverband des VS verfasst. Auch nicht, weil ich auf der Zugfahrt zurück den Schreibfluss fand, von dem ich noch immer zehre. Sondern wegen der Begegnungen.

    Ich hatte mich nicht um die Aufgabe als Delegierter gerissen, aber ich hatte sie als Gelegenheit zum Austausch, zu neugierigen Fragen, zu Beobachtungen gesehen. Der schriftstellerische Einzelgänger muss hin und wieder raus, die Welt sehen. Und wenn es nur in den Mikrokosmos der anderen Einzelgänger geht.

    Am Dienstag, zwei Tage nach der Rückkehr also, setzte ich, der Journalist, mich im Schatten des Stuttgarter Tagblattturms mit den Autorenkollegen Susanne Glanzner und Björn Springorum zusammen. Ich hatte den Auftrag, sie zu ihrem gemeinsamen Romanprojekt zu befragen, das am 9. März erscheint.

    Wir sprachen über Herangehensweisen und Strukturen, über Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schreiben und dem des Co-Autoren, über die Eigenheiten des Literaturbetriebs und über die Zeit, die Zeit fürs und beim Schreiben. Hinterher war ich nicht nur gut gelaunt, ich war angefixt.

    Ich spürte den Drang, der etwas Wundervolles ist. Eilte nach Hause. Setzte mich an den Schreibtisch. Und die Worte flossen.