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    Hinweggefegt um zwei Uhr nachts

    Samstag, August 11th, 2012

    Einen Beitrag liest du noch, dachte ich mir gestern Nacht, gegen 2 Uhr. Scrollte mich durch die Liste, wählte eine Datei aus, klickte das Dokument wieder weg, weil es mir zu lang war, nahm ein anderes, las – und wurde in den darauffolgenden 40 Minuten hinweggefegt von einer Geschichte und ihrer Poesie, ihrer Wortgewalt, ihrer Kraft.

    Im vergangenen Oktober habe ich den Wettbewerb You want to read in Frankfurt des Netzwerks Junge Verlagsmenschen für unveröffentlichte Autoren gewonnen, in diesem Jahr sitze ich in der Jury. Bislang konnte mich das Gelesene kaum überzeugen, die gestrige Erfahrung war ein Keulenschlag.

    Man sagt, Schriftsteller gönnen ihren Kollegen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Neid ist naturgemäß weit verbreitet in einer Szene, in der das Gros der Schwimmer permanent gegen das Untergehen strampelt, in der man gerne mal zweifelt, ob Misserfolg und Erfolg nicht eher eine Frage der Willkür denn der Qualität sind.

    Ich habe schon einmal erwähnt, dass Selbstzweifel mein ständiger Begleiter sind. Daran hat sich nichts geändert, daran wird sich nie was ändern. Die Lektüre gestern hat die Selbstzweifel angefeuert. Im Angesicht dieser leuchtenden Geschichte fühlte ich mich völlig in den Schatten verdrängt.

    Doch während ich weiter an eigenen Projekten feile, mit dem Ufer am Horizont, wünsche ich dem Autor oder der Autorin alles Gute – unabhängig von Ausgang des Wettbewerbs. Noch sind viele Beiträge ungelesen und es ist gut möglich, dass ich erneut hinweggefegt werde, vielleicht noch gewaltiger. Oder dass andere Jurymitglieder mein Urteil nicht teilen.

    Aber ich möchte diese Geschichte irgendwann ganz lesen – und ich möchte, dass sie andere lesen. Leider sind die Wege des Publizierens und des Wahrgenommenwerdens zuweilen etwas – ja sollte man jetzt unergründlich sagen? Oder doch eher willkürlich?

    Aliens und Poesie

    Dienstag, September 13th, 2011

    Die Müdigkeit, die jetzt, Dienstagabend, 21.02 Uhr, gähnend langsam durch mich durchkriecht, hat zwei Ursachen: die eine heißt Novak Djokovic und hat mich mit seinem „außerirdischen Tennis“ gestern im Endspiel der US-Open gegen Rafael Nadal vom Schlafen abgehalten, der andere Fremdschämen und ist der (Arbeits-)Titel eines Gedichts, das ich vielleicht – bei einem Finaleinzug – am Freitag beim Poetry-Slam im Club Bastion in Kirchheim/Teck performen werde.

    Lange habe ich mich vor dem Schreiben gedrückt, besser: vor dem Dichten. Hatte lieber an dem Drehbuch-Treatment gefeilt. Gestern dichtete ich die erste Hälfte, vielleicht auch nur das erste Drittel – mit etwas Hilfe von Franz Schubert. Nun drücke ich mich schon wieder. Der Druck, er ist wohl einfach noch nicht groß genug. Das Treatment, indes, ist auch noch nicht fertig geworden ist. Ich werde darauf zurückkommen.

    Und danach werde ich anderswo hinkommen. Ins alte Würzburg am zweiten Oktoberwochenende, zur Geburtstagsparty von S. Ins wuselige Frankfurt am dritten Oktoberwochenende, zur Buchmesse und dem Hauptseminar des Bundesverbands junger Autoren und Autorinnen. Schließlich ins gestylte Zürich und ins relaxte Bad Ragaz am dritten Oktoberwochenende, zum lange angestrebten Thermalbadbad.

    Die Müdigkeit wird weiter kriechen in den Wochen, die da vor mir liegen. Doch hat sie auch ihr Gutes: Sie erinnert einen an das Lebhafte der jüngsten Vergangenheit.

    Im Bett mit Roger Willemsen

    Donnerstag, August 25th, 2011

    Es war schwül in der Nacht, in der ich neben meinem Bett ein kleines Blatt Papier und einen Stift fand. Fast nackt lag ich da und der Schweiß klebte an meinem Körper. Doch plötzlich war ich glücklich. Allein aus dem Grund, weil da ein Zettel – mehr war es wirklich nicht – und ein Kugelschreiber lagen. Denn es rasten Gedanken durch meinen Kopf. Sie wollten hinaus, wollten niedergeschrieben werden. Also legte ich Roger Willemsen beiseite. Ich konnte mich sowieso nicht auf ihn konzentrieren. . .

    Es gibt gute Freunde, die behaupten, es täte mir gut, in manchen Situationen (im Bett zum Beispiel) den Kopf auszuschalten. Ich denke dann immer daran, wie schön es wäre, auf Knopfdruck an nichts denken zu können, das Leben einfach geschehen zu lassen. Aber diesen Knopf gibt es nicht und ich habe mich damit abgefunden, von wahllosen Ideen gejagt und von der Stille der Nacht verhöhnt zu werden, weil ich ihr nicht entrinnen kann.

    Zurzeit aber hadere ich mit meiner Gabe, meinem Klotz. Weil ich mich dabei ertappe, wie meine Augen über die Seiten eines Buches huschen, ohne dass die Botschaften ankommen. Weil ich anderswo bin: in Palermo, viel zu häufig im (Journalisten-)Dienst – oder in Frankfurt. Dort, auf der Buchmesse, traf ich 2004 Roger Willemsen zum Interview. Ich werde es nie vergessen, weil es einer der aufregendsten Momente des Jahres und meiner noch sehr jungen Stuttgarter-Zeitungs-Karriere war.

    Willemsen hatte sich 2001 vorübergehend vom Fernsehen gelöst, um sich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Seine gute Laune imponierte mir, sah ich in ihm doch „den Mann mit den hängenden Mundwinkeln“. Seine kühle Analyse einer Welt, die ich mit einer damals noch naiven, heute etwas gefestigteren Skepsis betrachtete, gefiel mir gleichermaßen. Reinhard Mohr hatte ihn einige Jahre zuvor im Spiegel „einen beflissenen Snob“ genannt, der die „geschwätzige Selbstbespiegelung“ pflegt. Ich gewann einen anderen Eindruck.

    Und so kommt es, dass ich mich in diesen Tagen über mein ständiges Abschweifen ärgere, wenn ich im Bett liege und mich eigentlich auf Willemsens 2008 erschienenes Buch Der Knacks konzentrieren möchte. Ich, der zum Ende des Jahres einen Bruch plant. Papier und Stift aber werden jetzt immer neben meinem Bett liegen. Und der nächste Zettel wird ein größerer sein.