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    Im Strudel der Weltbürger

    Freitag, September 30th, 2016

    Lissabon

    R. aus Toronto fiel mir praktisch in den Schoß. Vielleicht war er der Ansicht, ich hätte mich auf dem Sofa im Livin‘ Lisbon Hostel etwas zu breit gemacht. So kam es, dass R. die erste Person in Lissabon wurde, dem ich von meinem neuen Roman erzählte. Und der Kanadier, der seinen gut bezahlten Bankjob geschmissen hatte, um die Welt zu bereisen, hörte zu.

    „Es ist dieses euphorische Aufeinandertreffen der Fernsüchtigen aus aller Welt, die Tage und Nächte in einem Hostel so liebenswürdig machen“, schrieb ich vor viereinhalb Jahren nach meiner Ankunft in Palermo. Seit drei Tagen sitze ich wieder in einem, auf der (nervenzehrenden) Suche nach einem Zimmer in der von Erasmus-Studenten belagerten Stadt.

    Das Personal setzt sich unter anderem aus Australierinnen, Neuseeländerinnen, Niederländern, Briten und Amerikanern zusammen, die Gäste kommen aus Rumänien, Russland, Italien, Malaysia, Deutschland oder Nigeria. Morgens gibt es Pancakes, abends Sangria, bevor die Feierwütigen, die noch genug Energie vom Tag haben, ins Bairro Alto aufbrechen.

    Dort haben sie bei Shots und Bier (sehr viele Shots, sehr günstiges Bier) die Chance, ihre Sicht auf die Welt zu debattieren – und sie ähnelt sich sehr häufig. Es spielt keine große Rolle, dass diese Zufallsbekanntschaften selten von Dauer sind, dass Menschen kommen und gehen. Was zählt, ist der Moment, in dem man ein Gefühl von Freiheit teilt.

    Es liegt in unseren eigenen Händen dafür zu sorgen, dass das, was wir tun, weitmöglichst mit dem übereinstimmt, was wir tun wollen.