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    Das andere Leben

    Freitag, Juli 6th, 2012

    Es mag banal erscheinen, aber als vor einer Woche mein Koffer und meine Tasche im heimischen Wohnzimmer zu Boden sanken und mein Blick durch die Gläser der Fensterfront fiel, als Grün die bestimmende Farbe war, da fiel mir erst auf, wie wenig Bäume es im subtropischen Palermo gibt. Die sizilianische Welt ist in andere Töne gehüllt.

    Trotz des hartnäckigen Stuttgarter Regens in diesen Tagen vermisse ich die Palmen nicht. Meine Mission auf der Insel ist erfüllt. Nicht nur, weil ich die erste Fassung meines Romans und mehrere Kurzgeschichten geschrieben, sondern weil ich dieses Herauskommen erfahren habe, dieses Hineinleben in eine andere Welt – abseits des deutschen Weges.

    Es lässt sich darüber streiten, inwieweit sich Menschen verändern, ob nun radikal oder schleppend, dauerhaft oder vorübergehend. Die Bedeutung der Frage ist für mich gering, weil nur das Jetzt zählt. Erst durch das Zurückkommen weiß ich endgültig, wie gut es getan hat, weg zu sein.

    Diesen Schwung trage ich bei mir, während ich mich wieder an die Heimat gewöhne – und schöpfe aus ihm die unbändige Lust, mich einer aktuellen Ausschreibung zu widmen: das Thema des 17. Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbs lautet „frei sein“. Es ist ein Aufruf zum Austoben.

    Nächte ohne Morgen

    Donnerstag, Dezember 1st, 2011

    Die Fragen mehren sich. „Haben Sie schon gepackt?“, wollen die einen wissen. Ob ich schon eine Wohnung in Palermo habe die anderen. Wann es denn nun los gehe. Wie ich mir alles vorstelle. Auf den Tag drei Monate bevor ich in ein Flugzeug nach Sizilien steige  – mit einem Gepäck, das die Obergrenze für das Gewicht ausreizen wird – antworte ich den Neugierigen mit einem Lächeln, einem Augenzwinkern, einem Hochziehen der Brauen. Oder, ganz häufig: mit einem Nein.

    Einem Nein, weil ich nicht weiß, wie es sein wird. Weil ich nicht weiß, was sein wird. Oder wo oder wann. Ich weiß nur, dass ich mich auf das Ungewisse freue. Ich freue mich darauf, um 23 Uhr nach Hause zu kommen und nicht ans Morgen zu denken. Anfangen zu schreiben und erst aufzuhören, wenn der Fluss in mir ausgetrocknet ist.

    In diesen Herbsttagen, in denen ich Anlauf nehme für den Schlussspurt bei der Zeitung, beobachte ich den Alltag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen. Ich muss ein wenig aufpassen, damit nicht anzuecken. Bei der Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit werde ich immer ersteres ankreuzen.

    Und irgendwann im Januar werde ich morgens aufstehen und nicht in die Redaktion fahren, sondern an den Mailänder Platz, zum Rendezvous mit der Inspiration. Und um mit dem Ort der Lesung am 13. Februar warm zu werden.

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    Die Magie des Tapetenwechsels

    Samstag, Oktober 8th, 2011

    „Du bist nüchterner als ich“, sagte S. zu mir und blickte in den Raum. „Wie nimmst Du die Stimmung wahr?“ Also blickte auch ich in den Raum im obersten Stock des Internationalen Hauses in Würzburg, sah die Partygäste lachen, reden, trinken, sah vor allem im Hintergrund die hell erleuchtete Festung. „Gelöst“, sagte ich zu ihr. Und später, auf der Dachterasse, als wir zitternd in der Herbstkälte auf einem Sofa saßen und in der Dunkelheit neben uns L. auf der Gitarre Nothing else matters spielte und mit einstigen Bandkollegen sang, war ich es auch.

    Am Abend davor habe ich in Stuttgart A. dabei zugehört, wie sie von ihrer Heimatverbundenheit sprach und vom gleichzeitigen Wunsch, innerhalb der nächsten Jahre noch einmal woanders zu leben. Ich habe in diesem Moment nicht viel zum Gespräch beigetragen, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich gelächelt habe. Als ich noch studierte, erlebte ich immer wieder, welch befreiendes Gefühl es war, eine Stadt hinter sich zu lassen und in die andere zu fahren. Die Magie des Tapetenwechsels schafft Raum für neue Perspektiven, verdrängt Verantwortlichkeiten und Baustellen, was man im Falle Stuttgarts ja durchaus wortwörtlich verstehen darf.

    Gestern bin ich nach Würzburg zurückgekehrt – wenn auch nur für eine Nacht und einen Vormittag. Bin durch die vertrauten Straßen gelaufen und habe mich erinnert. Habe gemerkt, dass wo immer man war, ein Stück von seinem Selbst blieb. Darauf wartend, dass man zurückkommt und es aufliest. Die innere und die äußere Freiheit einen Tapetenwechsel zu vollziehen, wenn mir danach ist, werde ich auf absehbare Zeit nicht aufgeben wollen. Sie ist eines der höchsten Güter, die ich besitze.