• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Posts Tagged ‘Graz’

    Die Botschaft des Berges

    Sonntag, Juni 2nd, 2013

    Natürlich versteckte sich irgendwo in meinem Rucksack ein Stadtplan, aber er sollte nur im Notfall zum Einsatz kommen. Wer ziellos dahinschreitet, erlebt größere und schönere Überraschungen. Anderswo ist das mein Leitsatz. Und als ich dann zum Abendessen auf der Halbinsel Ortigia von Siracusa aufbrach, lief ich direkt in den Sonnenuntergang.

    Das ist auf den Tag genau ein Jahr her. Heute endet mit dem Rückflug von Graz nach Stuttgart Teil eins meiner Europatour 2013. Ziemlich verregnet war der Trip, nicht ganz so wie die Woche in Deutschland, aber doch recht nass. Fürs Schreiben war es förderlich. Und es gab sie trotzdem, die Sonnentage, die mich in die Altstadt lockten.

    Graz

    Mein erster zielloser Gang führte mich an die Mur, mein zweiter auf den Schlossberg. Wasser und Berg, das sind die Orte, die mich anziehen, egal wo ich bin, egal wo ich hinfahre. Über Brücken zu gehen und die Strömung zu beobachten, auf Aussichtsplattformen zu klettern und das Gesamtgefüge zu bewundern – das sind meine Ziele.

    Natürlich hätte es die Möglichkeit gegeben, mit dem Aufzug auf den Schlossberg zu fahren. Aber wie hätte ich das tun können? Nein, bei solchen Ausflügen muss man das vom Schweiß klatschnasse T-Shirt am Rücken kleben spüren, man muss laufen, bis man den Ort gefunden hat, an dem man Rast machen und das Notizbuch herausholen will.

    Unweit des Uhrturms in Graz hatte jemand Yolo auf einen Steinpfosten geschrieben. Es fiel mir erst auf, nachdem ich mich dort niedergelassen hatte, aber ich fand es passend. Aus dem Gartenrestaurant hinter mir kamen Alpenmusik-Klänge und selbst das fügte sich auf erschreckende Art und Weise ein in meine Gefühlslage: Genau so will ich leben.

    Frische Luft für meine Lungen

    Samstag, Mai 25th, 2013

    Sie sagen mir, ich hätte den Regen und die Kälte mitgebracht, schauen traurig aus dem Fenster, frösteln sogar ein wenig. Und ich sitze daneben und lächle. Weil ich weiß, dass sie es nicht ernst meinen. Aber mehr noch: weil ich die Augen schließen und durchatmen kann, gestärkt von einem Teller traumhaft leckerer Ćevapčići.

    Als ich zuletzt von Schneeflocken Ende April schrieb, ahnte ich nicht, dass es sich Ende Mai noch immer wie Spätwinter oder Frühherbst anfühlen würde (um die ARD-Tagesthemen zu zitieren). Ich ahnte auch nicht, dass ich meine Tage als selbst kranke journalistische Krankheitsvertretung verbringen würde. Zeit und Muse zum Romanschreiben: quasi nicht vorhanden.

    Doch es gab da dieses Ziel, dieses Datum, das – je näher es rückte – meine Vorfreude steigerte und meinen Puls senkte: gestern habe ich mich in eine äußerlich niedliche, innerlich beengte Maschine der Tyrolean Airlines gesetzt und mich nach Graz bringen lassen. Dorthin kehre ich morgen, nach einem Kurztrip ins benachbarte Maribor, zurück.

    Graz ist für mich ein Mini-Palermo. Weil ich wieder fremde Luft in der Lunge spüren werde, weil ich wieder weg bin vom schwäbischen Alltag, von Verantwortung und Routine, von meinem Bett und meinem Schreibtisch, von dem Vogel, der – benebelt vom Balztanz, ständig gegen meine Fensterscheibe donnert, weil er sein Spiegelbild für einen Rivalen hält.

    Ich bin weggefahren, um an einem kärglichen Tisch in einem Jugendhotelzimmer zu schreiben, am besten wieder sechs Seiten im Schnitt pro Tag, wie vergangenes Jahr. Ich bin weggefahren, um durch die Stadt zu laufen, mit dem ledernen Notizbüchlein in der Hintertasche meiner Jeans, auf der Suche nach Eindrücken aus dem Leben.

    Viele Schriftsteller schätzen die Abgeschiedenheit oder die Fremde, weil sie frei macht. Immer wieder in sie eintauchen zu können war mein Grund, mich von festen Arbeitsverhältnissen zu lösen. Die Woche in Graz wird schneller vorüber sein als mir lieb ist. Aber sie ist nur der Anfang meiner Europatour 2013. Es gibt so viel zu erleben, so viel zu schreiben.